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Strategien

Softwaretrends 2010

Softwarebranche: Outsourcing und Software as a Service als Trends

Die erfolgsverwöhnte heimische IT-Branche konnte sich in der letzten Jahresperiode der internationalen Finanzkrise, die ihre Fänge auch um Österreich geschlossen hat, nicht entziehen. So ist der Umsatz der gesamten Branche von rund 29 Mrd. Euro auf unter 28 Mrd. gesunken, davon entfielen nicht ganz acht Mrd. Euro auf die "reine" Softwareindustrie.

Der wichtigste Grund dafür war die allgemeine Spargesinnung in den Unternehmen, das Downsizing von Projekten und die größer werdenden Probleme, für Softwarevorhaben auch ausreichende Bankfinanzierungen zu bekommen. Ein weiterer Grund war auch die drastische Restrukturierung bei der Softwaresparte von Siemens Österreich, die bisher ein verlässlicher Umsatzbringer in der Branchenstatistik war und nun von rigidem Jobabbau durch den Wegfall der Aufträge der Muttergesellschaft betroffen ist.

Diese Entwicklung macht den Branchenvertretern klarerweise zu schaffen. Schon im Februar dieses Jahres (Monitor berichtete) klagte der Verband der Österreichischen Softwareindustrie (VÖSI) über den zunehmenden Kostendruck, der direkte Auswirkungen auf die "Intelligenzbranche" Software mit ihrem hohen Wertschöpfungsbestandteil für den Standort habe. Wie VÖSI-Vizepräsident Manfred Prinz hervorhob, entstehe aus den Erwartungen der Kunden an einen raschen Return on Investment in Partnerschaft mit Spardruck in Unternehmen oft ein Teufelskreis, der die Tendenz zum Software-Offshoring verstärke.

Gesucht: "Initialzünder" für Softwareprojekte

An diesem Befund hat sich seither wenig geändert. Die Regierung, vom VÖSI vehement ausgefordert, sich mehr auf ihre Rolle als "Initialzünder" für Softwareprojekte zu besinnen, hat in diesem Bereich außer den bisherigen einschlägig bekannten Projekten keine weiteren großen Schritte in Richtung IT unternommen bzw. die entsprechenden Regierungspläne ziemlich allgemein und unverbindlich formuliert. So steht etwa das Projekt E-Health noch auf tönernen Füßen, auch die elektronische Unterschrift, E-Rechnung und Bürgercard haben noch einen weiten Weg vor sich.

„Die Softwarebranche als einer der innovativsten heimischen Wirtschaftszweige fristet ein politisches und gesellschaftliches Schattendasein.“ - VÖSI-Präsident Peter Kotauczek

Des Weiteren ist nahezu die gesamte Branche mit dem Verlauf des so genannten IKT-Masterplans, der auch die Softwareindustrie einschließen sollte, unzufrieden. Es fehle zwar nicht an der Erkenntnis, dass Verwaltungseinsparungen und mehr Effizienz der Öffentlichen Hand hauptsächlich durch innovativen Einsatz von Software zustande kommt, doch entsprechende Handlungen seitens der Regierung werden nach Meinung des VÖSI viel zu zögerlich gesetzt. "Und bei näherer Betrachtung der aktuellen Regierungspläne wird sich an der Situation auch bis auf weiteres nicht viel ändern, und eine der innovativsten heimischen Wirtschaftszweige wird weiterhin ein politisches und gesellschaftliches Schattendasein fristen", klagt VÖSI-Präsident Peter Kotauczek.

Die Wirtschaftskrise hat bekanntlich die Banken sehr hart getroffen, was auch weitreichende Auswirkungen auf die Softwarebranche hat. Einerseits ist die Finanzwirtschaft eine der wichtigsten Kundenstöcke der Softwareindustrie, und die teils drastischen Probleme im Gefolge der Weltwirtschaftskrise hat Investitionen ausdünnen lassen, anderseits hat sich die Situation am Kreditmarkt insgesamt verschlechtert. "Dadurch, dass Software in den heimischen Firmenbilanzen oft nicht aktiviert werden kann, fehlt den Banken die Geschäftsgrundlage für die Kreditvergabe", sagt Kotauczek. Diese Bedingungen sind auch durch die Finanzkrise gewiss nicht besser geworden.

