Die Studie weist ebenfalls aus, dass das Vertrauen in die Politik nicht sehr groß ist. Die Befragten sind davon überzeugt, dass die Umstrukturierungen im Risikomanagement der Unternehmen weitreichend sein werden. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer gab an, dass sie ihr Risikomanagement bereits grundlegend auf den Prüfstand gestellt hätten oder dies beabsichtigten. Dabei zielten sie auf eine Verbesserung der Datenqualität und -verfügbarkeit, eine Stärkung der Risk-Governance, eine Verschiebung hin zu einem unternehmensweiten Ansatz im Risikomanagement sowie auf die engere geschäfts- und prozessübergreifende Integration der Risiken.

Der BI-Markt wird auch heuer etwa 4 - 6 % wachsen, eine weitere Konsolidierung im Bereich der Plattformen ist aber abzusehen: Gartner-Analyst Andreas Bitterer
"Die Umfrage bestätigt überzeugend: Finanzdienstleister sind gefordert, mit einer umfassenden Neustrukturierung ihres Risiko- und Performance-Managements mehr Transparenz zu schaffen, um so bessere Entscheidungen treffen zu können", erklärt dazu Robert Stindl, Manager Business Solutions bei SAS Austria. "Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Aufbau einer Infrastruktur für das Risikomanagement, die einen ganzheitlichen Blick auf die Risiken innerhalb der Organisation ermöglicht. Dabei kommt es darauf an, die Risikosteuerung sowohl ins Tagesgeschäft als auch in die Entwicklung der übergeordneten Geschäftsstrategien einzubinden."
Anwender eBay
Der Österreicher Oliver Ratzesberger ist vor zehn Jahren mit seiner Frau nach Kalifornien ausgewandert und seit fünf Jahren bei eBay für die IT verantwortlich. "Bereits 2002 hat eBay seine Oracle Datenbank abgelöst und mit Teradata ein Warehouse aufgebaut. Heute ist dies meines Wissens die weltweit größte Installation von Teradata", erläutert Ratzesberger im MONITOR-Gespräch. Jährlich verdoppeln sich hier die Datenmengen, etwa 5.000 Nutzer und 700 Analysten greifen auf das System zu.
Im Laufe der Jahre habe der Bedarf nach dezentralen Analysen in den verschiedenen Abteilungen von eBay dazu geführt, dass unzählige kleine "Datamarts" entstanden seien. "Wir haben die Kosten so eines Datamarts berechnet und sind auf die erstaunliche Summe von 500.000 Dollar jährlich gekommen", beschreibt der Österreicher seine einschneidende Erkenntnis. Um diese immer weiter wachsenden Kosten in den Griff zu bekommen, habe man begonnen, etwa das riesige Marketing-Datamart wieder in das Hauptsystem zurückzuführen. "Wir konnten so über die mit solchen Datenanalysen verbunden Kosten sehr viel lernen, aber auch über den wachsenden Bedarf der Abteilungen, möglichst rasch relevante Auswertungen zu bekommen." Das Laden großer Datenmengen bzw. die Duplikation der Daten ist sehr aufwändig und führt letztlich auch zum Auseinanderdriften der Datenbestände. "Wir konnten letztlich klar feststellen, dass solche dezentralen Datamarts viel zu teuer sind und gleichzeitig noch schlecht funktionieren. Also suchten wir nach besseren Möglichkeiten", erläutert Ratzesberger.
Da kam schließlich die Idee auf, "analytics as a service" anzubieten und Datamarts in einer virtualisierten Umgebung aufzubauen. "So können die Fachbereiche über jeweils 90 Tage mit Verlängerungsoption an der Optimierung ihrer Fragestellung arbeiten, bevor eine endgültige Version in Auftrag gegeben wird", resümiert der Analyse-Spezialist. Teradata biete in der Virtualisierungsumgebung eine sehr gute Abkapselungsmöglichkeit, so dass der laufende Betrieb auf der Produktions-Datenbank auf keinen Fall beeinträchtigt werde. "Wir schulen die Anwender in den Abteilungen einen Tag lang ein und stellen ihnen bei Bedarf Spezialisten zur Verfügung."
Auf diese Weise wurden bereits über 100 Datamarts eingerichtet, die nicht mehr dezentral, sondern direkt in der virtualisierten Produktionsumgebung laufen. "Innerhalb einer Woche kommen damit gute neue Auswertungen im Test durch die Abteilungen zustande, schlechte Ideen werden bald verworfen. Dadurch sparen wir in der endgültigen Programmierung neuer Auswertungen sehr viel Zeit und unnötige Korrekturläufe", freut sich Ratzesberger über die erfolgreiche Idee.
In machen Abteilungen, die besonders häufig neue Auswertungen benötigen, wurden bereits permanente Testumgebungen ("sandboxes") eingerichtet. Ein weiterer Vorteil sei auch, dass die Abteilungen nun im Umgang mit den Daten immer erfahrener werden und selbst besser vorhersagen können, welche Auswertungen möglich und sinnvoll sind. "Statt monatelanger Entwicklungsarbeit entstehen nun echte neue Auswertungen innerhalb weniger Wochen. Das macht uns wesentlich flexibler und erlaubt eine schnellere Reaktion auf neue Trends unserer Kunden", unterstreicht der Österreicher den Nutzen moderner IT.
Wichtig sei dabei aber, die Daten möglichst mit allen Details sehr genau abzuspeichern. "Nur was wir in den Daten erfassen, können wir nachher auch auswerten." Bei der Unmenge an Daten sei darüber hinaus das Workload-Management entscheidend für gute Durchlaufzeiten. Die Abteilungen erhalten jedenfalls zentral zugeteilte Rechenleistung und Service-Levels, für die sie jeweils auch zahlen müssen. "Wie im Großrechnerbereich schon seit langem üblich, sehen die Abteilungen sehr klar, was sie die Auswertungen kosten. Glücklicherweise ist die Möglichkeit der exakten Zuweisung der gewünschten Kapazität in der Teradata-Lösung bereits integriert."



1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 