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Interview

Gebrauchte Software

Die Wirtschaftskrise zwingt auch österreichische Unternehmen zu immer größeren Sparmaßnahmen. Insbesondere bei Software kann eine Menge gespart werden, wenn man alternative Beschaffungsmöglichkeiten prüft. Die deutsche Fachjournalistin Edith M. Horton sprach für MONITOR dazu mit Boris Vöge, Vorstandsvorsitzender der preo Software AG, Hamburg, die seit zehn Jahren auf die Zweitvermarktung von Softwarelizenzen spezialisiert ist.

Edith Horton

Boris Vöge, Vorstands- vorsitzender der preo Software AG: „Die Transparenz im Umgang mit den Lizenzen und deren Übertragung stellt einen wichtigen Punkt dar, weil der Käufer die mit der Lizenz verbundenen Nutzungs- rechte kennen muss“.

Der Vertrieb und die Nutzung von gebrauchter Software steht seit geraumer Zeit im Blickpunkt des IT-Marktes. Was verbirgt sich dahinter?

Software wird als gebraucht bezeichnet, wenn diese bereits von einem Unternehmen erworben wurde. Diese Software gelangt dann wieder in den Markt, wenn der Ersterwerber die Lizenz nicht mehr benötigt und rekapitalisiert. Meistens ist das der Fall, wenn auf ein anderes Release umgestellt, bzw. auf ein anderes Herstellerprodukt migriert wird oder, wenn durch den Abbau von Arbeitsplätzen Lizenzen frei werden.

Wie entwickelt sich der Markt für gebrauchte Software in Österreich?

Der Markt in Österreich ist gekennzeichnet durch ein rasantes Wachstum und durch eine sprunghaft steigende Nachfrage. Für 2009 gehen wir von einem Wachstum von bis zu 300 Prozent aus. Bezogen auf die Marktdurchdringung liegt Österreich mit drei bis fünf Prozent des Potenzials jedoch noch etwas zurück. In Deutschland wird die Erschließung des Marktpotentials 2009 sicherlich bei acht bis zehn Prozent liegen.

Viele österreichische Unternehmen entwickeln für ihre osteuropäischen Tochterunternehmen ganzheitliche Strategien für den Erwerb von Software. Für Gebrauchtsoftwarehändler ist daher der Markt in Österreich von zentraler Bedeutung und einer der wichtigsten in Europa.

Für welche Anwenderunternehmen sind gebrauchte Lizenzen bzw. der Verkauf von nicht benötigten Lizenzen besonders interessant?

Unternehmen jeder Größenklasse können davon profitieren. Sowohl Einzellizenzen bei kleineren als auch Volumenlizenzen bei größeren und international agierenden Unternehmen sind in der Beschaffung, aber auch im Verkauf für Unternehmen interessant. Vor allem werden gebrauchte Lizenzen von Unternehmen aus der Industrie, dem Handel und dem Finanzsektor nachgefragt. Preo ist unter anderem Projektpartner des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes für gebrauchte Software.

Wo liegen die konkreten Vorteile für ein Anwenderunternehmen, das gebrauchte Lizenzen erwirbt?

Die Vorteile liegen zunächst eindeutig in der Kosteneinsparung, die bis zu 50 Prozent des Neupreises betragen kann. Außerdem können Unternehmen kostengünstig auf einem Release standardisieren und später aus strategischen Gründen auf eine neuere Version wechseln. Der Käufer gebrauchter Software erwirbt die Nutzungsrechte an der Software mit den gleichen Rechten und Pflichten, wie der Erstlizenznehmer. Er kann also beispielsweise bei Volumenlizenzen verschiedene Sprachen nutzen, die Software über eine Softwareverteilung verteilen und über Terminalserverdienste einsetzen.

Welche Software und welche Lizenztypen werden in Österreich vom Markt besonders nachgefragt oder am stärksten gehandelt?

