Schon die Keynotes standen im Zeichen von Usability und der Kontinuität eines Softwarehauses, dass seit über 30 Jahren Unternehmensapplikationen entwickelt. Jim Hagemann Snabe, Vorstandsmitglied SAP, verwies darauf, dass es eine Softwarekontinuität geben müsse von einer stabilen Basis aus, die sich den jeweils aktuellen Entwicklungen anpassen lässt, um den Kundenutzen sicherstellen zu können.
Marge Breya, SAP General Manager und Executive Vice President für Business Intelligence, gab dann gleich ein Beispiel, wie Anwender an all die Informationen kommen können, die sie wirklich benötigen – und anhand eines amerikanischen Energieunternehmens wurde der Benefit der eingesetzten SAP Anwendungen erläutert. Aus Kundensicht liegt der Anreiz wohl darin, einen stabilen langfristigen Softwarepartner zu haben, der sowohl die Kostenseite als auch die Benutzerseite möglichst komfortabel zu gestalten weiß.
Dabei müssen aber zwei Punkte berücksichtigt werden, die außerhalb der Einflussmöglichkeiten des Softwareherstellers als auch seines Kunden liegen: veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Veränderung sozialer Strukturen.
Enterprise 2.0?
Dr. Helmut Krcmar von der Uni München betonte im Rahmen eines Roundtables das Spannungsverhältnis heutiger Geschäftsanwendungen zwischen vorgegebenen hierarchischen Prozessen, individuellem Bedarf und einer vom den integrativen Möglichkeiten des Web 2.0 getriebenen „Beziehungswolke“, in die der einzelne eingebettet ist.
Dabei strahle das private „Internet-Verhalten“ einer jungen Generation immer stärker auf den klassischen Unternehmensbereich aus: benötigt würden einfache Tools, um Geschäftsanforderungen im Rahmen eines kollaborativen Netzwerks umzusetzen. Damit öffnen sich aber auch die Grenzen – und bisher hierarchisch strukturierte Unternehmen sind mit der Frage konfrontiert, ob in wie weit sie das zulassen wollen. Durchlässigere Grenzen könnten durchaus „erfrischend“ wirken, so Krcmar, der aber die Kernfrage bei der Umsetzung von Enterprise 2.0 nicht verleugnet, nämlich: „wie man dabei etwas verdienen kann.“
Auf Basis von Google Wave, dem erst vor wenigen Monaten präsentierten Internet-Tool, für Zusammenarbeit in Echtzeit, präsentierte Alexander Dreiling, SAP Australia, mit SAP Gravity ein kollaborativ einsetzbares Tool zur Geschäftsprozessmodellierung. Das Ergebnis des grafischgestützten Prozessdesigns kann dann in BPMN 2.0 XML überführt und weiter verarbeitet werden. Am Beispiel eines Unternehmensmergers wurde dargestellt, wie sich die Echtzeit-Features von Google Wave und seine praktische „Replay“-Funktion einsetzen lassen.
Timo Elliott, Senior Director, SAP Business Objects, präsentierte den „Social Network Analyzer“. Damit können Beziehungsnetze innerhalb von Mitarbeitern eines Unternehmens grafisch dargestellt und analysiert werden. Ausprobieren kann man den Analyzer unter http://sna-demo.ondemand.com. Wann die beiden Produkte „Releasereife“ haben werden, war allerdings nicht zu erfahren.
Leichter zum Software-Code
Weil weiter oben von offeneren Unternehmensgrenzen die Rede war: So wurde auf der TechEd der Ausbau des SAP Community Netzwerks angekündigt mit dem Ziel den Wissensaustausch unter den 1,8 Millionen Mitgliedern des Netzwerks zu fördern. Im Rahmen ihrer Entwickler-Community SAP Software Developer Network (SDN) plant SAP demnach, den Austausch von Software-Code zu erleichtern und diesen allen Mitglieder des SDN bereitzustellen. Des Weiteren haben Mitglieder des SAP Community Netzwerks künftig die Möglichkeit, kostenfrei Entwicklungslizenzen für SAP NetWeaver zu erhalten. Die Walldorfer möchten auf diese Weise eine Entwicklungsumgebung bereitstellen, in der sich neue Produkte und Dienste zügiger entwickeln lassen. Sie sollen noch vor Ende dieses Jahres zur Verfügung gestellt werden.
„Mit dem Code-Austausch sind SDN-Mitglieder am Puls der Zeit“, erläuterte diesbezüglich Mark Yolton, Senior Vice President und verantwortlich für das SAP Community Network der SAP. „Entwicklern einen freien Zugang zu den Entwicklungslizenzen für SAP NetWeaver zu gewähren sowie den Austausch von Software-Code und Prototypen innerhalb des SAP-Ecosystems zu fördern, sehen wir als logischen Schritt beim Ausbau unseres Entwickler-Netzwerkes. Entwickler erhalten damit für ihre innovativen Ideen sowohl die Anerkennung der Mitglieder als auch Feedback von der weltweiten Entwickler-Community.“



7/2011
6/2011
5/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 