15-10-2009 | Aus MONITOR 2009 Special Software Gedruckt am 1-09-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/12118
Business Intelligence | CPM

Interview mit Wolfgang Neuwirth, Winterheller software GmbH

"Rascher Nutzen für den Anwender"

Produkte für die softwaregestützte Unternehmenssteuerung sind seit über 20 Jahren die Spezialität der Grazer Winterheller software GmbH. MONITOR sprach mit Mag. Wolfgang Neuwirth, CAO und Geschäftsführer, über die aktuellen Trends im Corporate Perfomance Management (CPM).

Dominik Troger

Peilt in Österreich für 2010 ein Wachstum von rund 30 % an: Ulrich Beckmann, Geschäftsführer QlikTech GmbH

Wie definieren Sie Corporate Performance Management?

Ich verstehe darunter Softwarelösungen, die bei der Unternehmenssteuerung unterstützen. Der Begriff Corporate Performance Management wurde geprägt, nachdem klar geworden ist, dass mehr für die Steuerung von Unternehmen nötig ist als Analyse von Vergangenheitsdaten in Datawarehäusern. Zu den klassischen Business Intelligence (BI)-Disziplinen Analyse, Berichtswesen und Überwachung hat man noch Planung und mit Einschränkungen Konsolidierung zu den strategischen Anwendungen der Unternehmens-IT hinzugenommen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist das eine deutliche Verbesserung des alten BI-Ansatzes.

Sind Krisenzeiten gute Zeiten für Anbieter von Finanzplanungs- und Controllingsoftware?

Einerseits natürlich ja. Finanzierung ist jetzt ein wichtigeres Thema als in guten Zeiten. Wenn ein Banktermin ansteht, bei dem über die weitere Kreditgewährung entschieden wird und die Bank dafür nachvollziehbare Daten anfordert, wird Finanzplanung eine Überlebensfrage. Wir sehen hier eine starke Nachfrage für Dienstleistungen in diesem Bereich. Anderseits bleibt wenig Zeit für die Einführung eines umfassenden Systems und der Einbindung größerer Benutzergruppen. Aus Sicht des Lizenzumsatzes ist eine so tiefe Krise wie die aktuelle eher negativ.

Welche aktuellen Trends sehen Sie bei der Softwareentwicklung und von Seiten der Anwender?

Die Kunden fordern völlig zu Recht positive Wirkungen auf ihren Geschäftserfolg für ihre Investitionen. Es hat sich gezeigt, dass Technik allein dafür zu wenig ist. Viele großangelegte Projekte haben zwar viel Geld gekostet, die Zahl der aktiven Anwender und damit der Nutzen sind aber gering geblieben.

Es ist verhältnismäßig leicht, spezialisierte Werkzeuge für eine kleine Gruppe von Fachanwendern zu schreiben. Die Anwender und die Softwareanbieter - und da nehme ich uns nicht aus - sind aber gerade erst dabei gemeinsam zu lernen, wie man die BI- und CPM - Werkzeuge in die tägliche Arbeit deutlich größerer Benutzergruppen integriert. Manche schön klingenden Anforderungen der Theorie halten im täglichen Leben der Anwender einfach nicht stand. Da war die Prozessdiskussion der letzten Jahre durchaus nützlich.

Als keine "großen" Lösungen mehr, sondern eine klare Anwender-Fokussierung?

Eine Zeitlang wurde viel über ein großes einheitliches Datenmodell für den gesamten Unternehmensteuerungsbereich diskutiert. Um so etwas umzusetzen, sind massive Projekte erforderlich, mit sehr hohen Anforderungen sowohl für die Anwender in den Fachbereichen als auch in den IT-Abteilungen. Aktuell sehe ich wieder einen Trend zu Anwendungen, die einen ganz klaren Aufgabenschwerpunkt haben und nicht in ein gigantisches Konzept passen müssen.

Ein schönes Beispiel für so eine Anwendung ist Qlickview, eine In-Memory-Analysedatenbank, die dem Anwender eine deutlich erhöhte Freiheit gegenüber der IT-Abteilung gibt. Damit kann man nicht planen oder konsolidieren, aber für seinen speziellen Einsatzzweck funktioniert es gut und das bringt Erfolg. Die aktuelle Krise unterstützt diese etwas bescheideneren Ansätze.

Wie beurteilen Sie die vielen Firmenübernahmen im Bereich wirtschaftsanalytischer Software in den letzten Jahren?

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Unternehmen, die BI- und CPM-Spezialisten waren, von großen Anbietern aufgekauft. Die Situation ist dadurch für die Kunden deutlich verwirrender geworden, weil sie sich nicht mehr auf Produktstrategien verlassen können. Viele haben gedacht, bei einer Anwendung eines großen Unternehmens kann nichts schief gehen. Dass jetzt ganze Anwendungsbereiche als "nicht strategisch" abgekündigt oder überhaupt eingestellt werden, war für viele IT-Abteilungen und Anwender sicher ein Schock.

Welche Möglichkeiten hat man als vergleichsweise kleines Unternehmen international mitzuspielen? Auf welche Stärken können Sie hier speziell setzen?

Wir konzentrieren uns auf unsere Stärkenbereiche und tun alles, um in unseren Spezialbereichen besser zu sein als die großen Anbieter. Dazu müssen wir zunächst unsere Kunden und ihre Bedürfnisse gut kennen. Wir betreuen seit 20 Jahren mittelständische Unternehmen und Berater, da haben wir einfach vieles gelernt und gesehen, womit wir gezielt Nutzen erzeugen können. Für viele größere Anbieter ist das eine fremde Welt.

