Geht es nach Achim Kaspar, General Manager Cisco Österreich, dann ist die Lösung mit dem sperrigen Namen Medical Data Exchange Solution (MDES) so etwas wie das Schweizer Taschenmesser zur Vernetzung von Gesundheitsdiensteanbietern. "Die Organisation des Gesundheitswesens ist in jedem Land anders. Der österreichischen Mentalität entsprechend haben wir etwas äußerst Flexibles gebaut, das für alle passt. Damit kann ich vom einzelnen Krankenhaus bis zum ganzen Gesundheitssystem alles vernetzen."
Einzige Vorraussetzung ist, dass die zu verbindenden Systeme auf den herstellerunabhängigen Standards der IHE (Integrating the Healthcare Enterprise) basieren. Die technischen Frameworks dieser Organisation haben sich weltweit als Garant für die Interoperabilität von medizinischen Systemen und Netzen durchgesetzt (Der MONITOR hat in Ausgabe 4 ausführlich berichtet).
Heimische Intelligenz
Die Intelligenz von MDES kommt aus Österreich. Die Softwareschmiede Tiani Spirit hat sich 2004 aus dem PACS-Spezialisten Tiani Medgraph entwickelt, der mittlerweile zu Agfa gehört. Seither beschäftigt sich die Firma mit Sitz in Bisamberg (NÖ) intensiv mit der Entwicklung IHE-konformer Softwareprodukte, die mittlerweile in Großprojekten in mehreren österreichischen Bundesländern, in Deutschland, der Schweiz, Spanien oder Südafrika eingesetzt werden. Bei der kürzlich gelaunchten MDES-Lösung bilden Software-Infrastrukturkomponenten wie Patientenindex oder Krankengeschichtenindex gemeinsam mit Cisco-Hardware die Basis einer neuen eHealth-Infrastruktur.
Die für Cisco entwickelte Middleware von Tiani Spirit kann laut Kaspar auf jeden höherwertigen Cisco-Router aufgespielt werden. Die Technologie basiert auf JAVA und verwendet JBOSS als Applikationsserver. IHE-Standards wie HL7/HL7V3, DICOM, ebXML, SAML sind fixer Bestandteil der Technologie. Die IHE veranstaltet jährlich so genannte "Connectathons." Das sind große Veranstaltungen, bei denen Systeme hunderter Hersteller praxisnahe getestet und auf ihre Konformität mit den IHE-Interoperabilitätsstandards geprüft werden.
2009 war MDES Testsieger in den Bereichen Daten- und Dokumentenaustausch, ePatientenakte und Master Patient Index. Paul Kotloeterer, der als European Healthcare Lead bei Cisco internationale Verantwortung trägt, ist stolz darauf, dass MDES als rein österreichische Entwicklung so großen internationalen Erfolg hat: "Die elektronische Patientenakte ist derzeit weltweit ein großes Thema. Wir können dazu eine flexible Lösung anbieten, mit der man Patienteninformationen spitalsübergreifend zur Verfügung stellen kann."
Erfolgreicher Pilot
Die Testphase mit weltweit mehreren Pilotprojekten könnte laut Kotloterer erfolgreich abgeschlossen werden. Auch in Österreich wurde ein Pilot durchgeführt, und zwar am Klinikum Wels-Grieskirchen (OÖ). Nach dem Zusammenschluss der Spitäler beider Städte stellte sich vor allem die Zusammenführung der klinischen Informationssysteme als Herausforderung dar.
Ziel war, dass die medizinischen Patienteninformationen nicht nur dem gesamten Klinikumpersonal, sondern auch umliegenden Pflegeheimen, Homecare-Einrichtungen und 150 niedergelassenen Ärzten jederzeit zur Verfügung stehen. Mit MDES, die auf einer Cisco Application eXtension Plattform (AXP) läuft, konnten alle Patientenakten rasch in einem IHE-konformen zentralen Patientenindex konsolidiert werden. In einem weiteren Schritt musste ein standardisierter Prozess zum Dokumentenaustausch implementiert werden. MDES nutzt dabei das IHE-Integrationsprofil Cross Document Sharing (XDS), um die Interoperabilität verschiedener System zu gewährleisten. Der IHE Security-Rahmen, der in MDES vollständig umgesetzt wurde, verhindert unautorisierte Zugriffe.
Um das Projekt umzusetzen, "musste nicht alles neu erfunden werden", betont Kotloeterer. "MDES ist eine Lösung, die vorhandene Systeme sicher verbindet, um bestehende Infrastrukturen optimal weiterzuentwickeln." Kaspar sieht Cisco damit auch im Hinblick auf die österreichweite Elektronische Gesundheitsakte ELGA, die im Frühjahr in die Umsetzungsphase getreten ist, bestens aufgestellt. "Die Kostenexplosion im Gesundheitswesen erfordert es, die Prozesse zu optimieren, um die Produktivität zu verbessern, ohne die Qualität zu beeinträchtigen."




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8/2011
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Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 