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Effizientes Supply Chain Management

Product Lifecycle Management hält Wertschöpfungskette auf Trab

Führende Wissenschaftler setzen auf flexible Rezepte gegen explodierende Kosten. Beispiele aus der Praxis zeigen, wie Unternehmen gleichzeitig produktiv und kosteneffektiv vorgehen können, indem sie Logistikkette und Produktion sinnvoll harmonisieren - und ganz nebenbei für transparente Datenlandschaften sorgen.

"Eine möglichst lückenlose Datenintegration ist der Schlüssel für ein leistungsfähiges Enterprise Ressource Planning (ERP)", betont August-Wilhelm Scheer, Gründer der IDS Scheer AG. Unternehmen sollten deshalb einen intensiveren Dialog darüber führen, welche Risiken sich im Supply Chain Management verbergen.

"Der Nutzer will jedoch über die geschäftlichen Prozesse reden, und nicht über die zugrunde liegenden Datenmodelle", räumt Scheer ein. Dabei stelle gerade die Lieferkette einen der Schlüsselfaktoren für jedes Unternehmen dar. Allerdings hätten bislang nur wenige Unternehmen ein ausgereiftes und vollständig transparentes Prozessmodell entwickelt.

Zu hohe Erwartungen an einen genialen unternehmerischen Masterplan, im Fachjargon als Supply Chain bzw. Manufacturing Excellence bezeichnet, sind dabei laut Scheer allerdings kontraproduktiv, wenn das Unternehmen mit Blick auf die Logistikkette etwa danach trachte, zu expandieren, neue Standorte und Märkte zu erschließen - und wenn ganz nebenbei auch noch die Kosten parallel dazu sinken sollen.

Probate Erfolgsstrategien für eine "volatile Welt" gefragt

„Wir müssen weg von der limitierten Datenverarbeitung hin zur Transparenz der gesamten Produktions- und Logistikkosten.“ - James Denman, Chief Technology Officer beim IT-Dienstleister Facton GmbH

Allein der schwankende Ölpreis verdeutlicht, wie schwer die Produktions- und Logistikkosten heute kalkulierbar sind. Wie unkalkulierbar diese Herausforderung für die Unternehmen gerade angesichts der Rezession sein kann, verdeutlicht Professor David Simchi-Levi, Direktor am renommierten MIT-Forum für Supply Chain Innovation.

"Bis die Unternehmen ein globales Konzept für die Lieferkette aufgestellt haben, dauert es in der Regel zu lange, um auf kurzfristige Marktschwankungen und weitere externe Einflüsse adäquat reagieren zu können", betont der Wissenschaftler anhand von zahlreichen Projekten mit amerikanischen Unternehmen.

"Die Erwartungen der Kunden steigen, während gleichzeitig die Arbeitskosten in den meisten Ländern zunehmen", beschreibt Simchi-Levi die schwierige Gratwanderung. Dementsprechende Untersuchungen hätten ergeben, dass seit dem Jahr 2004 nicht nur die Energie-, sondern auch die Logistikkosten deutlich gestiegen seien.

Als Ausweg - auch mit Blick auf die derzeitige Wirtschaftskrise - favorisiert der Experte vom MIT Forum vor allem eine Straffung der Produktionslinien, und möchte deshalb das Pferd lieber vom Schwanze her aufzäumen. Eine Bündelung der Produktionslinien - sprich die Fokussierung auf wenige Kernkompetenzen - wie bei einem amerikanischen Lebensmittel- und Getränkehersteller von fünf auf zwei Produktionslinien der Fall, habe einen deutlichen Effizienzsprung von 13 % ergeben.

Möglich sei dieser Zugewinn dadurch geworden, weil das global aufgestellte Unternehmen parallel dazu auch die Anzahl seiner Werke von fünf auf zwei reduziert habe. Mit Hilfe eines flexiblen Konzeptes sei es dem Hersteller somit gelungen, die Produktionskosten deutlich zu senken, ohne im Gegenzug dafür allzu hohe Marktanteile preisgeben zu müssen.

"Bereits mit einem kleinen finanziellen Investment lässt sich so ein relativ großer Nutzen erzielen, da ein weitgehend flexibilisiertes Konzept kein komplettes Redesign beim Supply Chain nach sich zieht", bilanziert Simchi-Levi, der bei der IBM-Tochter iLog als Vice President of Operations im Bereich der Lösungen von Logic Tools fungiert.

"Der lange Supply Chain legt eine bessere Performance hin als der kurze, da eine reine Kürzung der Produktionskosten durch Billigstandorte nicht zum Ziel führt", bilanziert der Experte. Die dadurch gewonnene Manufacturing Excellence lasse sich sogar mit ganz einfachen Worten ausdrücken, wenn das Unternehmen die Anzahl seiner Produktionsstandorte bzw. Werke an der gleich lautenden Zahl an Produkten ausrichte, die sich mit Hilfe einer durchschnittlich generierten Nachfragevolumens ermitteln lasse.

Product Lifecycle Costing optimiert Kosten

„Der Nutzer will über die geschäftlichen Prozesse reden und nicht über die zugrunde liegenden Datenmodelle.“ - August-Wilhelm Scheer, Gründer der IDS Scheer AG

Dies bedeutet jedoch kein reines "Kostensenken", quasi als universale Strategie gegen die Wirtschaftskrise. Dass eine allzu kurzsichtige Handlungsweise mit Blick auf die Kosten jedenfalls kaum ziel führend sein kann, das bestätigt James Denman, Chief Technology Officer beim IT-Dienstleister Facton GmbH.

