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Strategien

Softwaremarkt

Gebrauchte Software: Chance in der Krise

IT-Budgets in Österreich leiden erheblich unter der Wirtschaftskrise. Kleveres Lizenamangement und neue Beschaffungsquellen können IT-Abteilungen jedoch deutlich entlasten.

Edith M. Horton

In 2008 gaben die österreichischen IT-Anwender laut Marktforscher Techconsult 947,6 Millionen Euro für Softwarelizenzen aus. Während Ende 2008 die Analysten noch von einem leichten Wachstum von 1,3 % für 2009 ausgingen, erfolgen nun Prognosen nach unten. Auch für die folgenden Jahre sehen die Analysten bestenfalls eine Stagnation. Wo es also bis vor kurzem noch um Konzepte und Visionen ging, sind jetzt knallharte Analysen und Wirtschaftlichkeitsrechnungen gefordert.

Um nicht zu viel für Software-Lösungen zu bezahlen, brauchen Unternehmen ein aktives Lizenzmanagement. "Drei Komponenten sind für das Software-Lizenzmanagement entscheidend: Bedarfsermittlung, juristische Absicherung der Verträge und Preisverhandlung. Alle drei Bereiche zielen darauf ab, den Preis der Lizenzen möglichst gering zu halten", berichtet der für Research & Market Intelligence zuständige Analyst Fank Naujoks vom Beratungshaus i2S (Intelligent Systems Solutions GmbH). Deshalb muss ein Umdenken in den Unternehmen einsetzen mit dem Ziel, das Thema Lizenzmanagement als ganzheitlichen Prozess zu verstehen. Wichtig dabei ist, dass Software als ein Anlagegut (Asset) bewertet wird, welches für das Unternehmen einen Wert darstellt.

Warum gebrauchte Software?

„Aktuell schätzen wir das Marktpotenzial 2009 für Software- Remarketing auf ungefähr 178 Mio. Euro.“ - Boris Vöge, Vorstand preo Software AG

Ein wesentlicher Grund gebrauchte Software zu kaufen, liegt im finanziellen Vorteil. Bis zu 50 % im Vergleich zu den Neupreisen können eingespart werden. Diese Vorteile wollen immer mehr Unternehmen in Österreich für sich nutzen und greifen zu. So auch die in Friesach bei Graz ansässige Salomon Automation GmbH. Das Unternehmen benötigte insgesamt 230 Microsoft Lizenzen. Zum Bedarf zählten neben Office-Lösungen auch Anwendungsprogramme, wie Viso und Project.

"Normalerweise beziehen wir direkt vom Software-Distributor unsere Lizenzen. In diesem Fall haben wir uns jedoch nach Alternativen auf dem Gebrauchtmarkt umgesehen", sagt Heinz Konrad, der für den Einkauf bei Salomon verantwortlich zeichnet. Das war eine sehr gute Entscheidung wie Konrad im Nachinhein feststellt: "Schließlich konnten wir knappe 40 % gegenüber dem Kauf neuer Lizenzen einsparen."

Kostenersparnis ist aber nicht der einzige Grund, gebrauchte Lizenzen zu kaufen. Vielmehr ist die Möglichkeit der Standardisierung auf eine ältere Softwaregeneration mit großem Nutzen für die Anwender verbunden. Neben reduzierten Wartungs- und Deploymentkosten können durch die einheitliche Softwareumgebung auch Aufwendungen für Schulungen und Helpdesks niedriger gehalten werden.

Der Markt für gebrauchte Software in Österreich

"Der Kostendruck und die Chance für Käufer, günstig an Software heranzukommen sowie eine neue Geschäftschance für pfiffige Händler", sind laut Rüdiger Spies vom Analystenhaus IDC die entscheidenden Auslöser für die steigende Nachfrage von gebrauchter Software. Der Markt ist aber nicht nur für Anwender interessant.

Auch Anbieter können durch das Zusammenführen von Angebot und Nachfrage profitieren wie dies der Hamburger Händler preo Software demonstriert. Annähernd 52.000 Lizenzen wurden seit 2005 in Österreich ge- und verkauft. Insbesondere in den letzten Jahren konnte das Unternehmen kräftig zulegen. Der Umsatz in Österreich hat sich in 2008 zum Vorjahr mehr als verdoppelt - das Unternehmen erreichte 240 % des Vorjahresumsatzes. "Aktuell schätzen wir das Marktpotenzial in 2009 für Software Remarketing auf ungefähr 178 Millionen Euro", berichtet preo Software AG Vorstand Boris Vöge.

