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IKT in Wien

IKT in Wien | Teil 1

Der IKT-Sektor ist von entscheidender Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Wien

Den Standort Wien in einem globalen Wirtschaftssystem als Player in der europäischen Spitzenklasse zu positionieren, dieses Ziel verfolgen die politisch Verantwortlichen in der Bundeshauptstadt. Von großer Bedeutung ist dabei der IKT-Sektor, der schon heute die Wirtschaft der Stadt entscheidend prägt.

(Bild: PID-Wien)

Auf ausländische Touristen übt Wien eine große Anziehungskraft aus, was sich in beachtlichen Besucher- und Nächtigungszahlen niederschlägt. Anziehungskraft übt die Stadt aber auch auf ausländische Unternehmen aus, denn die Zahl der Betriebsansiedlungen internationaler Unternehmen hat im letzten Jahr einen neuen Höchststand erreicht.

„Noch nie zuvor konnten WWFF und ABA so viele internationale Betriebe in Wien ansiedeln wie 2008. 119 Unternehmen waren es im Vorjahr, die bei der Ansiedlung in Wien unterstützt wurden. In Summe wurde damit ein Investitionsvolumen von 125 Mio.  Euro am Standort ausgelöst und mehr als 900 neue Arbeitsplätze geschaffen“, zeigt sich Vizebürgermeisterin und Finanz- und Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner zufrieden.

Bestätigt sei dabei auch der Status Wiens als Drehscheibe für internationale Konzernzentralen, so Brauner weiter. Von den 19 im Jahr 2008 in Österreich angesiedelten Headquarters hätten sich 15 für den Standort Wien entschieden. Zentrales Motiv in diesem Zusammenhang sind die in Wien stark ausgeprägte Osteuropa-Kompetenz und die engen Beziehungen zu den Märkten Mittel- und Südosteuropas.

„In den letzten Jahren erkennen und nutzen aber auch zunehmend Unternehmen aus Osteuropa Wien als Brückenkopf für den Eintritt in die etablierten EU-Märkte“, so ABA-Geschäftsführer Rene Siegl. Das ist aus der Ansiedlungsstatistik der letzten drei bis fünf Jahre deutlich abzulesen. So stieg die Zahl der Betriebsansiedlungen aus der CEE-Region von 19 im Jahr 2007 auf 29 im letzten Jahr. Besonders attraktiv ist die Stadt für russische Unternehmen, von denen neun sich 2008 für den Standort Wien entschieden haben.

Die günstige geografische Lage und eine Vielzahl internationaler Unternehmen, die sich in Wien niedergelassen haben, stellen ein wertvolles Kapital dar, um den Wirtschaftsstandort Wien noch attraktiver zu machen.

„Wien wird ein vernetzter, wissens- und technologiebasierter Wirtschaftsstandort sein, der an der europäischen Spitze steht“, wirft Renate Brauner als zuständige Stadträtin einen Blick in die Zukunft (siehe dazu „Vier Fragen an Renate Brauner“ auf Seite 29). Aber die Konkurrenz ist groß. 

IKT-Branche als wichtiger Wirtschaftsfaktor

Tech Gate Vienna (Bild: Tech Gate Vienna)

Den Kampf um die Spitzenpositionen haben die Regionen und Metropolen bereits aufgenommen. Für sie geht es vor allem darum, innovationsorientierte Konzepte und Standortstrategien zu entwickeln, mit denen sie die Konkurrenz abhängen können. Eine besondere Rolle spielen dabei Hochtechnologiebranchen wie die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT).

