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Green IT

Interview mit Peter Sondergaard, Vizepräsident und Chef der Research-Abteilung von Gartner

"Der Hype ist kontraproduktiv"

Peter Sondergaard, Vizepräsident und Chef der Research-Abteilung von Gartner, gab dem MONITOR bei einem Wien-Besuch ein Exklusiv-Interview zum Thema Green IT.

„Green IT ist ein sehr guter Begriff, denn jeder weiß damit sofort, worum es geht.“ - Peter Sondergaard, Vizepräsident und Chef der Research-Abteilung von Gartner (BIld: Gartner)

Er ist Herr über 650 Analysten des größten IT-Beratungshauses der Welt und damit einer der einflussreichsten Meinungsbildner in der Branche. Seine Hauptaufgabe sieht darin, die Forschungsfelder seiner Mitarbeiter mit den Interessen der Kunden unter einen Hut zu bringen. Die Geburtsstunde von Green IT hat er hautnah miterlebt.

2003 prägte Ihr Analyst Simon Mingay den Begriff Green IT. Hat er damals schon geahnt, was er damit lostritt?

Simon hatte damals schon die richtige Einschätzung, warum das Thema wichtig ist. Aber wir waren etwas besorgt, dass er dafür zu viel Zeit aufwendet. Denn 2002 stellte noch keiner unserer Klienten Fragen betreffend Green IT. Es gab kein Bewusstsein bezüglich der Auswirkungen von IT auf die CO²-Emissionen - weder, dass IT mit 2 % Anteil ein großer Luftverschmutzer ist, noch, dass sie durch Innovation und ihre Fähigkeit dafür auch Venture-Kapital zu gewinnen, einen bedeutenden Beitrag zur Reduktion der restlichen 98 % leisten kann.

Sind Sie glücklich mit allem, was heute so alles mit dem Etikett "Green IT" versehen wird?

Green IT ist ein sehr guter Begriff, denn jeder weiß damit sofort, worum es geht. Ich bin aber nicht glücklich damit, was in den letzten 18 Monaten passiert. Der Fokus hat sich krisenbedingt vermindert. Es gibt nur mehr wenige Firmen, die ernsthafte Anstrengungen unternehmen. Beim großen Rest reduziert sich das Thema auf Kostenreduktion bei Power & Cooling.

Der Grün-Fokus der öffentlichen Verwaltungen, der noch vor zwei Jahren in den USA auf lokaler Ebene teilweise bemerkenswerte Ausmaße erreichte, hat sich in Luft aufgelöst. Im Europa nördlich der Alpen - da zähle ich Österreich dazu - ist hingegen noch ein beträchtlicher Fokus im öffentlichen Bereich zu erkennen. Aber es fehlt an zielgerichteter Investitionsförderung für grüne Industrien wie Windenergie.

Wo liegt der Unterschied zwischen Energieeffizienz und Green IT?

Energieeffiziente Geräte sind nur eine Unterkomponente von Green IT. Damit ist noch nicht gewährleistet, dass die Infrastruktur grün ist, und schon gar nicht die Produktion oder die Lieferkette. Einige Anbieter versagen, wenn es darum geht, CO²-effiziente Architekturen zu entwickeln. Und sie versagen auch bei der Implementierung eines CO²-effizienten Produktionsprozesses im eigenen Haus.

Was sind aus ihrer Sicht in nächster Zeit die größten Herausforderungen in Sachen Green IT?

Die mangelnde Unterstützung des Themas auf Management-Ebene, der mangelnde Fokus auf die CO²-Reduktion in der Lieferkette, und auch der gesamte Hype rund um das Thema ist eher kontraproduktiv.

Nach heutigem Wissensstand - glauben Sie persönlich daran, dass wir den Klimawandel noch aufhalten können?

Wir reagieren zu spät, aber ich glaube noch immer daran. Der Schlüssel ist das Konsumentenverhalten, und das ändert sich langsam aber sicher. Und Regierungen können durch einfache Aufklärung viel dazu beitragen.

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Green IT

Green IT - IKT verursacht laut Gartner zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes und steht damit als Treibhaus-Sünder auf einer Stufe mit dem Flugverkehr. Rechenzentren verbrauchen bis zu 100 Mal mehr Energie als normale Büroflächen. Technologischer Fortschritt und Raumnot bringen eine immer höhere Packungsdichte bei Prozessoren und Speichern. Im Schnitt werden bereits zwei Drittel des Energieverbrauchs allein von der (sehr oft inneffizienten) Kühltechnik gefressen.

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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