Diese Werte lassen erkennen, dass auch hier in Krisenzeiten noch reichlich Platz für Wachstum vorhanden ist. Das erklärt auch, warum sich in Österreich immer mehr Anbieter in diesem Marktsegment tummeln. Die Anbieter differenzieren sich allerdings in ihrem Leistungsportfolio und in den Übertragungsprozessen der Lizenzen. Wenn die Herkunft der Lizenzen nicht eindeutig nachgewiesen wird, kann die Anerkennung durch den Hersteller nicht erfolgen. Dazu Vöge: "Als bisher einziger Händler von gebrauchter Software verfügen wir über eine ISO 9001-Zertifizierung. Unsere Lizenztransfers erfolgen vollkommen nachvollziehbar für alle Beteiligten und unter Berücksichtigung der gültigen Lizenzbestimmungen der Hersteller, die in den Übertragungsprozess eingebunden werden."

Wie erfolgt die Übertragung der Lizenzen?

Bei der Übertragung von gebrauchten Lizenzen ist das Einhalten der regulatorischen Rahmenbedingungen besonders relevant. So sieht es auch Heinz Konrad von Salomon: "Der wichtigste Punkt war für uns die rechtliche Sicherheit. Auch wollten wir die Rahmenparameter geklärt wissen. Gemeinsam mit preo haben wir alle Details besprochen und wurden kompetent beraten."

Wie Heinz Konrad geht es vielen Entscheidern. "Für Anwender ist es wichtig, dass ein reibungsloser und transparenter Informationsfluss sichergestellt ist, die Aussagen verbindlich sind und Anwender in ihrem Entscheidungsprozess nachhaltig unterstützt werden", umschreibt Axel Oppermann, freier IT-Marketingberater, den Bedarf der Anwender. Im Fall Salomon wurde die Herkunft der zu übertragenden Lizenzen durch preo Software und den Erstbesitzer lückenlos nachgewiesen.

Welche Lizenzen werden gehandelt?

"Nachgefragt und angeboten werden Lizenzen von allen führenden Standardsoftwareherstellern, die einen hohen Marktanteil bzw. einen starken Verbreitungsgrad haben", berichtet Boris Vöge. Hierzu zählen Lizenzen von Microsoft, Citrix und Adobe genauso wie Lizenzen von SAP. Laut Frank Heuer, Senior Analyst vom Marktforschungsunternehmen TechConsult nimmt SAP insbesondere bei den großen Unternehmen eine bedeutende Rolle bei ERP-Lösungen ein. Insgesamt liege der Marktanteil in Österreich nach Marktvolumen in Euro bei 21%, in den großen Unternehmen ab 500 Mitarbeitern sogar bei 45%.

Diese Marktdurchdringung führt dazu, dass sowohl auf Angebot- als auch auf Nachfrageseite große Stückzahlen bewegt werden. Beispielsweise hält preo Software aktuell 8.200 SAP Professional und Limited Professional User-Lizenzen am Lager. Für österreichische Unternehmen mit Niederlassungen in Osteuropa ist diese Form der Beschaffung besonders interessant. Dadurch können sie die oftmals als ungerechtfertigt empfundenen Länderaufschläge - also den Betrag der anfällt, wenn der Einsatzort der Lizenzen während der Laufzeit länderübergreifend geändert wird - einsparen.

Zu den Schnelldrehern zählen vor allem auch Lizenzen von Microsoft. Durch die in den Volumenverträgen eingeräumten Cross-language-Rechte kann jede Sprachversion der lizenzierten Software genutzt werden, solange die genutzte Sprachversion den gleichen oder einen günstigeren Preis als die erworbene Sprachversion hat. Somit ist auch hier für österreichische Unternehmen mit internationalen Niederlassungen eine kostengünstige Beschaffung möglich. Aber auch der Verkauf dieser Lizenzen bietet eine nicht unerhebliche Option, dem eigenen Unternehmen Barmittel zuzuführen. "Durch den Verkauf nicht mehr benötigter Lizenzen können Anwender ihr Anlagevermögen - die Software - rekapitalisieren und die finanziellen Mittel gezielt für neue Projekte einsetzen", versichert Boris Vöge.

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MONITOR-Autoren
Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

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