Winterheller baut Anwendungen für den Bereich der Unternehmensplanung und legalen Konsolidierung. Innerhalb des CPM-Umfeldes sind das die Bereiche mit den größten betriebswirtschaftlichen Herausforderungen. Wir haben uns immer als Betriebswirte verstanden, die Software entwickeln, um damit komplexe Herausforderungen lösen zu können. Dieser betriebswirtschaftliche Ansatz unterscheidet uns von den meisten Anbietern in unserem Marktumfeld und macht mit Sicherheit unseren wichtigsten Stärkenbereich aus.

Worauf sollten Unternehmen bei der Einführung von CPM-Software achten?

Zuerst muss einmal klar sein, welcher Nutzen gestiftet werden soll. Dazu wird ein betriebswirtschaftliches Konzept benötigt, wie die Unternehmenssteuerung aufgebaut werden soll. Wem soll das Ganze nützen, was erwarte ich mir am Ende, welchen Qualitätsfortschritt will ich erzielen? In vielen Projekten ist das nicht klar. Daraus ergeben sich aber zahlreiche Änderungen im Rahmen der Einführung, weil man dann ja erst weiß, was man braucht, und dass macht Projekte teuer und führt zu zeitlichen Verzögerungen.

Bei allen CPM-Anwendungen ist es wichtig, rasch Nutzen für die Anwender zu stiften. Projekte sollten spätestens nach zwei bis drei Monaten nutzbare Ergebnisse geliefert haben, sonst verlieren sie leicht an Fahrt. Daher sind große "Big Bang"-Ansätze zu vermeiden, sondern es ist gezielt eine Kette von Einzelprojekten und Einzelerfolgen zu erarbeiten.

Eine klassische Gefahrenquelle sind Abstimmungsprobleme zwischen Fachabteilungen und IT-Abteilung. CPM-Software kann man aber sinnvollerweise nur im Zusammenspiel der beiden Bereiche einführen. Hier hat sich eine gemeinsame Einsatzgruppe für CPM-Anwendungen bewährt, die für alle Projekte in diesem Aufgabenfeld zuständig ist. Diese Gruppe erarbeitet gemeinsam, welche Anwendungen gebraucht werden und kümmert sich dann um die Einführung. Das Team kann schrittweise Erfahrung gewinnen und dafür sorgen, dass trotz der Umsetzung in Einzelprojekten das größere Ziel nicht aus den Augen verloren wird.

Winterheller stellt seit einigen Monaten die Professional Planner-Vollversion kostenlos im Internet zur Verfügung. Was war die Motivation dafür und wie wurde das Angebot angenommen?

Diese Initiative wurde von uns ins Leben gerufen um aktive und professionelle Unternehmensplanung für jedermann zugänglich zu machen. Wir halten ein gutes Planungswerkzeug gerade in einer Krise für eine wichtige Sache. Es gibt zahlreiche Unternehmen, die sich teure Software-Lösungen gerade jetzt nicht leisten können, die aber einen wesentlichen Teil unseres gesamtwirtschaftlichen Umfeldes darstellen. Diesen Unternehmen wollten wir einfach und problemlos ein leistungsfähiges Tool in die Hand geben.

Die freie Verbreitung unserer Budgetierungs- und Planungslösung Professional Planner Free soll Interessenten die Möglichkeit geben die Software kennenzulernen bzw. zu testen - ohne bereits Kosten verursacht zu haben. Wir werden durch diese Aktion auch unseren Bekanntheitsgrad am Markt steigern. Über den Sommer hatten wir über 7.000 Downloads und wir sind mit zahlreichen interessanten Unternehmen und Einrichtungen in Kontakt gekommen. Damit hat sich die Aktion jedenfalls schon gelohnt.

Was sind die Ziele von Winterheller für 2010?

Im kommenden Jahr werden wir uns auf unsere Kernmärkte Deutschland, Österreich und Schweiz konzentrieren. Wir sehen sehr gute Chancen für den Planungsbereich, erwarten uns aber vor allem im Konsolidierungsbereich deutliche Zuwächse. Hier haben wir ja im laufenden Jahr mit Professional Consolidation eine hauseigene und völlig neue Anwendung auf den Markt gebracht, die sehr gut ankommt und wo die ersten Einführungsprojekte gerade laufen. Im nächsten Jahr erwarten wir eine ganze Reihe von neuen Konsolidierungsprojekten, das sollte sich dann auch wieder in einem zweistelligen Wachstum niederschlagen.

Das Unternehmen

Die Winterheller software GmbH mit der Hauptniederlassung in Graz (Österreich) wurde 1988 von Prof. Dr. Manfred Winterheller gegründet. Das Unternehmen ist Spezialist und Produktanbieter in den Bereichen Business Intelligence (BI) und Corporate Performance Management (CPM).

Mittelständischen Unternehmen und Konzernen aller Branchen bietet Winterheller fundiertes betriebswirtschaftliches Wissen, professionelle Beratung und Implementierung sowie flexible Softwarelösungen für die Unternehmensplanung, -steuerung und -konsolidierung.

Das Grazer Softwarehaus beschäftigt über 150 Mitarbeiter und ist mit einem weltweiten Partnernetz, Standorten in Österreich, Deutschland, Schweiz und Schweden vertreten. Über 4.500 Unternehmen aller Größen und Branchen setzen die Produkte ein.

www.winterheller.at

 

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