Ihnen kommt im Hinblick auf die Entwicklung des Standorts und die Schaffung zukunftsorientierter Arbeitsplätze eine entscheidende Bedeutung zu. Wie wichtig der IKT-Sektor für Wien ist, zeigt die 2008 von KMU-Forschung Austria und Fraunhofer Institut veröffentlichte Studie „IKT-Standort Wien im Vergleich“. 5.300 IKT-Unternehmen mit insgesamt 64.000 Beschäftigten erwirtschaften einen Umsatz von knapp 20 Mrd.  Euro. Oder anders ausgedrückt:

8 % der Wiener Unternehmen sind im IKT-Sektor tätig, ihr Anteil an der Beschäftigung liegt bei 10 %. Ebenso hoch ist der Anteil am gesamten Umsatz der Wirtschaft, der Anteil an der Bruttowertschöpfung beträgt sogar 15 %.

Dominiert wird der Sektor vor allem von Klein- und Ein-Personen-Unternehmen (EPUs). 2001 hatten 89 % der Unternehmen maximal neun Mitarbeiter, bei 56 % handelte es sich um EPUs, womit die IKT-Branche den branchenübergreifenden Durchschnittswert von 38 % in Wien weit überbietet. Entsprechend gering ist auch die Zahl der „großen“ Unternehmen. Nur 3 % beschäftigen mehr als 50 Mitarbeiter. Es sind also die vielen EPUs, die den IKT-Sektor und damit die Wirtschaft in Wien stützen. 

Die IKT-Dienstleister dominieren

Ihr Angebot besteht in der Regel aus Dienstleistungen (unter anderem Wartung von EDV-Anlagen und Rechnerinstallationen), wie überhaupt 97 % der IKT-Unternehmen als Dienstleister zu bezeichnen sind. Die restlichen 3 % im Herstellungsbereich zeichnen sich nicht nur durch in der Regel höhere Mitarbeiterzahlen aus, sondern tragen auch überproportional zum wirtschaftlichen Erfolg der Branche bei. Ihnen lassen sich

22 % der Umsätze und 23 % der Bruttowertschöpfung zuschreiben.

Und noch ein interessantes Detail zeigt die Studie „IKT-Standort Wien im Vergleich“ auf: Während von den 666 österreichischen IKT-Unternehmen des Herstellungsbereichs rund 24 % aus Wien kommen, haben von 13.769 österreichischen IKT-Dienstleistern 37 % ihren Sitz in Wien. Ein noch deutlicheres Bild ergibt sich bei den Umsätzen: Während  Wiens IKT-Hersteller für rund 53 % der österreichischen Umsätze verantwortlich sind, liegt der Anteil bei den Dienstleistern bei über 76 %. Es sind also vor allem die IKT-Dienstleister, die den Sektor in Wien bestimmen. Ihre Innovationsleistung bestünde, so hält die Studie fest, vor allem in der Adaption bestehender Produkte beziehungsweise in inkrementellen Verbesserungen. „Gegenüber derartigen ‚IKT-Handwerksbetrieben’ sind IKT- Unternehmen, die in speziellen Technologiefeldern aktiv sind und/oder radikale Innovation vorantreiben augenscheinlich in einer deutlichen Minderheit“, so ein Fazit der Studie.

Mit Förderungen und Beratungsleistungen die Innovationskraft der Unternehmen stärken

Um die Innovationskraft der Unternehmen zu stärken, wurden in den letzten Jahren gezielt Förder- und Beratungsprogramme entwickelt. Das zentrale wirtschaftspolitische Instrument der Stadt Wien ist dabei der 1982 gegründete Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF). Seine Ziele sind die Stärkung der Wiener Unternehmen und deren Innovationskraft sowie die nachhaltige Modernisierung des Wirtschaftsstandortes, um seine internationale Wettbewerbsfähigkeit auszubauen.

Seit seiner Gründung hat der WWFF rund 1.200 Betriebe in Wien angesiedelt, 18.000 Unternehmen mit 500 Mio. Euro monetär gefördert und rund 100.000 Unternehmen betreut. Mit grenzüberschreitenden Initiativen innerhalb der Vienna Region und der Centrope-Region forciert der WWFF auch den Ausbau Wiens zum mitteleuropäischen Wirtschaftszentrum und zur Drehscheibe zwischen Ost und West.

