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ERP-Guide

Marktentwicklung

ERP-Trends 2010+

Der ERP-Markt ist nicht tot, technologische und regulatorische Entwicklungen sorgen genauso für Bewegung wie die Einbeziehung immer neuer Anwendergruppen im Unternehmen.

Frank Naujoks

Das Jahr 2010 wird gekennzeichnet sein durch Investitionszurückhaltung und Budgetkürzungen. Dennoch gibt es mehrere Quellen, aus denen sich auch in diesem Jahr Wachstumspotenziale für ERP-Anbieter generieren lassen.

Dazu zählen die Ausweitung der Nutzer innerhalb der Bestandskunden. Durch spezielle Lizenzangebote, die zu einem niedrigeren Preis einen reduzierten Funktionsumfang liefern, kann es gelingen, sich neue Nutzerpotenziale zu erschließen. Die Marketing- oder Vertriebsabteilung beispielsweise braucht keinen vollständigen Zugang zum ERP-System, aber der Zugang zu Kundeninformationen und deren Weiterverarbeitung in entsprechenden Marketing- oder Vertriebsaktivitäten kann für das Anwenderunternehmen so positiv sein, dass die Kosten für die abgespeckte Lizenz keine entscheidende Rolle mehr spielt. Ähnliches gilt für spezifische BI-Funktionalitäten, die nahezu durchgängig im Unternehmen zum Einsatz kommen können.

Die Globalisierung der Unternehmen stellt eine weitere Wachstumsmöglichkeit dar. So müssen beispielsweise ausländische Lieferanten oder Vertriebs- und Produktionsstandorte an das System der Unternehmenszentrale angebunden werden, um eine Steuerung des Unternehmens zu erlauben.

Echtzeitanforderung als Treiber

Ein wichtiger Treiber für die Modernisierung der IT ist das Thema Echtzeit. Nur wenn Berichte und Finanzreports schnell zur Verfügung stehen und nicht erst mühsam aus unterschiedlichen Systemen unter Hilfe von Excel konsolidiert werden müssen, kann eine aktive Unternehmenssteuerung gelingen. Finanzinformationen in Echtzeit werden eines der Hauptsteuerungsmittel für Unternehmen. Das hat zur Folge, dass XBRL (1) sich als Reporting-Standard etablieren wird, auch durch Druck der amerikanischen Börsenaufsicht SEC. Entsprechende Angebote werden zunehmend von den Anwendern erwartet.

Als reine Generalisten werden ERP-Anbieter nur noch bedingt wachsen können. Insbesondere KMUs und branchenspezifische Angebote werden auch in den nächsten Jahren die Segmente sein, die innerhalb des ERP-Marktes die höchsten Wachstumsraten aufweisen werden. SAP hat beispielsweise vor rund zehn Jahren auf diese Entwicklung bereits mit einer massiven Umschichtung und Ausweitung der Entwicklerkapazitäten in Richtung Branchenentwicklung reagiert und erntet jetzt die Früchte dieser Entscheidung.

Trotz der Schlappe, die SAP mit der allzu offensiven Durchsetzung der Erhöhung der Wartungsgebühren erlitten hat, ist die Tendenz, aus diesem Bereich die Umsätze zu erhöhen, nachvollziehbar. Aufgrund der zunehmenden Sättigung im ERP-Markt erhalten die Umsätze der Bestandskunden eine immer wichtigere Bedeutung. Auch Microsoft versucht aktuell, Altverträge aus Navision-Zeit auf das aktuelle Maintenance-Niveau anzuheben.

Konsolidierung

Die Marktkonsolidierung hat aktuell im Rahmen der Wirtschaftskrise an Fahrt verloren, dennoch sind insbesondere die letzten Jahre von massiven Übernahmen geprägt gewesen. Unternehmen, die in den letzten Jahren ihre Unabhängigkeit allein an Oracle verloren haben sind unter anderem: PeopleSoft, JD Edwards, Siebel, Retek, Hyperion. Zusätzlich hat sich Infor mit SSA Global einen weiteren Großeinkäufer der letzten Jahre gesichert.

Aktuell ist eine Dreiteilung des Marktes zu beobachten. Auf der einen Seite die sogenannten globalen Full-Stack-Anbieter wie SAP, Microsoft, Oracle aber auch Salesforce.com. Diese Anbieter bieten eine proprietäre Entwicklungsplattform, auf denen Partner Zusatzmodule oder Branchentemplates entwickeln können. Im Fall von Salesforce.com wird beispielsweise eine vollständige Entwicklungsumgebung zur Entwicklung von On-Demand-Anwendungen zur Verfügung gestellt, die das eigene CRM-Produkt funktional ergänzen sollen, beispielsweise auch durch eine Buchhaltungssoftware. Das Ganze wird dann auf dem hauseigenen Marktplatz verkauft.

