Grünes Office
Laut Gartner geht ein Drittel des weltweiten Energiekonsums der IKT auf das Konto von PCs und ihrer Peripheriegeräte. Im Business-Bereich liegt dieser Anteil nach Erhebungen der Experton Group sogar bei 40 bis 60 %. Dementsprechend groß sind dort auch die Einsparungspotenziale. Experton spricht von 20 bis 50 % der Energiekosten. Bevor aber Verbesserungsmaßnahmen in Angriff genommen werden, sollte der Ist-Verbrauch des Office-Equipments erhoben werden.
Gartner rät, sich dabei nicht auf Herstellerangaben zu verlassen, sondern den Geräten eigenhändig mit Messgeräten zu Leibe zu rücken. Beachtliche Spareffekte können schon mit relativ billigen zentralen Energiemanagement-Tools erzielt werden. Diese verhindern auch, dass Anwender Firmenrichtlinien umgehen, indem sie die Einstellungen ändern. Dazu Gartner Analystin Frederica Troni: "Management-Suiten für die PC-Konfiguration beinhalten oft schon eine Energieverwaltung. Dezidierte Energieverwaltungslösungen aus dritter Hand sind aber meistens effizienter und bieten erweiterte Möglichkeiten." Die Tools rechnen sich binnen kürzester Zeit durch die erzielten Einsparungen.
Schlanke PCs
Bei PC-Neuanschaffungen sollte natürlich energiesparende Hardware den Vorzug bekommen. Die höheren Anschaffungskosten amortisieren sich schnell aufgrund der niedrigeren Betriebskosten. "Ein sofortiger Austausch der kompletten Infrastruktur ist aber in der Regel wirtschaftlich nicht sinnvoll", betont Schwab. Wesentlich für den tatsächlichen Energieverbrauch eines PCs ist aber seine Ausstattung. Gartner rät zum "richtigen PC für den richtigen User". Soll heißen, nicht jeder Mitarbeiter braucht ein Performance-Monster unter seinem Schreibtisch. So kann zum Beispiel die Leistungsfähigkeit der Grafikkarte für normale Büroarbeitsplätze sehr gering gewählt werden. Das gleiche gilt für Prozessoren und Hauptspeicher. "Mehr als 2 GB ist meistens unnötig", so Schwab.
Eine weitere Option, die man laut Schwab zumindest prüfen sollte, sind Thin Clients. Die extrem stromsparenden Endgeräte erleben derzeit im Zusammenhang mit Virtual Desktop Infrastrukturen eine Renaissance. Neben Energie können damit auch 30 % der PC-Administrationskosten eingespart werden. Allerdings darf man nicht vergessen, die zusätzlichen Energiekosten auf der Serverseite mit einzukalkulieren, warnt Schwab. Eine Hemmschwelle für die Einführung sind gerade in Krisenzeiten die erheblichen Investitionskosten. Generell sieht Schwab im Office-Bereich ein Energiespar-Potenzial von 20 bis 50 %, aber weniger Chancen für eine unmittelbare Kostenreduktion. "Verbesserungen lassen sich wirtschaftlich oft erst am Ende des Hardware-Lebenszyklus realisieren. Im Rechenzentrum kann man mit einfachen Maßnahmen wesentlich schneller signifikante Erfolge erzielen."
Sauberes Kerngeschäft
Der IKT-Sektor ist für 2 % des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich. Diese viel zitierte Schätzung von Gartner legt unwillkürlich den Umkehrschluss nahe, dass 98 % wo anders produziert werden. Die IT kann durch ihr Innovationspotenzial eine Menge zur Ökologisierung der Gesamtwirtschaft beitragen. Eine McKinsey-Studie hat 2008 dieses Potenzial in Bezug auf die CO2-Bilanz quantifiziert. Demnach könnten konsequent eingesetzte, "smarte" IKT-Technologien in den Bereichen Motoren- und Automationstechnik, Logistik, Gebäudetechnik und effiziente Energienetze den weltweiten CO²-Ausstoß bis 2020 um 15 % senken. Analog kann auch innerhalb der Unternehmen die IT für ein grüneres Kerngeschäft sorgen und damit beim Energiesparen helfen.
Die Experton Group beziffert dieses Potenzial je nach Branche mit 2 bis 10 % der der gesamten Energiekosten der Firma. "Sinnvollerweise sollten sich also CIOs mit den einzelnen Fachabteilungen auseinander setzen und versuchen die Business-Prozesse dahingehend zu optimieren, dass durch den optimalen Einsatz von IT-Lösungen in den einzelnen Geschäftsprozessen möglichst wenig Energie verbraucht wird", fordert Schwab. Er empfiehlt gerade in Krisenzeiten einen ganzheitlichen Green IT-Ansatz, der Rechenzentrum, Office und Geschäftsprozesse gleichermaßen berücksichtigt.
Sie sollte daher bei Optimierungsprojekten zu allererst ins Visier genommen werden, rät Wolfgang Schwab von der Experton Group. Zu den einfachen Sofortmaßnahmen zählt er:
- richtiges Aufstellen der Racks im Sinne eines Warm- und Kaltgangkonzeptes,
- Abdichten von doppelten Böden an Kabeldurchlässen und zu den Racks.
In einem zweiten Schritt sollten Verbesserungen durchgeführt werden, die bei geringem Investitionsaufwand vergleichsweise hohe Betriebskosteneinsparungen bringen. Dazu zählen:
- das Befreien der Doppelböden von Daten- oder Stromleitungen, um einen gleichmäßigen Luftstrom und Druck im Doppelboden zu erreichen,
- Kaltgangeinhausungen vornehmen, um eine Vermischung von kalter und warmer Luft zu verhindern,
- die Warmluft an besonders kritischen Racks direkt abführen.
Erst als letzter Schritt sollen Verbesserungen geprüft werden, die deutliche Investitionen erfordern, in der Regel aber auch hohe Betriebskosteneinsparungen ermöglichen, wie:
- die Nutzung von freier Kühlung. Insbesondere in der kühlen Jahreszeit lässt sich dadurch ein Großteil der Energie für die Klimatechnik einsparen. Bei einer geplanten Rechenzentrumskonsolidierung sollten die durchschnittlichen Außentemperaturen bei Standortüberlegungen mit einbezogen werden,
- die Nutzung von direkter Gerätekühlung, wobei die Kälte direkt zu den Geräten geleitet und die erwärmte Luft wieder abgesaugt wird. Das empfiehlt sich besonders für Rechenzentren, die in ungünstigen Räumen mit Fenstern und direkter Sonneneinstrahlung untergebracht sind,
- Wasser statt Luft zur Kühlung nutzen. Wasser kann wesentlich höhere Energiemengen transportieren und lässt sich direkt zum Hitzeherd steuern. Es birgt aber auch grundlegende Risken (Wasserschaden),
- die Nutzung von kaltem Grundwasser und kalten Gewässern.
Optimierungsvorhaben mit hohem Investitionsbedarf sollte aber in jedem Fall eine Wirtschaftlichkeitsanalyse vorangehen, empfiehlt Schwab.




7/2011
6/2011
5/2011


Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 