Das Rahmenwerk gilt es, individuell zu entwickeln und an spezifische Gegebenheiten anzupassen. Der Beitrag einer leistungsfähigen Informationstechnologie besteht nämlich darin, erweiterte Aussagen aus der oftmals unübersichtlichen Datenflut heraus zu ziehen und damit eine Brücke zwischen der Geschäftswelt und der Technik zu schlagen.
Im Fachjargon ausgedrückt benötigen die Spezialisten dafür auch in der Logistik spezielle Leistungskennzahlen, die an den neuralgischen Stellen ansetzen, so genannte betriebswirtschaftliche Key Performance Indikatoren (KPI's).
Mit Hilfe von ausgewählten und aussagefähigen Kennzahlensystemen soll es Unternehmen besser gelingen, einer hohen Prozess- und IT-Standardisierung den Weg zu bereiten - und parallel dazu auch mehr Prozesstransparenz in der Logistikkette herzustellen.
Künftig werden Logistikmanager gerade mit Blick auf die Optimierung von Kennzahlen verstärkt in effiziente IT-Systeme investieren, und damit einhergehend in die Qualifikation der Mitarbeiter, die dazu beitragen, ausufernde und versteckte Kostentreiber im Zaum zu halten.
Jedoch soll vermieden werden, dass das Unternehmen in seinen Kerngeschäftsbereichen allzu viel Fahrt in der produktiven Arbeitsleistung einbüßt. Andererseits beklagen viele Unternehmen, dass die Budgets für zahlreiche Innovationen derzeit aufgrund der globalen wirtschaftlichen Lage erst einmal "auf Eis" liegen. Darunter fallen auch Vorhaben, die ein höheres Budget in der Informationstechnologie voraussetzen.
"Die oftmals aufwändige Vernetzung zwischen Hersteller und Lieferanten ist keine Ursache der derzeitigen Krise, sondern bestenfalls ein Katalysator, um das unternehmerische Netzwerk künftig besser zu steuern", betont Michael Karrer, Projektleiter strategische Logistik im Unternehmensbereich Nutzfahrzeug- und Sonderantriebstechnik, beim Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen.
Einen allgemein praktikablen Königsweg zu einer maß geschneiderten Prozesskette sieht der Experte zwar nicht. Zentrale Stellschrauben dazu gibt es dennoch viele, mit Blick auf das bessere Controlling der Lieferkette sowie der Optimierung des Performance Managements. "Wir müssen weg von Überkapazitäten hin zur maß geschneiderten Prozesskette", bestätigt denn auch Katrin Kirsch-Brunkow, Global Supply Chain Managerin beim IT-Dienstleister Avaya Deutschland GmbH.
Keine KPI's auf Knopfdruck

„Chief Financial Officers setzen den Hebel oftmals an der falschen Stelle an und kürzen statt am richtigen Ende einfach dort die Kosten, wo es sich am leichtesten messen lässt.“ - Christoph Papst, AVL List GmbH
Der Automobilzulieferer hat es derzeit mit einer besonders sensiblen Wertschöpfungskette zu tun. Um ein auf internationaler Ebene funktionierendes Netzwerk herzustellen, haben die Experten bei Grammer eigens eine Arbeitsgruppe zur Steuerung der gesamten Lieferkette eingerichtet, die sich darum bemüht, die Kosten-, Qualitäts- und Innovationsziele rechtzeitig zu erreichen. Regelmäßige Audits sorgen dafür, dass die Vorgaben möglichst exakt eingehalten werden.
Mittelständler setzen auf Einbindung der Mitarbeiter
Ohne motivierte Mitarbeiter verkomme aber auch das beste Kennzahlensystem zum sinnlosen Papiertiger, das bestätigt Björn Henß, Leiter der Logistikkette (Value Chain Leader) für Deutschland und Österreich bei Johnson Diversey GmbH & Co. OHG. Der Spezialist für Reinigungs- und Hygienemittel zeichnet sich vor allem durch das große Engagement der Belegschaft aus.
"Wir wollen weg vom Silodenken einzelner Abteilungen", betont Henß, und bringt den Handlungsbedarf so auf den Punkt: "Die Wand zwischen Büro und der Produktion bröckelt und klassische Hierarchien verlieren zunehmend an Bedeutung", so der Experte weiter. Einige "alte Kennzahlenweisheiten" hätten demnach ausgedient. "Kennzahlen sind mehr als Angaben in Dollar oder Tonnen", sagt Henß.
Der aktive Part der Mitarbeiter im menschlich gesteuerten Kennzahlencockpit sei vor allem dadurch gekennzeichnet, dass Logistikthemen, die früher im Management-Team gelöst worden seien, heute von den Teamsprechern im täglichen Geschäft lösbar seien.
Die bisherige Bilanz bei Johnson Diversey kann sich sehen lassen: Der durchschnittliche Lagerbestand sei nicht nur um 15 % gesunken, bei einem leicht steigenden Servicelevel. Auch in der Produktion sei es gelungen, im vergangenen Jahr einen Effizienzsprung um rund zehn % zu erreichen. Die Liefertreue (on-time in full delivery) liege sogar bei 93 %.
Praxisbeispiel: AVL List optimiert Ersatzteilhandel
Christoph Papst, Global Business Segment Manager bei der AVL List GmbH in Graz, sieht vor allem in internetbasierten Prozessen noch ein erhebliches Potenzial. Der breit aufgestellte Technologielieferant hat seine auf E-Business basierende SCM-Strategie im globalen Ersatzteilgeschäft weiter ausgebaut.
Aufgrund der aktuellen Krise herrsche etwa in der Automobilindustrie ein erheblicher Kostendruck. "Jedoch setzen die Chief Financial Officers den Hebel oftmals an der falschen Stelle an und kürzen statt am richtigen Ende einfach dort die Kosten, wo es sich am leichtesten messen lässt", betont Papst.
In der alltäglichen Praxis macht der Spezialist etwa das komplexe Ersatzteilgeschäft dadurch handhabbar, indem das Unternehmen die Kundenbedürfnisse mit Metriken zur Performance Messung sowie projektorientierten Kennzahlen verbindet. "Die Priorität bei der Vergabe finanzieller Mittel liegt darin, ob sich dadurch die Kundenzufriedenheit steigern lässt", sagt Papst.
So gelang es der AVL List GmbH durch ein komplex entwickeltes, weltweites Ersatzteillogistiknetzwerk die Verfügbarkeiten von Ersatzteilen in neuen Märkten wie z.B. China oder Indien signifikant zu erhöhen und dadurch die Kundenzufriedenheit zu steigern. Dabei setzt die AVL auf Partnerschaften mit Logistikunternehmen in der jeweiligen Region, um den spezifischen Anforderungen und logistischen Besonderheiten des Landes Rechnung zu tragen.
"Die Produkte eines Unternehmens werden im allgemeinen nach der Qualität der Servicedienstleistungen gemessen", bilanziert Papst. Deswegen sei es absolut notwendig, die Verfügbarkeiten der Anlagen in allen Regionen der Welt durch ein ausgereiftes Ersatzteilwesen möglichst hoch zu halten.




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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 