"Während letztes Jahr Green IT noch hoch im Kurs stand, ist heute bei unseren Kunden Kosteneffizienz im Rechenzentrum das zentrale Thema", erklärt HP Österreich-Generaldirektor Rudolf Kemler im Interview am Rande der Konferenz. Der Druck auf die CIOs wachse, die IT-Budgets würden gesenkt, vor allem in Produktionsbetrieben.
"Wir konnten bereits Projekte erfolgreich durchführen, wo wir ohne Tausch der Hardware bis zu 25 % Kostensenkung im Rechenzentrum erzielt haben", weiß Kemler. Nun würde auch die gezielte Auslagerung gewisser IT-Leistungen (Outtasking) wichtiger, um mehr Budget für Innovation freizubekommen. Die Outsourcer müssten sich heute aber immer weiter spezialisieren (z.B. Betrieb von SAP-Systemen etc.), um ihr hochqualifiziertes Personal auszulasten und eine entsprechende Größe (= Kostenvorteil) zu erlangen. Nach wie vor sei nämlich das Personal ein bedeutender Kostenfaktor, und Großrechner-Spezialisten seien überhaupt die teuersten Mitarbeiter.

Freut sich über die steigende Akzeptanz zentraler IT-Dienste durch sein Nutzer: Christopher Odenbach vom Zentrum für Informations- und Medientechnologien (IMT) der Universität Paderborn
"Im zuletzt genannten Bereich wird etwa die Rechnungsabwicklung für Mobilfunker oder die Personalverrechnung immer stärker nachgefragt", nennt Kemler einige Beispiele. Ziel der Unernehmen sei dabei auch, die derzeit durchschnittlich nur 15 % für Innovationen verfügbaren Mittel in Rechenzentren zu steigern, um damit Wettbewerbsvorteile herausarbeiten zu können.
Auch die Großrechner mit ihren teuren Lizenzen rücken nun wieder mehr in den Fokus: "Wir haben in Barcelona ein Kompetenzzentrum, in dem wir vorführen können, wie sich Applikationen vom Großrechner auf offene Systeme übertragen lassen", unterstreicht der Generaldirektor. Insgesamt laufe das Dienstleistungsgeschäft gut, wenn auch große Investitionen derzeit eher verschoben würden. "Wir sind stolz, hier Markanteile gewonnen zu haben. Leider sinken aber insgesamt derzeit die Umsätze aufgrund der wirtschaftlichen Lage."
Neue Infrastruktur-Angebote
In Berlin hat das Unternehmen mit dem BladeSystem Matrix eine Plattform vorgestellt, die Software-, Server-, Storage- und Netzwerklösungen zusammenführt und die Bereitstellung von Services für das Rechenzentrum automatisiert. "Wir sehen den Trend, dass letztlich immer mehr IT-Dienstleistungen als Services angeboten werden", analysiert der Österreicher Wolfgang Wittmer, Vice President Enterprise Server and Storage Sales EMEA.
Langsam entwickle sich das Cloud-Computing (internes/externes), wobei die Durchsetzung externer Cloud-Angebote aufgrund der vorhanden Unsicherheiten (Sicherheit, Datenhaltung etc.) noch länger brauchen werde. "Unternehmen wollen durch die Nutzung von Diensten über Cloud-Computing zwar ihre Kosten senken, bestehen aber auch auf gesicherten Service-Levels", so Wittmer.
Derzeit sei das Matrix-System nur auf HP-Produkte optimiert, aber die Einbindung anderer Hardware sei geplant. "Wir haben etwa unsere Pro Curve-Netzwerkprodukte schon gut integriert, brauchen hier aber noch leistungsfähigere Komponenten für besonders große Anforderungen." Matrix sei auf größere Unternehmen ausgerichtet, die z.B. bei einer anstehenden Daten-Center-Migration auf eine einheitliche Plattform setzen wollen. "Etwa 80 % unserer Blade-Lösungen im Mittelstand verkaufen wir über Partner", betont Wittmer die Partner-Verbundenheit. Mit Blade-Systemen ließen sich bis zu 37 % an Energiekosten einsparen, ein wichtiges Verkaufsargument. "Die Kunden wollen heute einen raschen "return on investment" (ROI) sehen, und haben dabei auch die stark steigenden Energiekosten im Auge", weiß Wittmer.
Einfache Virtualisierung

Sieht den Trend, dass letztlich immer mehr IT-Dienstleistungen als Services angeboten werden: Der Österreicher Wolfgang Wittmer, Vice President Enterprise Server and Storage Sales EMEA
"War es früher noch leichter möglich, einen Mailserver oder eine Homepage in einem Institut nebenher zu betreiben, so wird das heute immer aufwändiger. Daher sind die Institute froh, diesen Dienst zentralisieren zu können." Man habe von einer vorher SUN-lastigen Architektur langsam auf HP umgestellt: "Wir hatten schon vor der Übernehme von LeftHand durch HP gute Erfahrungen mit diesem Anbieter und sehen in dem Umstieg viele Vorteile", unterstreicht Odenbach.
So wurden in Berlin auch Neuheiten der HP Technology@Work vorgestellt. Diese Speicher-Lösungen beruhen auf Technologien des akquirierten Unternehmens LeftHand: Dazu gehören die auf GRID-Ansatz beruhenden LeftHand P4000 SAN-Lösungen sowie die LeftHand VSA (Virtual SAN Appliance) für virtualisierte Umgebungen. Die Lösungen spielen ihre Vorteile insbesondere in virtualisierten sowie in Blade-Umgebungen aus. "Wir können mit dieser Technologie schnell virtuelle Maschinen für neue Anforderungen zur Verfügung stellen und erreichen durch die integrierten Hochverfügbarkeits-Funktionen sehr kostengünstig eine hohe Ausfallsicherheit."
Nach und nach würden Services auf die virtualisierte Infrastruktur übertragen. "Die Virtualisierung ermöglicht uns auch den raschen Test neuer Anwendungen, ohne in das bestehende System eingreifen oder eigene Test-Rechner vorhalten zu müssen", erklärt Odenbach. Derzeit habe man noch keine Blade-Architektur im Einsatz und sei auch beim Outsourcing vorsichtig. "Die Datensicherung als gut abgrenzbaren Bereich haben wir outgesourct, sonst forcieren wir das aber nicht." Der IT-Experte freut sich jedenfalls, dass immer mehr Institute die zentralen Dienste in Anspruch nehmen und so die Re-Zentralisierung voranschreitet.




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8/2011
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Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 