Das Leistungsangebot erstreckt sich von der professionellen Beratung über die zielgerichtete Vergabe monetärer Förderungen, die Bereitstellung und Erschließung von geeigneten Grundstücken bis hin zum weltweiten Standortmarketing für Wien. Hinzu kommen die Errichtung und der Betrieb von Technologie- und Gründerzentren wie dem Business & Research Center Höchstädtplatz oder dem TECHbase Vienna. Dazu kommt noch die Organisation von Netzwerken und Kooperationen in Österreich und der EU.

Mit dem Zentrum für Innovation und Technologie (ZIT) gründete die Stadt im Jahr 2000 eine eigene Technologieagentur. Die Tochtergesellschaft des WWFF ist für die Förderung betrieblicher Forschung und Innovation in Wien verantwortlich. Um diesen technologiepolitischen Auftrag der Stadt bestmöglich und effizient erfüllen zu können, wurde mit ZIT 08plus ein Programm entwickelt, das sowohl die wirtschaftlichen Besonderheiten Wiens wie auch die spezifischen Bedürfnisse forschender und innovierender Unternehmen berücksichtigt. Gefördert werden Forschungs- und Entwicklungsprojekte, Innovationsvorhaben und Kooperationsprojekte.

Die Knallgrau New Media Solutions GmbH erhielt zum Beispiel eine Förderung für ihre MeManage-Webapplikation. Das Programmpaket sei wie eine Kiste mit Legosteinen, heißt es in der Projektbeschreibung. Die einzelnen Module helfen, Infos effizient zu verarbeiten, organisieren, durchsuchbar, publizierbar und teilbar zu machen. Denn Knallgrau hat sich zum Ziel gesetzt, Software zu entwickeln, die sich nicht nur an technischen Möglichkeiten, sondern an der Person orientiert, und „der Mensch denkt nun mal nicht hierarchisch und ordnerbasiert, sondern eher netzwerkartig und assoziativ“, so Geschäftsführer Dieter Rappold.

An dem Paket MeManage wurde zwei Jahre lang in verschieden zusammengesetzten Teams von vier bis zehn Leuten gearbeitet. Für den Erfolg des Projekts waren die Mitarbeiter entscheidend, denn jeder bringt andere Perspektiven oder Zugänge zu einem Thema ein. Eines der Module von

MeManage - tagthe.net - wird täglich von den Mitarbeitern selbst im firmeneigenen Intranet verwendet. Tagging bedeutet, Inhalte im Internet mit einem Schlagwort zu versehen. Wer eine Webseite, die auch Kollegen interessieren könnte, findet, startet tagthe.net. Die Software durchsucht das Dokument und hilft, Relevantes herauszufiltern. Dann macht sie automatisch Vorschläge für Tags - virtuelle Anhänger mit Schlagwörtern - und zeigt bereits verwendete an. Das elektronische Fundstück wird, mit Kommentar und Tags versehen, im gemeinsamen Wissenspool abgelegt. Wer das nächste Mal zu einem bestimmten Thema Dokumente sucht, sieht einfach im automatisch angelegten Index der Quellen nach.

Der Erfolg solcher Projekte hängt aber ganz stark von der Akzeptanz bei den jeweiligen Zielgruppen ab. Wer es nicht gewohnt ist, seine Informationen mit anderen zu teilen, der wird sich mit einer solchen Anwendung schwer tun. Was im eigenen Unternehmen noch funktioniert, kann bei den Kunden bereits auf breite Ablehnung stoßen. Die Akzeptanz neuer Ideen und Technologien in der Öffentlichkeit ist daher eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg von Innovationen. Dem trägt das ZIT mit einer eigenen Förderschiene Rechnung, in der Unternehmen finanzielle Unterstützung für Kommunikationsvorhaben beantragen können.

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Dunja Koelwel

Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. ..mehr..

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