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IT-Lösungen f. d. Industrie

Product Lifecycle Costing

Kosten senken, Qualität sichern

Experten aus der IT-Industrie propagieren das Ende der Excel-Listen. Besonders die Unternehmen aus der verarbeitenden Industrie sind derzeit gefordert, ihre Kapazitäten vom Einkauf über Produktion bis zum nach gelagerten Service mit probaten Konzepten zu flexibilisieren und zu optimieren. Auch die Informationstechnologie kann dazu ihren Wertbeitrag leisten.

Eine "universale" Strategie gegen die Wirtschaftskrise gibt es wohl kaum. Besonders betroffen ist zwar einerseits die seit Jahren krisengeschüttelte Automobilindustrie. Doch auch der von zweistelligen Wachstumsraten verwöhnte Maschinen- und Anlagenbau ist seit den zweistelligen Umsatzeinbrüchen in den letzten Monaten erheblich ins Straucheln geraten.

Ein dickes Minus steht fast in jedem Industriezweig derzeit in den Auftragsbüchern. "Jedoch sind jene Unternehmen besser aufgestellt, die schon vor der Rezession damit begonnen haben, ihre Produktionsprozesse auf unausgeschöpfte Effizienzreserven hin zu durchleuchten - und dies auch konsequent umgesetzt haben", sagt Thoralf Nehls, Firmengründer und CEO beim IT-Dienstleister Facton GmbH.

"Black Box" in der Supply Chain?

Der Experte hat das in Potsdam angesiedelte Unternehmen bereits zwar bereits im Jahr 1998 gegründet. Nach erfolgreicher Produkteinführung, sieht sich Facton jetzt aber mit einer verstärkten Nachfrage konfrontiert. Denn nur wenige Unternehmen sind bislang überhaupt in der Lage, sich rasch einen Überblick über alle relevanten Kostenblöcke innerhalb der Produktion zu verschaffen.

Mehr Transparenz in den unzähligen Informationsinseln und Datenbanken herzustellen, lautet deshalb das Gebot der Stunde. Das Potsdamer Start up mit derzeit rund 60 Mitarbeitern, an dem sich seit drei Jahren auch der SAP-Mitgründer Hasso Plattner über das Kapitalbeteilungsunternehmen HassoPlattnerVentures beteiligt hat, adressiert seine Lösungen vor allem auf die industriellen Querschnittsbereiche, jedoch nicht ausschließlich auf gängige und etablierte Konzernstrukturen.

So verwundert es kaum, dass SAP-Gründer Hasso Plattner auch mit persönlichem Wagniskapital in das Potsdamer Unternehmen einstieg. Der gebürtige Berliner ist überzeugt von Facton. Und immerhin beträgt das Vermögen des früheren Firmenchefs anhand der aktuellen Forbes-Liste für das Jahr 2008 rund 4,5 Mrd. Euro (2007: 6,55 Mrd. Euro).

Zwischen Spree und Havel lernte Plattner schon in seiner Jugend das Segeln. Das könnte auch eine passende Metapher für die derzeit stürmischen Zeiten in der Industrie sein. Denn der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete IT-Lenker ließ sich bei Facton auch von einem lukrativen Investment mit einer hohen Zukunftsrendite überzeugen, dessen Marktreife ihm die beiden Gründern Thoralf und Martin Nehls schmackhaft machen konnten.

Die Macher rund um Hasso Plattner träumen jedenfalls davon, eine zweite ähnlich durchgreifende Erfolgsgeschichte zu starten, wie es SAP in Walldorf von den siebziger Jahren ausgehend schon einmal gelang. Durch das 1998 in Potsdam angesiedelte Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (HPI) soll vor allem der Transfer von neuen Erkenntnissen aus der Forschung in die Wirtschaft erheblich schneller erfolgen.

