Garnter und der WWF haben 2008 erstmals ein "Low Carbon Leadership Assessment" mit 15 großen Anbietern durchgeführt. In der thematisch breit angelegten Erhebung wurden einerseits die firmeninternen Bemühungen um eine Treibhausgas-Reduktion in den eigenen Prozessen und entlang der gesamten Lieferkette unter die Lupe genommen, andererseits aber auch das Engagement bei der Entwicklung von klima- und umweltschonenden Produkten und Services, die das Gesamtziel einer "Low Carbon Economy" unterstützen.
Dabei stand der gesamte Produktlebenszyklus auf dem Prüfstand, also die Umweltverträglichkeit von Entwicklung über Produktion, Distribution und Betrieb bis zur Verschrottung. Von den teilnehmenden Firmen haben Fujitsu, British Telecom, HP und IBM über alle untersuchten Bereiche hinweg am besten abgeschnitten, während Wipro, Nortel, Verizon, China Mobile und Lenovo nicht wirklich gut davonkamen. Auch bei Nokia, Ericsson, Nortel, Cisco und SAP traten in Teilbereichen gravierende Mängel zutage. Überraschend schlecht schnitt auch Google ab.
Ein Manko der Untersuchung: Viele wichtige Anbieter aus der Hard-, Software- und Dienstleistungsindustrie haben nicht teilgenommen. Darunter auch Sun Microsystems - vom Fortune Magazine 2007 mit dem Ehrentitel "Grünste Computer Company unter der Sonne" bedacht. Sun habe nicht nur besonders energiesparende Server- und Prozessortechnologien entwickelt, sondern sei auch in Sachen grüner Produktlebenszyklus sehr aktiv, erklärt Andreas Neuhold, Systems Practice Lead bei Sun Österreich. "Wir übernehmen die Verantwortung für jede Lebensphase unserer Produkte. Ein global angelegtes Rückgabeprogramm vermeidet E-Müll. Wir verwerten brauchbare Komponenten oder Systeme und recyceln Metall und Plastikteile. Ziel ist, 95% der Sun-Produkte wiederzuverwerten. In der Produktion wird auf die Vermeidung oder Reduktion umweltbelastender Materialien und Chemikalien geachtet."
Hewlett-Packard prüft und verbessert mit seinem "Design for Environment"-Programm (DfE) schon seit den frühen 1990ern den eigenen Produktlebenszyklus mit dem Ziel, den Rohstoff- und Energieverbrauch zu reduzieren und die Recycling-Fähigkeit zu erhöhen. Für die Umsetzung sind "Produkt-Stewards" zuständig, die mit F&E-Teams und Kunden zusammenarbeiten, um ein umweltfreundliches Design der Geräte zu fördern.
Große Initiativen
Auch IBM kann man nicht vorwerfen, auf den fahrenden Green IT-Zug aufgesprungen zu sein. Schon 1971 wurde eine erste interne Umweltrichtline verfasst. 1997 wurde Big Blue als erstes Unternehmen nach dem Umweltstandard ISO 14000 zertifiziert. Seit 2006 läuft die mit einer Milliarde Dollar dotierte Aktion "Big Green", die sowohl den Entwicklungsbereich als auch interne Awareness-Kampagnen umfasst. 2008 hat der österreichische Standort erstmals auch einen eigenen Umweltbericht erstellt. Einige Empfehlungen daraus wurden bereits umgesetzt, zum Beispiel die Einsetzung eines Umweltbeauftragten oder die Erweiterung des internen Umweltinformationssystems. Dazu Thomas Grimm, IBM Business Transformation Consultant: "Bei jedem Druckauftrag sehen die Mitarbeiter ihre persönliche C0²-Bilanz und wie viel Papier sie im laufenden Jahr schon verbraucht haben. Ähnliches machen wir bei der Reisekostenaufstellung."
Dell hat 2008 ein unternehmensweites Energiespar-Programm implementiert und setzt auf den Einsatz erneuerbarer Energien, erläutert Michael Rufer, Dell PR-Manager Zentraleuropa. "Unsere Firmenzentrale im texanischen Round Rock wird bereits jetzt zu 100 Prozent mit grüner Energie versorgt, 40 % mit Deponiegas und 60 % mit Wind-Energie." In der Produktentwicklung liegt der Fokus auf einem maximalen Wirkungsgrad der Geräte. Darüber hinaus hält Dell seine wichtigsten Zulieferer an, ihre CO²-Emissionen offen zu legen. Auch HP legt Wert auf eine grüne Lieferkette und bezieht die Treibhausgas-Emissionen aller direkten Lieferanten in die eigenen Umwelt-Reports mit ein.
Ökologische Angebote
Grüne Produkte und Services haben mittlerweile bei allen großen Anbietern einen hohen Stellenwert im Portfolio. Fujitsu Technology Solutions (vormals FSC) brachte schon 1993 den ersten "grünen PC" heraus und bietet heute eine umfassende Produktpalette für Energieeffizienz in Office und Rechenzentrum. Neben energiesparender Hardware liegt der Fokus auch auf Lösungen und Services zur Prozessoptimierung. Das Konzept des "Dynamic Data Center" wird als ganzheitlicher Ansatz für energiesparende "grüne Infrastrukturen" angepriesen. Virtualisierung ist dabei die zentrale Technologie. Zur Freude von Österreich-Chef Wolfgang Horak ist der Wiener Standort seit 2007 das konzernweite Kompetenzzentrum für Virtualisierung und Klimaschutz. "Das kommende Thema ist Desktop-Virtualisierung. Wir gehören zu den ganz wenigen, die bei Server-, Storage- und Desktop-Virtualisierung horizontal beraten können." Bei Sun zählt man Client-Virtualisierung seit langem zu den Kernkompetenzen. Dazu Neuhold: "In Kombination mit unseren SunRay Thin Clients sinkt der Energieverbrauch am Arbeitsplatz auf 4 Watt."
Auch bei Microsoft steht in Sachen grüne Lösungen Virtualisierung an oberster Stelle. "Wir bieten mit unserer Hyper-V Technologie im Windows Server 2008 die perfekte Grundlage für den virtuellen, effizient verwalteten Rechenzentrumsbetrieb", sagt Thomas Lutz, Unternehmenssprecher Microsoft Österreich. Hyper-V ist eine Hypervisor-basierende Virtualisierungstechnologie, die keine Treiber benötigt und direkt auf der Hardware aufsetzt. Das sei ein wichtiger Unterschied zur "monolithischen Architektur" des Mitbewerbs, so Lutz.
Fazit
Zumindest die großen Anbieter unternehmen teilweise beachtliche Anstrengungen, und sie setzen auf ähnliche Strategien und Technologien. Beim Entwicklungsstand ihrer Öko-Initiativen sind aber deutliche Unterschiede zu erkennen. Bei jenen, die nicht erst seit zwei Jahren "grün" sind, kann man zumindest davon ausgehen, dass ihre ökologischen Ansätze nicht nur dem momentanen Zeitgeist entspringen.





7/2011
6/2011
5/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 