Irgendwie hat man es ja schon manchmal vermutet, bei dieser Dominanz der Intel-Computer in den Märkten von Saturn und MediaMarkt. Und jetzt hat man es schwarz auf weiß in einer 500-seitigen Analyse der Europäischen Kartellbehörde, dass Intel hier ein bisschen nachgeholfen hat. Der US-Prozessorhersteller hat, man höre und staune, über eine ausgeklügelte Rabattpolitik dafür gesorgt, dass Saturn und MediaMarkt lieber Intel-Geräte in die Regale stellten statt Fabrikate mit den Chips des Konkurrenten AMD. Damit blieben nach Ansicht von EU-Kommissarin Neelie Kroes der Wettbewerb auf der Strecke und die Preise für die Verbraucher hoch.
Des Weiteren soll Intel auch Computerhersteller mit sanftem Druck dazu bewogen haben, doch lieber Intel-Prozessoren zu verarbeiten und AMD-Geräte entweder später oder gar nicht auf den Markt zu bringen - und da waren große Namen dabei.
Marketingleute von Intel pflegten auf ihren Österreich-Besuchen Fragen der Presse nach dem Konkurrenzverhältnis zu AMD immer mit einer wegwerfenden Handbewegung ab zu tun, als sei AMD eine lästige Fliege. Damit hat man es sich allerdings wohl etwas zu einfach gemacht. Denn technisch können AMD-Prozessoren sehr wohl mithalten, und spürbar billiger waren sie auch immer.
Intel will jetzt zwar Berufung anmelden, aber so ein Verfahren dauert. Die EU brauchte schon ganze acht Jahre, um der vermuteten Wettbewerbsverzerrung auf den Grund zu gehen. Und ein Berufungsverfahren dauert weitere zwei bis drei Jahre. Doch eines ist sicher: Der Ruf Intels ist vorerst einmal lädiert.
Der sanfte Druck des Monopols ist ja gerade für gelernte Österreicher nichts Neues. So erzählt man sich, dass der Telekom-Marktführer in der für ihn schmerzhaften Phase der Marktliberalisierung doch die eine oder andere wettbewerbsfeindliche Maßnahme ergriffen haben soll, wenn es darum ging, die Konkurrenz in sein Netz zu lassen. Doch diese Zeiten sind hoffentlich endgültig vorbei.
Was Intel betrifft: Der Chip-Gigant ist mächtig, und man kann jetzt darüber spekulieren, warum es erst die EU brauchte, um Machenschaften, die in den USA möglicherweise ebenfalls Brauch sind, aufzudecken. Sollte das Kartellgesetz in den USA vielleicht zu konzernfreundlich sein?



1/2012
8/2011
7/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 