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Business-Software

SAP will krisensicheres Wachstum

Neue Geschäftsmodelle und Produkte sollen die deutsche Softwareschmiede SAP gestärkt aus der Wirtschaftskrise führen. Mit dem Produkt Business ByDesign möchte SAP dem Modell Software als Service endlich zum Durchbruch verhelfen. Blitzschnelle und übersichtliche Analysen für jedermann bietet wiederum der neue Business Objects Explorer.

Alfred Bankhamer

SAP-Unternehmen- szentrale in Walldorf (Bild: SAP)

Walldorf, ein kleines, nettes deutsches Städtchen mit 14.500 Einwohnern in der Nähe von Heidelberg und Mannheim gelegen, hätte wohl in der Wirtschaft für wenig Aufsehen gesorgt, wenn hier nicht einst der Softwarekonzern SAP großgeworden wäre. Heute arbeiten trotz Krise über 11.000 Mitarbeiter an den beiden nahegelegenen Standorten Walldorf und St. Leon/Rot.

Von der Härte der globalen Wirtschaftskrise ist die Region noch relativ verschont geblieben, obwohl die erfolgsverwöhnte Softwareschmiede gleich nach dem folgenreichen Zusammenbruch des Bankhauses Lehman Brothers vor rund einem Jahr satte Einbrüche beim Verkauf von Softwarelizenzen zwischen 30 bis 40 % hinnehmen musste.

"Die SAP hat die Wirtschaftskrise schnell getroffen, aber auch sehr schnell reagiert", so SAP-Sprecher Herbert Heitmann, "in nur 10 Tagen ist ein riesiger Teil des Umsatzes weggebrochen." Manche meinten gar, dass die SAP-Gründer fast panisch reagiert hätten. Vergünstigungen und Reisebudgets wurden kräftig gekürzt sowie 3.000 Stellen weltweit gestrichen. "Großteils ging das mit der normalen Fluktuation", betont Heitmann, "nun sehen wir uns gerüstet, egal wie lange die Krise noch dauert." Dazu sollen nicht nur die internen Spar- und Effizienzsteigerungsmaßnahmen beitragen, sondern auch neue Geschäftsmodelle und Produkte, die neben den Großkonzernen nun verstärkt den heiß umkämpften Mittelstand erreichen sollen.

"Die SAP ist 36 Jahre lang an den Softwarelizenzen gehangen wie ein Kranker an der Nadel", drückt es Heitmann reichlich dramatisch aus. An diesen vor allem auf Softwarelizenzverkäufe orientierten Geschäftsmodellen konnte die SAP lange nicht rütteln, da der Finanzmarkt den Softwarelizenzverkauf als einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren gewertet hat. So gesehen kann man der Krise auch positive Aspekte zuschreiben, da nun Althergebrachtes hinterfragt werden durfte. "Wir nützten die Gunst der Stunde, um neue Strukturen aufzubauen", erklärte Heitmann auf einem SAP-Infotag für die Fachpresse Ende September in Walldorf, mit dem Ziel, SAPs neue Strategie für nachhaltigeres Wachstum samt den neuen Produkten zu präsentieren.

Service "rulez"

Mit SAP Business ByDesign Daten „ordentlich“ visualisieren: Rainer Zinow, Senior Vice President, BYD Innovation, SAP Ramp-up EMEA und Kunden

Die "neue SAP" setzt verstärkt auf das Geschäftssegment "Software related services". Denn diesen Diensten rund um die in Programmzeilen gegossenen Geschäftsprozesse war es letztlich zu verdanken, dass die kräftigen Einbrüche beim Softwareverkauf relativ gut kompensiert werden konnten. Und diese Dienste versprechen noch dazu deutlich konstantere Einnahmen als das wankelmütige Softwarelizenzgeschäft. "Kunden behandeln unsere Software wie große Investitionsgüter", erklärt Heitmann. Nur, dass Software nicht wie beispielsweise Maschinen abgeschrieben werden kann. Dadurch wurde der Softwareverkauf gerade in Krisenzeiten gleich doppelt getroffen.

Eine erste Maßnahme, um Mehr aus dem Dienstleistungsbereich zu holen, sorgte erst kürzlich für großes Aufsehen: die Neugestaltung der Wartungsverträge. Die deutliche Gebührenerhöhung von 17 % auf 22 % auf "branchenübliches Niveau" (so Heitmann), hatte Anwender auf die Barrikaden getrieben. SAP musste deshalb beim neuen Wartungsmodell "Enterprise Support" einige Eingeständnisse machen und viel Überzeugungsarbeit leisten, um Nutzern den Nutzen des neuen Supportmodells darzulegen.

"Wir haben den SAP-Anwendern versprochen, mit dem neuen Supportmodell auch einen Mehrwert zu bringen", erklärt Heitmann. So wurde mit den rebellischen Anwendervereinigungen nun vereinbart, dass das neue Modell vorerst bei 100 Kunden getestet wird. Werden dabei die vordefinierten Werte von SAP nicht erreicht, dann sieht SAP von einer weiteren Gebührenerhöhung ab und zu viel Bezahltes wird in Form von Gutschriften rückerstattet. Wenn die SAP aber den Test besteht, dann wird die Wartungsgebühr wie vorgesehen in kleinen Schritten weiter erhöht.