Einen großen Anteil haben Produkte von Microsoft. Aber auch Lizenzen von SAP, Citrix und Adobe werden stark nachgefragt. An gebrauchten SAP-Lizenzen besteht besonders großes Interesse, da hierbei die üblichen Länderaufschläge (Anmerkung d. Redaktion: Betrag der anfällt, wenn der Einsatzort der Lizenzen während der Laufzeit länderübergreifend geändert wird) entfallen, und der Anwender neben weiteren finanziellen Vorteilen zusätzliche Flexibilität gewinnt.

Wo liegen die Herausforderungen beim Management von Lizenzen – und wie kann das Modell gebrauchte Software das Lizenzmanagement unterstützen?

Neben dem Lizenz-Know-how ist die Fähigkeit Prozesse zu definieren, besonders wichtig. In den Abteilungen eines Unternehmens wird Software häufig noch als Arbeitsmittel konsumiert. Dem Lizenzmanagement obliegt die schwierige Aufgabe, die Werthaltigkeit von Software und einen entsprechend sorgsamen Umgang mit den Lizenzen zu kommunizieren und durchzusetzen.

Die Erkenntnis, dass Software einen Wert darstellt, führt in der Folge fast zwangsläufig zum Software Remarketing. Diese wertschöpfende Komponente des Lizenzmanagement-Prozesses beinhaltet die Rekapitalisierung der Software nach deren Nutzungsende und zugleich die alternative Beschaffung von Software aus der Zweitvermarktung zur Standardisierung auf ein Release.

Welche Aspekte sollten Anwender hinsichtlich einer modernen Lizenzierungs-Strategie berücksichtigen?

Da Software nicht verschleißt, kann sie nach ihrem Nutzungsende rekapitalisiert werden. IT-Projekte lassen sich durch verkaufte Lizenzen refinanzieren, sodass Projekte schneller umgesetzt und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens verbessert werden können. Um den maximalen Ertrag für ungenutzte Software zu erzielen, sollten Lizenzen, und gerade mit Wartung verbundene Lizenzen, möglichst bald nach dem Nutzungsende verwertet werden. Eine Nachzahlung von Wartung, um die Software auf den aktuellen Stand zu bringen, geht sonst immer stärker zu Lasten des Erlöses.

Worauf sollten Anwender, die gebrauchte Lizenzen kaufen wollen, besonders achten?

Die Transparenz im Umgang mit den Lizenzen und deren Übertragung stellt einen wichtigen Punkt dar, weil der Käufer die mit der Lizenz verbundenen Nutzungsrechte kennen muss. Nur dann kann er sich richtig lizenzieren. Der Käufer muss die Lizenzherkunft über die Rechtekette nachweisen können. Der Anwender sollte also einen Händler wählen, der ihm alle mit den Lizenzen verbundenen Informationen zur Verfügung stellt. Nur dann kann der Käufer seine erworbenen Gebraucht-Lizenzen bedenkenlos einsetzten und auch wieder frei weiterverkaufen.

www.preo-ag.com 

Gebrauchte Software: Chance in der Krise

IT-Budgets in Österreich leiden erheblich unter der Wirtschaftskrise. Kleveres Lizenzmangement und neue Beschaffungsquellen können IT-Abteilungen jedoch deutlich entlasten. In 2008 gaben die österreichischen IT-Anwender laut Marktforscher Techconsult 947,6 Millionen Euro für Softwarelizenzen aus. Während Ende 2008 die Analysten noch von einem leichten Wachstum von 1,3 Prozent für 2009 ausgingen, erfolgen nun Prognosen nach unten. Auch für die folgenden Jahre sehen die Analysten bestenfalls eine Stagnation. Wo es also bis vor kurzem noch um Konzepte und Visionen ging, sind jetzt knallharte Analysen und Wirtschaftlichkeitsrechnungen gefordert. Den ganzen Text über den Nutzen gebrauchter Software lesen Sie im MONITOR 7-8/2009.

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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