Mit ihm sind einige der bekanntesten Pressebilder der Geschichte geschossen worden, zum Beispiel die aufrührenden "Time"-Titelbilder aus dem Vietnamkrieg. Aber auch Milliarden von Amateur-Aufnahmen wurden mit dem Kodakchrome-Film angefertigt, der gewissermaßen eine Markenikone der Fotografie geworden ist und für so manchen beschwingten Dia-Abend gesorgt hat.
Aber nichts da. Die digitale Fotografie hat die Ikone verdrängt und dabei wird es bleiben. Zum Schluss, sagt Kodak, wurde mit dem Kodakchrome-Film nur mehr ein Prozent des Umsatzes erzielt, mit etwas, was früher eines der zentralen Produkte des Hauses war. Den Film soll es zwar weiterhin in einer klitzekleinen Nostalgieauflage geben, aber ansonsten ist er nun zu einer Fußnote der Foto-Geschichte geworden.
Der Vormarsch der Digitalfotografie ist längst nicht mehr aufzuhalten. Es ist nicht so sehr ein Wechsel zu einem neuen technischen Verfahren, es ist vielmehr ein massiver Paradigmen-Wechsel, der den ganzen Arbeitsprozess von Fotografen von Grund auf verändert hat. Wo früher das Schießen des Fotos und die Entwicklung im Labor zwei verschiedene kreative Prozesse waren, ist es heute die Möglichkeit, eine Unzahl von Bildern gleich auf der Stelle zu machen und sich dann für die Besten zu entscheiden. Aber auch der Einsatz von Foto-Nachbearbeitungsprogrammen ist heute inflationär geworden: Was manchen Bildern durchaus nützt, wird bei anderen übertrieben. Mit einer Kodakchrome-Aufnahme wäre eine Photoshop-Bearbeitung mit Filter, Effekten und Korrekturen nur mit großem technischem Aufwand möglich gewesen. So hat die Fotografie auch ein wenig an Authentizität verloren.
Mit dem Beschluss, Kodakchrome einzustellen, hat Kodak aber auch wieder ein wenig Aufmerksamkeit auf sich selbst gelegt. Früher war das Unternehmen ein zentraler Pfeiler der gesamten Fotoindustrie, heute ist es irgendwie an den Rand gedrängt. Das hängt damit zusammen, dass das Management es zu lange unterlassen hat, den Digitalmarkt als solchen zu akzeptieren. Mit eigenen Digitalkameras und Accessoires ist das US-Unternehmen viel zu spät auf den Markt gekommen, und so hechelt es der heutigen Entwicklung hinterher. Bedauerlich für eine einstige Ikone des Marktes.



1/2012
8/2011
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Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 