"All you can eat"

Neu sind bei den Walldorfern auch die Global Enterprise Agreements. Zu einem fixen monatlichen Betrag können damit große Unternehmen das ganze SAP-Portfolio nutzen. Das Sorglos-Paket wird dabei an die individuellen Anforderungen angepasst und entsprechend kalkuliert. Das bedeutet für beide Seiten eine höhere Kostentransparenz. In Summe soll laut SAP das Modell auch günstiger als der laufende Zukauf von Einzelprodukten sein. Für die SAP sinkt zugleich die Gefahr, dass Kunden schnell mal fremdgehen. Die Flatrate wird dabei nach den üblichen Lizenzparametern wie Mitarbeiteranzahl, dem sogenannten Engine-Price (die Nutzungsintensität) sowie dem Portfolio kalkuliert. Für das Bündel, das auf fünf bis zehn Jahre ausgehandelt wird, gibt es dann einen entsprechenden Nachlass. Zehn bis 15 SAP-Kunden haben sich bislang für das neue Modell entschieden. Auch Siemens, die bekanntlich den Wartungsvertrag gekündigt hatte, soll so wieder gewonnen werden.

Dass mit Modellen wie diesen das klassische Lizenzmodell ganz zum Auslaufmodell wird, glaubt der SAP-Kommunikationschef nicht. Eine deutliche Abnahme werde es in den nächsten Jahren aber geben.

Business ByDesign

Kleinere Unternehmen, dem sogenannten unteren Mittelstand mit 50 bis 500 Mitarbeitern, sollen nun mit der webbasierenden Lösung Business ByDesign gewonnen werden. Im Kurztest zeigte sich die Onlinelösung auch wirklich sehr bedienerfreundlich. Alle möglichen Geschäftsfälle - vom Projektmanagement bis zum Compliance Management - lassen sich rasch ohne besondere Vorkenntnisse abwickeln. Zugleich bietet die Einstiegsseite allen Mitarbeitern auf einmal den individuell gestalteten Überblick über Aufgaben, Geschäfte, Neuigkeiten und Auswertungen. Dank der Übernahme von Business Objects lassen sich laut Rainer Zinow die Daten "nun auch ordentlich" visualisieren. Bedienerfreundlichkeit war bislang ja nicht der große Pluspunkt von SAP. Die Migration soll laut Zinow innerhalb von sechs Wochen möglich sein. Bislang testen das Produkt 80 Pilotkunden. Mitte 2010 ist die große Markteinführung vorgesehen.

Mit On-Demand-Erweiterungen nach dem Modell Software als Service (SaaS) werden jetzt auch das Produkt SAP ERP und die SAP Business Suite ausgestattet. "Wir können nun Software on Demand technologisch zuverlässig - kritische Geschäftsprozesse müssen ja sicher sein - und in einer hübschen, einfach zu bedienenden Form anbieten", erklärt SAP-Sprecher Herbert Heitmann. Das Feedback der Kunden sei bislang recht gut gewesen, aber die Kosten für SAP waren bislang zu hoch. Dieses Problem soll nun gelöst sein. 2008 nutzten erst 2 % der Kunden SaaS-Produkte von SAP. Heuer soll sich die Zahl verdoppeln.

Kluge Antworten

Ein weiteres, stark mit Business-Objects-Technologie in Form gegossenes Produkt ist der Business Objects Explorer, der laut Stefan Knopf, bei SAP für das Business Objects Lösungsportfolio zuständig, die Business-Intelligence-Welt geradezu revolutionieren soll. Jeder Anwender kann nun mit ein paar Klicks dank der rasend schnellen In-Memory-Technologie und vordefinierten "Information Spaces" (vorgegebene sinnvolle Datenkategorien) gewünschte Zusammenhänge abfragen.

Etwa, warum sich nur in jener Region rote Pullis gut verkaufen oder andere lokale Geschäftsbesonderheiten. Bislang musste dafür auf Auswertungen der IT gewartet werden. Seit Juni 2009 ist der Business Objects Explorer am Markt und soll nun im zweiten Release ebenfalls auf Fremddaten (inklusive Wetterdaten, geografische Infos, etc.) zugreifen können.

Alles im grünen Bereich

Neu, durch die Krise und/oder den Führungswechsel von Leo Apotheker bei der SAP bestimmt, ist seit 2009 die Sustainabilty-Gruppe mit rund 300 Mitarbeitern. Rund ein Drittel davon soll dafür sorgen, das in der SAP selbst nachhaltiger und grüner gewirtschaftet wird - innerhalb von fünf Jahren möchte der Software-Konzern den CO2-Ausstoß halbieren. Rund 200 Mitarbeiter basteln indes vor allem an Lösungen für Kunden. Zum Beispiel, um bei Produkten Kennzahlen wie die CO2-Bilanz oder den Gesamtenergieverbrauch angeben zu können. Denn "grüne" Produkte verkaufen sich trotz Weltwirtschaftskrise dank der Klimakrise zunehmend besser.

SAP-Musterschüler Österreich
Großen Wert legt SAP freilich darauf, dass Kunden ihre Produkte brav upgraden. Dabei sind die österreichischen Unternehmen laut einer Umfrage der RAAD Research GmbH im April 2009 deutlich fleißiger als ihre deutschen Kollegen. Die Befragung von 250 österreichischen SAP-Bestandskunden ergab, dass schon 67 % SAP ERP einsetzen, der Rest vertraut noch ganz auf das gute alte R/3. Bis Jahresende soll die 70 %-Marke erreicht werde. Rund 21 % der Befragten arbeiten schon mit der SAP Business Suite. In Deutschland sind es nur 15 %. Schon 59 % der Unternehmen setzen den aktuellen Hauptrelease ERP 6.0 ein. Bis Ende 2009 sollen es gar 67 % sein.


www.sap.at

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(ERP, „Planung [des Einsatzes/der Verwendung] der Unternehmensressourcen“) bezeichnet die unternehmerische Aufgabe, die in einem Unternehmen vorhandenen Ressourcen (Kapital, Betriebsmittel oder Personal) möglichst effizient für den betrieblichen Ablauf einzusetzen.

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Alexandra Riegler

Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. ..mehr..

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