Zu Google aufzuschließen, ist auch für einen Weltkonzern wie Microsoft nicht allzu einfach. Trotzdem versuchen es die Programmierer aus Seattle, mit der neuen Suchmaschine "Bing" dem Marktführer das Leben schwer zu machen.
Seit Anfang Juni kann man nun selbst beurteilen, ob dieses Projekt gelungen ist. Der erste Eindruck von "Bing": Es ist deutlich verspielter als die karge, zweckorientierte Einstiegsseite von Google, weil ein großes Hintergrundbild eingefügt wird, jeden Tag ein anderes. Man fragt sich unmittelbar: Wozu? Es verlängert die Ladezeiten und ist ein Gimmick ohne jede Funktion. Aber irgendwie will sich Bing mit Bildern und Farben offenbar von Google abgrenzen, ohne dabei gleich ein Portal vom Schlage eines Yahoo anbieten zu müssen. Ein goldener Mittelweg also.
Ansonsten sind die Suchfunktionen für Web, News und dergleichen stark an Google orientiert, was auffällt, ist ein direkter Button zur Videosuche. Weiters wird ein Suchranking namens xRank angeboten, das darstellt, wonach im Web derzeit am meisten gesucht wird. Auch eine eigene Shopping-Suchfunktion gibt es. Desgleichen arbeitet Microsoft an erweiterten Funktionen und Zusatzprogrammen wie etwa Bing Maps 3D, das Google Earth Paroli bieten will.
Angenehm fällt die Explorer-artige Ergebnisseite für die Suche auf, etwas, mit dem man als Windows-Nutzer gut umgehen kann. In einer Spalte links werden etwa bei der Bildsuche die Ergebnisse angezeigt, rechts in einem größeren Ergebnisfeld die dazugehörigen Homepages. Auch die Größe und Auflösung der Bilder kann mit einem einfachen Symbolmenü verändert werden. Sowas ist durchaus praktisch.
Bleibt die Beurteilung der Suchqualität: Die ist in der derzeit in Österreich verfügbaren Bing-Betaversion allerdings nicht so überzeugend. Eine Bing-Suche nach News zu den Stichwörtern "Suchmaschine Bing" brachte ganze 76 Ergebnisse, noch dazu ungegliedert. Bei Google ergab die zeitgleiche News-Suche nach denselben Stichwörtern ganze 886 Ergebnisse, die thematisch und zeitlich geordnet waren. Daran muss Microsoft also noch arbeiten.
Fazit: Der ganz große Wurf ist Bing nicht geworden. Allerdings ist es für Leute, die mit Microsoft-Produkten glücklich sind, eine recht praktische Consumer-Lösung für die schnelle Suche zwischendurch. Für Profisuchen wird man sich nach wie vor Google anvertrauen, das wird auch die 80 Mio. Dollar schwere Werbekampagne, mit der Microsoft Bing weltweit bekannt machen will, nicht so schnell ändern. Aber immerhin: Laut aktuellen Daten hat Bing vom Start weg einen Marktanteil von rund 16 % erreicht, das ist mehr als Yahoo (10,2 %) und deutlich mehr als das hauseigene Produkt MS Live Search (der Bing -Vorgänger), der nie mehr als sieben % erreicht hat. Bis zu Google ist es aber noch ein weiter Weg: Der Marktführer bei Suchmaschinen hält bei 71,5 %.



1/2012
8/2011
7/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 