Die Vorzeichen, dass dieser gerade in Deutschland oftmals schwierige Spagat gelingt, stehen gerade bei Facton positiv: Laut Thoralf Nehls gibt es in der IT-Geschäftswelt derzeit kein vergleichbares Produkt, das in der Lage wäre, binnen weniger Tage oder Wochen die wichtigsten Prozesse in der gesamten Wertschöpfungskette zu durchleuchten, von der Vorkalkulation angefangen, über die Produktion, bis hin zum Vertrieb und Service.

Zu den renommierten Kunden gehört neben Porsche, Airbus und Wittenstein auch der Automobilzulieferer Hammerstein. Das global operierende Unternehmen hat seine Produktkostenkalkulation komplett umgestellt. "Mit Facton wissen wir stets, ob wir noch auf Linie sind oder nicht", erklärt Hammerstein-Finanzchef Gian Mario Deligios. Diese Kontrolle sei für den Entwicklungsprozess eminent wichtig, "da in dieser Phase die zukünftigen Serienkosten festgelegt werden."

Stefan Bay, Process Engineer bei der Wittenstein AG, bringt die Vorteile für den Maschinenbauer auf den Punkt: "Um die Krise zu überstehen, müssen Unternehmen aus dem Maschinenbau dringend auf kostengünstige Innovationen setzen. Facton hilft uns dabei, frühzeitig zu erkennen, welche Ideen auf dem Markt eine Chance haben und welche nicht. Während der Entwicklungsphase können wir die Kosten mit Facton dann immer im Auge behalten und weiter senken. Auf diese Weise entstehen Produkte, die profitabel und wettbewerbsfähig sind."

Hat das aufwändige "Overengineering" ausgedient?

Der Maschinenbau hat es besonders schwer in der derzeitigen Krise. Einer der Gründe: Deutsche Maschinen sind "over-engineered". Laut einer Studie des VDMA nutzen 30 % der Kunden nur 70 % der zur Verfügung stehenden Maschinenfunktionen. Thoralf Nehls vergleicht die geschäftlichen und technischen Spielregeln in der industriellen Produktionswelt gerne mit jenen aus der Handyindustrie. Denn dort machen derzeit vor allem Produkte wie das iPhone das Rennen, die in der Bedienung einfach handhabbar sind. "Jede zusätzliche Funktion potenziert den Aufwand und damit die Kosten", gibt der Experte zu bedenken.

Um wieder wettbewerbsfähig zu werden, müssen Maschinenbauer das entwickeln, was der Kunde wirklich braucht - und das zu einem Preis, der im internationalen Markt konkurrenzfähig ist. Hier kommt die Lösung Facton ins Spiel. Denn der größte Hebel bei den Kosteinsparungen liegt laut Nehls in der Planung.

"60 bis 80 % der Fehler ereignen sich dort", so der Experte. Gerade bei den häufig heterogenen Kalkulationsrichtlinien im Unternehmen sieht Facton noch ein großes Potenzial. 8 % der gesamten Kosten im Life Cycle zu reduzieren, sei auf alle Fälle realistisch. Das sind Erfahrungswerte aus laufenden Kundenprojekten. Die Einsparungen kämen zustande, einerseits aufgrund von Entscheidungen während der Entwicklungsphase, aber auch über den "Start of Production" hinaus. Allein die Tatsache, dass die Targetkosten eingehalten werden, bedeute für Unternehmen eine enorme Kostensenkung.

Und so gehen die Spezialisten vor: Im Rahmen einer Portfolioanalyse identifizieren sie brach liegende Möglichkeiten zum Einsparen. Meist kurzfristig zu heben seien folgende Zielbereiche: Auslastung von Standorten, Einkaufsmodalitäten und -strukturen, Lieferantenkonditionen und Materialpreise.

Zusätzlich werden die Produkte auf Einsparpotenziale während der Entwicklungsphase hin überprüft, indem man verschiedene Produktvarianten miteinander vergleicht. Mittels ABC-Analyse lässt sich so die Variante wählen, die zwar kostengünstiger ist, aber die gleiche - oder sogar eine hochwertigere - Qualität aufweist. "So lassen sich Kosten sparen und gleichzeitig die Produktqualität sichern", betont Nehls.