Anbieter wie Sage oder Agresso verfolgen wiederum die Strategie der Spezialisierung. Im Fall von Agresso auf ausgewählte Branchen wie Public Sector, im Fall von Sage durch den Aufkauf von lokalen Spezialisten, die ihre Software im Land weiterentwickeln. Ergänzt wird im Fall von Sage das Portfolio durch eine globale ERP-Suite und CRM- beziehungsweise BI-Produkte, die weltweit einheitlich vertrieben werden.

Schweren Zeiten blicken Local Heroes entgegen. In einer Branche und in einem Land oder eng umgrenzten Gebiet in den letzten Jahren groß geworden, kämpfen diese auf KMUs spezialisierten Anbieter mit den Folgen der Globalisierung ihrer Kundschaft. Denn mit den Jahren ist der Anspruch der Klientel dem der Großunternehmen bezüglich Funktionalität, Sprachversionen und Multi-Währungsfähigkeit immer ähnlicher geworden. Mit der unangenehmen Folge, dass Anbieter, die diese Anforderungen nicht mehr bedienen können, Kunden verlieren beziehungsweise Schwierigkeiten haben, Neukunden zu akquirieren. Wenn es diesen Anbietern nicht gelingt, hier erfolgreich zu sein, werden noch einige Übernahmen und Marktaustritte zu beobachten sein.

ERP 2020

Auch in zehn Jahren wird es ERP-Systeme geben; die Rahmenbedingungen werden sich aber grundlegend geändert haben. Die bekannten Anbieter werden ergänzt durch Unternehmen, die heute in ganz anderen Segmenten groß geworden sind. Starke Anbieter im Software-as-a-Service-Umfeld kommen aktuell beispielsweise aus dem Handelsbereich. Sowohl Ebay als auch Amazon sind erfolgreich als Anbieter für Kleinunternehmen und beherrschen den Verkaufsbereich, die Rechnungsstellung und die Logistik hervorragend. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Unternehmen schrittweise auch den anderen Bereichen des ERP-Marktes annehmen werden und ihr Angebot ausbauen.

Google drängt ebenfalls stark in den Bereich Geschäftsanwendungen. Nicht nur durch die Kooperation mit Salesforce.com, sondern auch mit Office-Anwendungen, Mail und Kalender. Geld wird damit aktuell nicht verdient, in zehn Jahren wird das sicherlich anders sein.

SAP ist als ERP-Marktführer mit großen Schritten in den SaaS-Markt marschiert. Dort ist aktuell die Lernkurve extrem und alle anderen Anbieter verfolgen sehr genau, welche Schritte SAP unternimmt und welche Resultate sich daraus ergeben. An dem Thema wird kein Anbieter vorbeikommen und alle größeren Anbieter haben entsprechende Konzepte in der Schublade. Sobald sich eine Klärung der Abrechnungs-, Lizensierungs- und Einführungsmodelle abzeichnet, wird der Markt wachsen. Bis dahin werden aber im ERP-Kernsegment noch einige Jahre vergehen.

Zurzeit bremsen die Entwicklungskosten der Anbieter und Sicherheits- und Datenschutzbedenken der Anwender die Marktentwicklung. Aber SaaS-ERP wird weiter wachsen, doch die Komplexität der integrierten ERP-Suites wird Großunternehmen davon abhalten, komplett auf SaaS zu setzen. Als punktuelle Lösung (HCM) und für SMBs ist SaaS ERP durchaus eine Alternative.

Einhergehend mit der Verbreitung von SaaS-Anwendungen werden auch Lizensierungsfragen aufgeworfen. Die Anbieter müssen den Übergang von Vorab-Bezahlung der Lizenzen zu einer monatlichen Rate schaffen, ohne in Liquiditätsengpässe zu kommen. Hier müssen Anbieter auch lernen, dass SaaS zu Kündigungen führen kann und dass Skalierung auch bedeutet, dass sich im Falle von Arbeitsplatzabbau sehr schnell die monatlichen Zahlungen reduzieren. Bei einmal geleisteten Lizenzzahlungen war die Situation für Anbieter deutlich komfortabler.

Wegen der Unkalkulierbarkeit wird eine beleg- oder wertorientierte Bezahlung sich nicht durchsetzen können. Zu komplex scheint Anwendern die Preisberechnung - und damit fehlt die Budgetierbarkeit.

Der Autor Frank Naujoks ist Leiter Research bei i2s, www.i2s-consulting.com

(1) XBRL (eXtensible Business Reporting Language) ist eine auf XML basierende Sprache, mit der elektronische Dokumente im Bereich der Finanzberichterstattung erstellt werden. Insbesondere werden Jahresabschlüsse in dieser Sprache generiert.

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ERP - Enterprise Resource Planning

(ERP, „Planung [des Einsatzes/der Verwendung] der Unternehmensressourcen“) bezeichnet die unternehmerische Aufgabe, die in einem Unternehmen vorhandenen Ressourcen (Kapital, Betriebsmittel oder Personal) möglichst effizient für den betrieblichen Ablauf einzusetzen.

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