Zwiespältiger Arbeitsmarkt

Ein weiterer Trend, der die Branche in Zeiten wie diesen trifft, ist die zwiespältige Arbeitsmarktsituation. Auf der einen Seite geht der Beschäftigungsstand - nicht zuletzt durch die Freistellungen bei Siemens - zurück, auf der anderen Seite wiederum beklagen Branchenfunktionäre den Mangel an Fachkräften, was zu einer Situation führt, in der naturgemäß das Arbeitsmarktservice und der ganze politische Willensbildungsprozess rundherum stark gefordert ist.

Laut einer Statistik der Wirtschaftskammer ist die Zahl der im IT-Bereich beschäftigten Personen im letzten Jahrzehnt um 14,4 % gewachsen, heute jedoch stagniert er bei rund 170.000 Beschäftigten in rund 15.000 Betrieben, vom Ein-Mann-Unternehmen bis zu Größen wie Microsoft, Oracle, SAP oder IBM.

Dem letzten Aderlass, 600 Kündigungen bei Siemens, stehen rund 3.000 offene Stellen gegenüber, meint Wilfried Pruschak von Raiffeisen Informatik, einem der größten Arbeitgeber in der Softwarebranche. Nach seiner Rechnung entgehen dem Staat pro Arbeitsplatz 109.000 Euro jährlich an Wertschöpfung. Das Problem liege an der schwachen Verfügbarkeit von "hochspezialisierten Softwareleuten", die der heimische Ausbildungsmarkt einfach nicht hervorbringe, da es nach Meinung der Branchenexperten einerseits an den nötigen Incentives für derartige technische Berufe fehle und anderseits auch das Innovationsbudget für Firmen von Staat nicht sonderlich gestützt werde.

Einmal mehr lautete der Tenor: Ein IKT-Masterplan muss her, dessen Implementierung auch die drängende Frage der Aus- und Weiterbildung ins Visier nimmt. Anderseits verflachte sich im Bereich der Softwareberufe zuletzt aber auch die Gehaltsspirale.

VÖSI-Vorstandsmitglied Manfred Prinz: "Bislang verwöhnte Arbeitskräfte wie SAP-Berater werden nun mit normalen Gehältern konfrontiert. Und Neueinsteiger mit wenig Praxis haben es sicher schwer".

Lebenszeichen Outsourcing

In Zeiten von Krisen sendet der Outsourcing-Markt immer wieder deutliche Lebenszeichen, so auch momentan. Laut einer aktuellen Studie des Marktforschers IDC habe dieser Markt in Österreich im Jahr 2009 rund 3,11 Mrd. Euro an Umsatz erzielt, eine Steigerung von 4,7 %, eine Messung, die von der Wirtschaftskrise aber noch relativ unbeeinflusst war, wie IDC-Analyst Rainer Kaltenbrunner einschränkt.

Die Studie grenzt die Softwareindustrie in ihrem Anteil nicht klar ab, da es starke Überschneidungen zwischen den Segmenten gibt. So umfasst der Bereich Hardware- und Software Support Services 19,1 % des Outsourcing-Marktes, der Bereich Customer Application Development 16,4 %. Das durchschnittliche jährliche Wachstum des IT-Services-Marktes bis 2013 wird mit 3,4 % prognostiziert. Ein vergleichsweise geringer Anstieg für die IT-Branche, in der Wachstumsquoten jenseits der 20-%-Marke gang und gäbe waren.

Nach Branchen betrachtet hält die Finanzbranche mit 25,4 % Anteil am Gesamtmarkt die größten Ausgaben für IT-Services, gefolgt von der Industrie und dem öffentlichen Sektor. Potenzial und Möglichkeiten für IT-Services-Anbieter werden in den kommenden wirtschaftlich schwierigen Zeiten laut IDC in neuen Services und Delivery-Modellen gesehen, denen allesamt eines gemein ist: die Fokussierung auf Kostenreduzierung und Effizienzsteigerung.

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MONITOR-Autoren
Dr. Manfred Wöhrl

Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. ..mehr..

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