15-10-2009 | Aus MONITOR 2009 Special Software Gedruckt am 19-12-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/12131
ERP

ERP-Zufriedenheitsstudie

Zufrieden, aber womit?

Ausgewählte Aspekte der Projektergebnisse der i2s ERP-Zufriedenheitsstudie zeigen Unterschiede auf - nicht jeder Aspekt liegt auf Topniveau

Christoph Weiss

Seit 2005 läuft bereits in Österreich die Initiative der ERP-Zufriedenheitsstudie. Dabei betrachtet diese Studie unter anderen vier Themensegmente, zu denen Anwender ihren Zufriedenheitsgrad nennen können. Neben den Systemaspekten, der Projektorganisation und der Betriebsaspekte wird auch das Projektergebnis analysiert.

Zufriedenheit als zentrale Frage und Varianz als ergänzende Information

Im Vordergrund steht die zentrale Frage nach der Zufriedenheit der Anwender. Anhand von 29 Merkmalen wurde diese subjektive Größe der Anwender-Zufriedenheit detailliert erfasst und bewertet. Dabei wird nach einem umgekehrten Schulnotensystem bewert.

Neben der durchschnittlichen Zufriedenheit wird jeweils auch die Varianz ausgewiesen. Die Varianz zeigt, in wie weit die einzelnen Werte einer Streuung unterliegen. Damit ergibt sich eine Aussage über die Beeinflussbarkeit und das Verbesserungspotential aber auch die Unsicherheit eines bestimmten Wertes.

Betrachtet man die Projektergebnisse als Ganzes, so wird dies im Durchschnitt mit einem Gut bewertet. Dies betrifft nicht nur die Zielerreichung, sondern auch den Punkt Eigenentwicklungsanteil. Die Budgettreue und Termintreue sowie der Personalaufwand liegen teilweise deutlich unter einem Gut. Auffällig dabei ist, dass sich auf der einen Seite Anbieter, deren Kunden vor allem große Unternehmen sind, recht gut halten, andere weniger (siehe Tabelle im ERP-Guide). Weiters ist interessant, dass sich auch ein paar Anbieter, die vor allem Kleinunternehmen zu ihren Kunden zählen bei den Themen der Projektergebnisse auch sehr schwer tun.

Termintreue

Abbildung 1 zeigt, dass die Ergebnisse im Durchschnitt aller bewerteten Systeme unter einem Gut liegen. Auffällig ist die teilweise sehr hohe Varianz. Es gibt einige Projekte, die nicht im geplanten Zeitraum abgewickelt werden, aber auch Projekte, die sehr wohl pünktlich abgeschlossen werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass auf der einen Seite seitens der Anwenderunternehmen unrealistische Zeitpläne erstellt werden, um rasch das Projekt hinter sich zu bringen.

Abb.1: Beeinflussbare und variante Zufriedenheitsaspekte: Termintreue (N=714 Projekte) - Studie Anwender-Zufriedenheit ERP/Business Software Österreich 2008 © i2s GmbH, Zürich/ADV, Wien

Auf der anderen Seite werden ERP-Einführungsprojekte oft unterschätzt, da meist keine oder wenig Erfahrung bei der Einführung von Business-Software-Projekten vorhanden ist. Die Anbieter drängen auch oft auf eine rasche Projektumsetzung, um sich schnell wieder auf neue Projekte konzentrieren zu können. Bezüglich Terminen ist weiters zu sagen, dass ein "Durchboxen" eines Termins genauso wenig bringt, denn dann kommt vor allem das Testen zu kurz. Andererseits sind unnötig lange Projektlaufzeiten für das Projektteam demotivierend.

Budgettreue

Die Ergebnisse des Zufriedenheitsaspektes Budgettreue zeigen ein sehr breites Spektrum an Ergebnissen (siehe Abbildung 2). Hier gibt es eine bunte Mischung an Anbietern, welche gute und weniger gute Ergebnisse erhalten. Grundsätzlich ist zu erwähnen, dass in den meisten Fällen Budgetüberschreitungen von Anwendern wie Anbietern verursacht werden. Anwender wollen oft die gleichen Prozesse, Funktionen und Bilder im neuen System wieder finden, die sie aus dem Altsystem kennen, und dies wird oft zugelassen.

Abb.2: Beeinflussbare und variante Zufriedenheitsaspekte: Budgettreue (N=714 Projekte) - Studie Anwender-Zufriedenheit ERP/Business Software Österreich 2008 © i2s GmbH, Zürich/ADV, Wien

Am Anfang versucht der Anbieter dies zu verhindern, gibt dann rasch auf, setzt die Anforderungen der Kunden um, obwohl diese eigentlich nichts bringen, die Anpassungen dem Lieferanten aber Geld bringen. Nicht selten werden Prozesse so oft verändert und angepasst, bis man sich dem ursprünglichen Standard wieder nähert. Weiters ist zu erwähnen, dass es immer wieder vorkommt, dass der Projektleiter nicht einmal das Budget kennt, welches ihm im Projekt zur Verfügung steht. Schlimmer ist es noch bei den Teilprojektleitern.

Wenn diese nicht ihr Budget kennen, für welches sie verantwortlich sind, erstellen sie sich in ihren Bereichen und Prozessen "goldene Türklinken" - und können eigentlich gar nichts dafür. Daher ist ein gutes Projektmanagement, nicht nur für den Projektleiter, sondern für alle Projektmitarbeiter, essentiell für den Projekterfolg.

Studienhintergrund

Bei der letzten Studie im Jahr 2008 haben mehr als 3.000 Unternehmen daran teilgenommen. Diese Studie ist in dieser Form die weltweit umfassendste ihrer Art und wurde mittlerweile in vielen Ländern Europas und den USA auf anerkannten Foren und Publikationen vorgestellt. Die i2s unterhält für die Studie ein eigenes Team, das Anwender wie Anbieter betreut. Initiator der Studie ist der Geschäftsführer der i2s, Dr. Eric Scherer, einer der führenden ERP-Experten im deutschsprachigen Raum.

Die Leitung des Research Bereichs obliegt Frank Naujoks und der Autor Mag. Christoph Weiss ist der Länderverantwortliche für die ERP-Z in Österreich und Südtirol. Weiters unterstützt die Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) seit Beginn an diese Studie als Länderpartner. Mehr Informationen zur Studie finden Sie unter www.erp-z.info bzw. erhalten sie von Mag. Christoph Weiss unter weiss@adv.at.

Ausblick

Die ERP-Zufriedenheitsstudie geht in die nächste Runde. Im Jahr 2010 wird die ERP-Z im D/A/CH-Raum inkl. Südtirol wieder durchgeführt. Wir freuen uns wenn sie daran teilnehmen und bedanken uns im Voraus.

  • Artikel bookmarken
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb

Userkommentare

DISQUS ist ein Service von disqus.com und unabhängig von monitor.at - siehe die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

comments powered by Disqus