Das Start up, an dem sich seit drei Jahren auch der SAP-Mitgründer Hasso Plattner über das Kapitalbeteilungsunternehmen HassoPlattnerVentures beteiligt hat, richtet seinen Fokus vor allem auf die Kunden in der Automobilindustrie sowie dem Maschinen- und Anlagenbau. Ein Prozess zum Management der Produktkosten sei immer besser als gar keiner.

Denn, so betont James Denman: "Eine mangelnde Kostentransparenz in der Lieferkette basiert in der Regel auf unzureichenden Informationen." Der IT-Experte kritisiert vor allem, dass den meisten Unternehmen der grundlegende Überblick über ihre Aktivitäten zum Produktkostenmanagement fehle, sprich er plädiert für ein datentechnisch ausgereiftes Management-System.

Die Defizite im Kostenmanagement des Supply Chain resultierten etwa aus fehlender Integration der - z. B. in Datenbanken oder Excel-Spreadsheets vorhandenen - Informationen. "Wir müssen weg von der limitierten Datenverarbeitung hin zur Transparenz der gesamten Produktions- und Logistikkosten", fordert deshalb Denman.

Dass gerade dieser Schritt mit ihren bestehenden Werkzeugen für die Unternehmen dennoch einer Sisyphosarbeit gleicht, bei der die Kosten unter Umständen aus dem Ruder laufen können, das weiß auch der Experte.

Erfolgreiche Beispiele aus der Praxis hätten laut Denman jedoch aufgezeigt, dass sich mit Hilfe von ausgereiften IT-Lösungen im Product Lifecycle Costing immerhin bis zu zehn und mehr % der Produktkosten einsparen ließen. Unnütze Kosten im Supply Chain ließen sich somit nicht nur rechtzeitig erkennen, sondern auch rasch minimieren.

Somit seien rund zehn % niedrigere Produktkosten immer drin. "Dieser Prozess liefert auf Grund der Datenmengen erst dann optimale Ergebnisse, wenn er durch eine Software wie unsere unterstützt wird. Dann können %e von den Herstellkosten eingespart werden", so James Denman weiter.

Zielkorridor identifizieren

Die Lösungen werden dabei klassischerweise in drei Bereichen eingesetzt. Einer von diesen bietet direkte und kurzfristige Möglichkeiten, Kosten einzusparen: die Nachkalkulation im Einkauf. Hier wird die Software benutzt, die Kosten des Lieferanten nachzukalkulieren und eine Verhandlungsbasis abgeleitet, um begründet und gezielt einen besseren Preis zu verlangen.

Bei der Angebotskalkulation stellt die fundierte Ermittlung von Produktkosten und -marge sicher, dass die Verträge, die heute mit Kunden abgeschlossen werden, nicht morgen zur Belastung für das Unternehmen werden. "Jedes Unternehmen kennt teilweise dramatische Negativbeispiele, die ausreichende Beherrschung der Angebotskalkulation ist von existentieller Bedeutung", erläutert der Experte.

Und drittens spielt bei Facton die Entwicklungsbegleitende Kalkulation eine Rolle: Hier lässt sich laut Denman schon im Frühstadium gründlich und durchgängig analysieren, wie die künftigen Produktkosten ausfallen und an welchen Stellen das Unternehmen möglicherweise nachsteuern sollte, noch bevor Werkzeuge gebaut und neue Lieferverträge geschlossen worden sind. "Durchschnittlich um rund zehn % reduzierte Produktkosten in den ersten Jahren sind aber immer drin", bilanziert Denman.

Logistikpartner sinnvoll einbinden

Das Product Lifecycle Costing verhilft nicht nur den Unternehmen, sondern auch den beteiligten Logistikpartner zu mehr Transparenz. Erstens ermöglichen intelligente Werkzeuge das überlegte Einsparen von Kosten. Das bedeute, dass Unternehmen zu einer optimalen Produktgestaltung kommen und nicht erst auf hektische und einseitige Kosteneinsparungsaktionen angewiesen seien, die letztlich häufig nur die Logistiker träfen.

Außerdem machen solche Konzepte auch tiefere Lieferketten beherrschbarer, was eine möglichst optimale Arbeitsteilung mit im Zweifel höherem Logistikanteil bedeutet", fasst der Experte zusammen. Bedeutet dies, dass letztlich sogar mehr Spielraum in der Gestaltung der Logistikkette bleibt, wenn ein Unternehmen seine eigenen Produktionskosten im Griff hat?

Fest steht nämlich auch: Eine optimale Lieferkette, zu der jeder Teilnehmer seine Kernkompetenz beisteuert, ist häufig komplex. Diese Komplexität muss besonnen gesteuert werden. Das erfordert, dass ein Unternehmen seine Produktkosten vorausschauend im Griff hat.

"Unternehmen, die hektisch agieren, um in der Produktionsphase lediglich Kosten einzusparen, die schon vor Produktionsbeginn hätten vermieden werden sollen, können kaum komplexere Lieferketten steuern und machen so erhebliches Potenzial für sich selbst und für die Logistikbranche kaputt", gibt James Denman abschließend zu bedenken.

Links

www.facton.com

www.ilog.com

http://supplychain.mit.edu/

http://spacelogistics.mit.edu/commercial.htm

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MONITOR-Autoren
Alexander Hackl

Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. ..mehr..

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