MONITOR-Autor Alexander Hackl fand bei seinen Recherchen das Motto "Krise als Verkaufsargument" als die derzeit gängige Strategie. Effizienzsteigerung durch moderne TK-Infrastrukturen, Gebühren sparen mit Voice over IP, Kollaborationslösungen und Videokonferenzen zur Einsparung von Reisekosten sind die Schlagworte der Gegenwart. Ist also die Krise ein Segen für die TK-Branche, wie einige Anbieter schon im Frühjahr bei der MONITOR-Telekom-Diskussion (nachzulesen in Ausgabe 4A) behauptet haben? Karim Taga, Managing Director von Arthur D. Little (ADL) Austria, differenziert allerdings: "Bei jeder Krise gibt es Verlierer und Gewinner. Jene Dienstleister, die nachweislich Betriebskosten reduzieren können, haben die besten Karten." Besonders Managed Services mit rund 4 % Wachstum seien im Aufwind. Die Nebenstellenanlage zu einem Provider outzusourcen sei eine krisensichere Strategie. Die Vorteile: Man hat immer eine bedarfsgerechte State-of-the-Art-Lösung zu einem kalkulierbaren Preis zur Verfügung, und um Skalierbarkeit und Neuinvestitionen müsse man sich keine Sorgen mehr machen.
Wie schon lange vorhergesagt, wachsen Telekommunikation und IT immer stärker zusammen. Schlagworte wie "All-IP-Netzwerk" oder "Fixed Mobile Convergence" haben in die Geschäftsrealität vieler Firmen bereits Einzug gehalten. Für "Unified Communication" (UC) hat Voice over IP, das Telefonieren über Internet-Datenleitungen, den Weg bereits geebnet. Moderne TK-Anlagen werden über eine IP-basierende Serverinfrastruktur aufgebaut. Dadurch wird eine nahtlose Integration verschiedenster Funktionen über beliebige Endgeräte im Fest- und Mobilnetz möglich, zum Beispiel Telefongespräche über den Computer (CTI), IP-Fax über das Notebook, Web Conferencing und eine immer länger werdende Reihe präsenzbasierender Dienste und Kollaborationstools. Die Essenz von UC ist aber die Präsenzinformation. Es ist sofort ersichtlich, ob und über welchen Kanal ein Mitarbeiter erreichbar ist.
Am klassischen TK-Markt sind laut Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) die Umsätze 2008 um 5,4 % zurückgegangen. Sprachdienste verlieren massiv, nicht zuletzt, weil durch VoIP Sprache zunehmend als Datenpaket unterwegs ist. Auch die Mobiltelefonie verliert leicht trotz steigender Verkehrswerte, und die Breitbandumsätze brechen bei steigenden Verkehrswerten gleich um 13 % ein. Die Ausnahme ist mobiles Breitband, das auch bei der Zahl der Anschlüsse zunehmend DSL und Kabel verdrängt. Die Entwicklung Richtung Substitution des leitungsgebundenen Internets hat aber klare Grenzen. Denn jenseits von 5 GB Datenvolumen pro Monat sind die Produktionskosten bei mobilem Breitband nicht mehr konkurrenzfähig, meinen Experten. Lesen Sie die ganze Analyse ab S. 8.
Ein schönes Fallbeispiel für eine UC-Lösung bietet die Arbeiterkammer Wien (ab S. 20), die rund 380.000 Mal pro Jahr kostenlos Tipps, Rat und rasche Hilfe für Arbeitnehmer gibt. Der erste Kontakt findet dabei fast immer telefonisch statt. Um die bestmögliche Betreuung zu gewährleisten, wurde daher im Zuge des Umbaus eine leistungsfähige Contact-Center-Lösung realisiert. Das Hauptaugenmerk lag in der Errichtung einer konvergenten Lösung für Sprache und Daten. Klaus Glettler, IKT-Projektleiter der AK, nimmt nach rund einem halben Jahr Praxiserfahrung dazu Stellung: "Die VoIP-Telefonanlage wurde von den Mitarbeitern der AK Wien überaus positiv aufgenommen. Besonders Features wie Free Desktop oder SmartCall bieten Möglichkeiten, die wir nicht mehr missen möchten."
Voice over WLAN
MONITOR-Gastautor Robert Ludwig befasst sich ab S. 22 mit den Herausforderungen rund um die mobile Unternehmenskommunikation. Durch die Zunahme der Mobilitätslösungen steigt nämlich der Bedarf an stabilen und leistungsfähigen Netzen, die drahtlose Sprach-, Daten- und Videokommunikation ermöglichen. Im Gegensatz zu den in der Vergangenheit isoliert vorhandenen Wireless-LAN (WLAN)-"Hotspots" für reine Datenkommunikation stellen Echtzeitanwendungen wie Sprache und Video viel höhere Anforderungen an das kabellose LAN. Um Verbindungsunterbrechungen zu vermeiden, ist eine flächendeckende Versorgung erforderlich. Dadurch wechseln die Endgeräte nahtlos zwischen den einzelnen Funkzellen.
Dies ist sowohl innerhalb des Wireless LAN als auch zwischen WLAN und öffentlichem Mobilfunknetz möglich. Da das Netzwerk gleichzeitig für Sprache, Daten und Video genutzt werden kann, ist eine Priorisierung der Echtzeitanwendungen notwendig, sodass beispielsweise größere Datentransfers nicht zu Unterbrechungen führen. In naher Zukunft werden die in Entwicklung befindlichen Standards IEEE 802.11n und 802.11s (Wireless Mesh Network/WMN) den nächsten Quantensprung auslösen, wodurch die verfügbare Bandbreite und die Zuverlässigkeit weiter wachsen wird.
Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen Ihr
Rüdiger Maier




7/2011
6/2011
5/2011


Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 