Wie aber stellt das Unternehmen sicher, dass die Betriebe ihre Kunden noch in ausreichender Qualität bedienen? Mit einer herkömmlichen MS Excel-Lösung sei eben dies nicht möglich, entgegnet Thoralf Nehls. "Das verarbeitende Gewerbe bietet noch ein großes Potential bei der Substitution von unausgereiften Lösungen wie Microsoft Excel", so der Experte weiter.

Die Herausforderung, mit Excel zu operieren, schildert Finanzchef Gian Mario Deligios von Hammerstein: "Jede Abteilung bzw. jeder Mitarbeiter arbeitete mit einer eigenen Excel-Liste", erinnert sich Deligios an die Zeit vor der Einführung von Facton. "Wenn wir wissen wollten, wo die Produktkosten lagen, mussten wir diese Listen mühsam zusammenfügen. Das war sehr aufwändig und vor allem konnten wir nie sicher sein, dass die Vergleichbarkeit der Kalkulationen zwischen den individuell angepassten Excel-Versionen gegeben war.

Hinzu kommt: Die Excel-Daten der Vorkalkulation lassen sich nicht unmittelbar mit den SAP-Daten der Serie vergleichen. Deshalb war nur mit zusätzlichem Aufwand festzustellen, warum sich die Kalkulationsentwicklung später anders verhielt als erwartet. Weitere Defizite von Excel: Eine Darstellung der Historie sowie das Verfolgen der Targetkosten waren ebenfalls sehr aufwändig.

Ansonsten sei die Kalkulationslösung Facton nicht nur für die große Welt der SAP-Anwendungen gedacht, sondern durch entsprechende Schnittstellen auch komplett offen für andere ERP-Systeme wie Baan oder Oracle. "Eine große Rolle aus Sicht der Anwender spielen dabei die Aspekte Risikominimierung und Revisonssicherheit", sagt Nehls.

Mit Facton lassen sich demnach die Daten so abspeichern, dass sie auch nach Jahren noch unverändert aufrufbar sind. "Unternehmen sollten wichtige Informationen für jede Versionierung ihres Produktes auf diese Weise sichern" rät Nehls. "Damit können Sie den Anforderungen von Sarbanes Oxley oder Basel II genügen."

Usability als Schlüssel zur Anwenderakzeptanz

Aber auch die einfache Anwendbarkeit bildet ein zentrales Kriterium für den durchgreifenden Erfolg einer konsistenten Qualitäts- und Kostenoffensive. Schließlich sollen nicht nur große Unternehmen und Konzerne profitieren, sondern auch kleine und mittelständische Betriebe. "Der Nutzen wird beispielsweise dadurch sichtbar, wenn Angebote, schneller, nachvollziehbarer und auf einer sichereren Grundlage abgegeben werden können", bilanziert der Experte.

Bereits nach einer rund zweitägigen Einführung können die Endnutzer laut Nehls problemlos mit dem neuen Werkzeug arbeiten. "Der User soll mit dem Tool auch Spaß bei der Arbeit haben", so der Experte weiter. Was die eigenen Zukunftspläne angeht, will Facton jetzt vor allem die eigene Internationalisierung voran zu treiben.

Das Potsdamer Unternehmen hat dazu ausgerechnet in den USA seine Aktivitäten durch den Aufbau eines lokalen Vertriebsnetzes verstärkt. Einer der Kunden ist Industriegigant Eaton. In Österreich arbeitet Facton mit dem Partner Entercon Austria Ltd. zusammen, einem Beratungsspezialisten für das ergebnisorientierte Wert-Management
(s. Interview Kosten senken, Qualität sichern ).

www.facton.com
www.entercon.eu
www.hpi.uni-potsdam.de
www.hp-ventures.com

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