Mehr als 8.500 Besucher beobachteten dabei teilweise bis lange nach Mitternacht, wie acht europäische Spitzenteams aus der Overclocking-Szene alles daran setzten mittels ausgefeilter Kühltechniken ihre Computer an die Grenzen der physikalischen Leistungsfähigkeit zu pushen. Veranstaltet wurde die Meisterschaft vom Computerfachmarkt DiTech.
Ziel beim Overclocking ist es, die PCs durch Modifizieren und Übertakten einzelner Komponenten zu Höchstleistungen zu treiben. Dazu ist eine Kühlung der Bauteile mit flüssigem Stickstoff auf bis zu minus 196 Grad Celsius notwendig. Die Teams kamen aus Österreich, Lettland, Großbritannien, Slowenien, Spanien, Rumänien, Finnland und Griechenland. DiTech stellte dabei Serverinfrastruktur zur Verfügung, die es ermöglicht hat, die Meisterschaften Live über das Internet zu übertragen. Über 10.000 Internet User aus ganz Europa verfolgten den Wettbewerb von zuhause.
Die Wettbewerbe
Beim SuperPI 1M (16.30 bis 21:00 Uhr) wurde die Leistungsfähigkeit der aufgemotzten Computer mittels der Berechnung der Zahl Pi (3,14159…) auf eine Million Nachkommastellen festgemacht: Der aktuelle Weltrekord liegt derzeit bei 6,670 Sekunden. Gewinner in diesem Bewerb wurde das spanische Team (Predator, DaCoSa)*, das die Zahl in 7,406 Sekunden errechnete. An zweiter Stelle folgten die Teams aus Slowenien und Finnland mit jeweils 7,422 Sekunden; Österreich folgt mit 7,484 Sekunden. Die Hardware wurde bei Beginn des Wettkampfs unter den Teams verlost. Das Gewinnerteam erhielt ein Preisgeld von 5.000 Euro, das von DiTech gestiftet wurde.
Von 21:00 Uhr bis lange nach Mitternacht gingen dann die Teams den sogenannten 3DMark Vantage Test an. Zahlreiche Mitglieder der "Overclocking"-Szene benutzen dieses Programm, um ihre Ergebnisse beim Übertakten zu vergleichen und immer neue Punkterekorde aufzustellen. Das Team aus Griechenland schaffte in diesem Bewerb 41.993 Punkte und verfehlte damit knapp den derzeitigen Weltrekord von 42.968 Punkten. Diese Spitzenleistung aber langt nichts desto trotz für einen Platz 3 in der Weltrangliste und einen Platz 2 im Europa-Ranking. In diesem Bewerb arbeiteten die Teams mit eigener Hardware, die kommerziell verfügbar sein musste.
„Unsere Overclocking-Show bei der letztjährigen Langen Nacht der Forschung war so erfolgreich, dass wir heuer noch mehr erreichen wollten – auf höchstem internationalen Level“, erklärt DiTech Geschäftsführer Damian Izdebski sein Engagement. „Rekordversuche beim Overclocking zeigen, was normale PCs oder Notebooks schon in drei bis vier Jahren leisten werden. Diese Leistungssteigerung wird ganz neue Anwendungen ermöglichen. Die Computer-Zukunft wird also spannend bleiben“. Izdebski vergleicht Overclocking mit der Formel 1. Auch in diesem Bereich fließen die Erkenntnisse aus dem Bau der Rennautos in die allgemeine Serienproduktion ein.
PC wird gestimmt wie Musikinstrument
„Beim Overclocking werden viele unterschiedliche Spannungen und Taktraten bzw. Timings angepasst“ erklärt Matthias Zronek, Overclocking-Experte und Herausgeber der Onlineplattform 1. Internationalen Overclocking-Meisterschaft www.overclockers.at. „Vergleichbar ist dies mit dem Stimmen eines Musikinstruments: Es muss im Endeffekt jeder Ton richtig klingen, damit ein schönes Lied abgespielt werden kann. Passt eine Einstellung nicht, dann stürzt das System ab. Sehr viel Gefühl und noch mehr Geduld ist beim Overclocking daher entscheidend.“
Neben der optimalen Hardware ist es aber auch wichtig, die Tricks und Kniffe zu kennen, um den Computer an die Leistungsgrenze zu bringen. Alle Einstellungen, für das Übertakten werden schon vor dem Start des Tests durchgeführt. Während eines Durchlaufs ist darauf zu achten, dass die Komponenten (Prozessor, teilweise auch Grafikkarten) kühl genug bleiben. Deshalb muss sehr gefühlvoll flüssiger Stickstoff in die zugehörigen Kupferbehältnisse (die direkt auf den heißen Komponenten aufsitzen) gefüllt werden, um die produzierte Hitze auszugleichen.
Im Rahmen der 1. Internationalen Overclocking-Meisterschaft fand auch ein Gewinnspiel von DiTech und Adobe statt, das ein Forschungsprojekt der Universität Wien über die Auswirkung von Flüssen und Bächen auf den globalen CO2-Haushalt sponsert. Hier kam durch den Verkauf von Losen ein Betrag von 1.500 Euro zusammen.



1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 