Im Werk Weinsberg fertigt die 1958 gegründete Fibro GmbH Rundschalttische mit Planverzahnung, NC-Rundtische und Rundlauftische mit Kurventrieb. Die rechtlich eigenständige Fibro-GSA Automation GmbH lässt ihre Produkte - Linearportale, Bandsysteme und individuelle Kundenlösungen - im Werk Haßmersheim der Fibro GmbH fertigen. Niederlassungen gibt es in Frankreich, den USA, Kanada, Indien, Schweiz und Singapur, zudem noch etwa 100 Vertretungen und Servicepartner weltweit. Rund 950 Mitarbeiter erwirtschafteten 2008 über 180 Mio. Euro.
Die Problemlage
Seit längerem gab es handfeste Probleme mit der Liefertermintreue. Sie lag zeitweise deutlich unter den gesteckten Zielen und es bildeten sich zu hohe Bestände mit hoher Kapitalbindung. Achim Stapf, IT-Leiter der Fibro-Gruppe, weiß noch: "Unsere Auftragsbücher waren randvoll, es kam aber zu keiner effizienten Reihenfolge in den Produktionsprozessen, um die Liefertermine einzuhalten." Abteilungen wie Konstruktion und Einkauf waren gar nicht mit eingebunden. So setzten sich Entscheider aller drei Unternehmensbereiche mit den Geschäftsführern zusammen, um rasch Abhilfe zu schaffen.
Die Ziele wurden definiert: Die Erhöhung der Liefertermintreue, die Reduzierung der Bestände verbunden mit einer optimierten Lagerhaltung sowie eine effektive Erhöhung der Prozessgeschwindigkeit. Klar war außerdem, dass man in der Auftragsplanung und logistischen Optimierung entlang der gesamten Supply Chain ansetzen musste. So entstand ein Pflichtenheft mit allen Anforderungen. "Dann haben wir uns auf dem Markt umgesehen, welche Softwareprogramme es gibt, die uns helfen können", schildert Stapf den Start des Projekts.
Zukunftsstrategie
Schon 1999 hatte man das selbst entwickelte EDV-System durch den ERP-Standard PSIpenta des Branchenspezialisten Psipenta Software Systems GmbH abgelöst. In der Multisite-Umgebung dieses Programms wird seitdem die gesamte Fibro-Gruppe zentral verwaltet. Darum spielte die Integrationsfähigkeit jeder neuen Software in dieses System eine herausragende Rolle.
Wie schon 1999 entsprach die PSIpenta-Lösung am ehesten den Vorstellungen der Maschinenbauer. Das vom Berliner Systemhaus neu entwickelte Funktionspaket Adaptive Manufacturing Control (AMC) ist tief im ERP-Standard integriert. Es nutzt Algorithmen aus der Regelungstechnik zur adaptiven Fertigung, um auch unter dynamischen Bedingungen vordefinierte Zielstellungen wie eine Erhöhung der Prozessgeschwindigkeit selbständig zu erreichen. Kernbestandteil sind die Module SRM (Selbstregulierender Mechanismus), DPA (Dynamischer Produktionsabgleich) und CTP (Capable-to-promise).
Nach der Beauftragung der Berliner im April 2008 konnte bereits im Juni mit der Rückstandsauflösung begonnen und im Oktober fast vollständig mit den neuen Modulen gestartet werden. "Mit SRM regulieren wir unter anderem automatisch Stellgrößen wie Bestellmengen und Wiederbeschaffungszeiten. Mit DPA legen wir Reihenfolgen in Einkauf und Fertigung fest und lösen die Fertigungsrückstände auf", erklärt der IT-Leiter. CTP wird zurzeit noch an die Geschäftsbereiche angepasst. Der Grund liegt in der völlig unterschiedlichen Termingestaltung der Bereiche, unter anderem durch stark differierende Lieferzeiten etwa aus Asien oder direkt aus der Region.Heute entstehen in PSIpenta adaptive klar strukturierte Aufträge, die die Liefer- und Fertigungsabschnitte schon in der Kundenvorgangsstruktur erhalten, die in dem Moment entsteht, in dem ein Auftrag erteilt wird. "Der Kunde gibt den Termin vor. Er weiß, wann seine Halle fertig ist und das neue Modell vom Band laufen muss. Für uns gibt es da keine Spielräume", erläutert Stapf. Und auch der Vertrieb und die Konstruktion sind in den Arbeitsplan eingebunden, so dass das System von Beginn an die komplette Prozesskette abbildet. Das Projektmanagement achtet bis zur Auslieferung strikt darauf, dass jede Station der Supply Chain ihre Aufgaben plangemäß abarbeitet.
Kleine Modifizierungen der Software waren anfangs schon nötig. So hatte man zunächst nicht berücksichtigt, dass ein Teil nicht immer beim selben Lieferanten eingekauft werden muss. Außerdem machte die Praxis deutlich, dass nicht nur Prognosen, Bedarfe und Verbräuche eine Rolle spielen, sondern auch die Wirtschaftlichkeit: Etwa wenn man übers Jahr nur zwei Teile braucht, die wirtschaftliche Losgröße laut Fertigung aber zehn Teile wären. So entstand schon früh ein Programm zur wirtschaftlichen Losgrößenbetrachtung, das jeden Artikel mit unterschiedlichen Zahlen kalkuliert und eine Lagerkostenrechnung dagegenstellt.
"Das Projekt ist inzwischen auch in unseren Zahlen angekommen", weiß Stapf. So hat sich die Liefertermintreue auf über 80 % erhöht, bis Jahresende sollen daraus 90 % werden. Das Net Working Capital, für Fibro eine wichtige Kennzahl für den Projekterfolg, wurde um 20 % reduziert, laut IT-Leiter immerhin ein Betrag im zweistelligen Millionenbereich. Auch hier will man in den nächsten Monaten noch zulegen und die 25 %erreichen.





1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 