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Wirtschaft

Kommentar von Conrad Gruber

Krieg um Bücher?

Für den Search-Riesen Google wird das Projekt "Google Book Search" offenbar immer komplizierter. Nach Aufschreien von Autoren und Verlegerverbänden gegen das Einscannen von Büchern machen jetzt auch noch Microsoft, Yahoo und Amazon mobil.

Das Projekt "Google Book Search", insbesondere das Subprojekt "Google Library" gilt, was Urheberrechte anbelangt, als eines der größten und umstrittensten der letzten Jahre. Der Internetkonzern Google will im Laufe der nächsten Jahre sämtliche in US- und europäischen Bibliotheken verfügbare Werke einscannen und sie im Internet verfügbar machen. Das Grundproblem ist, dass Google die Bestände der großen Bibliotheken massenweise einscannt, ohne sich viel um die Rechte der Autoren zu kümmern, weil der Konzern davon ausgeht, dass in Bibliotheken lagernde Bücher ohnehin für jedermann zugänglich und daher quasi rechtefrei sind.

Nach heftigen Protesten der Verlegerverbände hat Google zugesagt, jene Bücher, die Autoren nicht freigeben wollen, auch nicht einzuscannen; bzw. sind mit wichtigen Urheberrechtsverbänden in den USA und der EU Gespräche über eine Abgeltung der Autoren nach dem Prinzip der "Reprographievergütung" - wie es z.B. in Österreich gehandhabt wird - im Printbereich im Gange.

Für diese Vereinbarung ist derzeit in New York ein Settlement-Verfahren anhängig, gegen das sich aber eine starke Allianz gebildet hat. Denn Google will mit dem "Book Search"-Angebot ja auch Geld verdienen, und zwar mit Werbung und Downloads gegen Bezahlung. Dagegen beginnen nun Microsoft, Yahoo und Amazon zu kämpfen, die der Anti-Google-Gruppe kürzlich beigetreten sind und gegen den Konkurrenten mobil machen.

Natürlich geht es Microsoft hier leider weniger um die intellektuellen Rechte der Autoren an ihren Büchern. Vielmehr ist es ein Frontalangriff im Kampf um die Vorherrschaft am Internet-Suchmaschinen-Markt. Microsoft, seit kurzem mit dem Google-Konkurrenten Bing am Markt, ist dabei jede Möglichkeit recht, die Geschäftspläne des Gegners zu durchkreuzen.

Für die Autoren wird die Attacke auf die Urheberrechte dadurch nicht leichter. Denn was einmal eingescannt und im Internet verfügbar ist, verbreitet sich normalerweise in rasendem Tempo auf allen möglichen Wegen. Auch wenn Google Bücher gegen Gebühr downloaden lässt und diese Gebühr und die begleitenden Werbeeinnahmen sogar mit den Autoren teilen sollte, wird es trotzdem nicht lange dauern, bis es eine Tauschbörse für Bücher nach dem Muster von Pirate Bay geben wird.

Und damit hat das digitale Zeitalter auch die klassischen Verlage eingeholt, nachdem die Musik- und Filmindustrie und letztlich auch das Zeitungsgewerbe dadurch mehr oder weniger in die Knie gingen. Bleibt nur zu hoffen, dass der Krieg der Giganten am Ende zu einer Lösung führt, die für die Autoren halbwegs akzeptabel ist. Besser, man regelt es vorher, als danach, wenn alles zu spät ist.

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Kommentar von Conrad Gruber - Die Monatsrückschau auf den österreichischen IT-Markt.

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MONITOR-Autoren
Mag. Carl-Markus Piswanger

Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. ..mehr..

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