Seit der vollständigen Integration in die Fujitsu-Gruppe tragen Sie globale Verantwortung. Wie stellt sich das dar?
Zunächst fällt damit auch das japanische Entwicklerteam in meinen Verantwortungsbereich. Der Vorteil liegt darin, dass sich nun viel stärkere Synergien innerhalb der Fujitsu-Gruppe ergeben. Wir wollen unsere Innovationskraft aus Deutschland und Japan kombinieren und weiter vorantreiben.
Wie teilen sich die Kompetenzen auf?
Japan trägt einiges zur Qualitätssicherung der gesamten Primergy-Familie bei. Zudem werden dort die 8-Wege-Systeme entwickelt sowie Highend-Switches wie Infiniband. Übrigens stammt auch der 10-Gigabit-Switch von Fujitsu aus Japan. In Deutschland liegt die Kompetenz für Serversysteme vom Floorstand- bis zum 4-Wege-System. Zudem entwickeln wir hier jegliche Hardware, die mit Virtualisierung zu tun hat. Außerdem liegt die Verantworung für Blade-Server-Technologie komplett in Deutschland.
Gehört den Blade Servern die Zukunft?
Ja, absolut, denn Blade Server sind vollständig integrierte Systeme, die man als Mini-Datacenter bezeichnen kann. Sozusagen als Flaggschiff haben wir jetzt unser Primergy BX900 Blade Server-System gelauncht.
Was macht dieses Modell zum Flaggschiff?
Es handelt sich um ein Highend-System, das sich mit bis zu 18 Blades bestücken lässt - das ist die derzeit höchste Packungsdichte bei zehn Höheneinheiten. Es ließen sich sogar vier BX900-Chassis stapeln und die enthaltenen 72 Blades einheitlich managen, als wären sie in einem Gehäuse.Wer dann noch den "Resource Coordinator" als Teil unserer ServerView-Managementlösung nutzt, bekommt weitere Vorteile. Hiermit lassen sich alle physischen und virtuellen Systeme zentral und automatisiert verwalten. Verglichen mit einem Orchester wäre diese Software der Dirigent für die Server im Rechenzentrum. Übrigens handelt es sich um eine originäre Software, die Fujitsu bisher hauptsächlich nur in Japan vertrieben hat. Wir haben diese Lösung internationalisiert und damit weltmarktfähig gemacht. Insgesamt ist der BX900 quasi die Inkarnation einer "Dynamic Infrastructure" und entspricht damit optimal unserer Strategien als moderner Infrastrukturanbieter.
Wie steht es um die Sparsamkeit?
Die Stromzufuhr lässt sich über eine Powermanagementsoftware intelligent regeln, entweder zeitgesteuert durch den User oder automatisch aufgrund der Auslastung. So schalten sich etwa Netzteile vollständig ab, wenn sie nicht gebraucht werden. Übrigens hatten wir noch nie ein Netzteil in der Serienproduktion, das in allen Lastzuständen mit so hohen Wirkungsgraden arbeitet.
Die zweite große Herausforderung stellt ja die Kühlung dar.
Hierzu haben wir uns tatsächlich mit Betreibern von großen Rechenzentren und der Fujitsu-Sektion, die Kühlanlagen herstellt, ausgetauscht. Dabei kam heraus, dass die Energie, die zum Kühlen der Luft aufgewendet wird, gar nicht mehr ausschlaggebend ist. Viel aufwendiger ist es, die Luft zu bewegen - also vom Server zur Kühlanlage und umgekehrt.
Es ist also kein Gewinn für die Klimaanlage im Rechenzentrum, wenn die Austrittstemperatur aus dem Server niedrig ist, sondern wenn einfach weniger heiße Luft austritt. Und genau das haben wir im BX900 realisiert. Wir verwenden die gesamte perforierte Vorderfläche zur Kühlung der Blades. Außerdem wirkt die Bauweise sehr sparsam: Nur die Komponenten, die die meiste Hitze produzieren, erfahren die stärkste Kühlleistung. Dahinter liegen die Bauteile, die weniger Hitze entwickeln und nicht mehr so viel Kühlung benötigen. Auf diese Weise pusten wir nur so viel Luft durchs Gehäuse, wie wirklich benötigt wird.
Nun richtet sich der BX900 an Großunternehmen, was machen Sie für den Mittelstand?
Neben unserem bisherigen BX600 Blade Ecosystem werden wir im nächsten Jahr unsere Blade-Server-Familie um einen speziell für Kunden des SME-Segments entwickelten, kleinen Blade Server erweitern. Dieses System wird etwa halb so groß sein wie der BX900. Der Clou liegt hierbei in der Integration von Server, Netzwerk und Storage in einem System - inklusive einer kombinierten Managementlösung. Das ist gewissermaßen ein komplettes Rechenzentrum "in a box".
Das Gespräch wurde MONITOR von Fujitsu zur Verfügung gestellt.
Eine Flashanimation und ein Video vom Primergy BX900 gibt es unter http://at.ts.fujitsu.com/dynamiccube






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8/2011
7/2011


Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 