Kurzfristiger ROI gefragt

„Die Krise selbst hat unsere Strategie nicht beeinflusst.“ - Elmar Grasser, Orange
"Wir sind ein Portalanbieter, wir binden Lieferanten an ein Unternehmen an. Da gibt es noch viele Prozesskosten, die stark optimiert werden können. Der ROI (Return of Investment) durch uns als Dienstleister muss immer kürzer werden. Manche Unternehmen sagen, sie machen ein Projekt nur mit einem ROI unter zehn Monaten", beurteilte Georg Rösch, Entwicklungschef bei Selected Services, die derzeitige Situation durchaus als Herausforderung. Das vor zehn Jahren gegründete Unternehmen ist auf Beratungs- und Entwicklungsleistungen im E-Business- und SAP-Umfeld spezialisiert. Das Portal-Lösungsportfolio Pool4Tool (SaaS-/On-Demand-Lösung), das auch in ein SAP-System integriert werden kann, ist heute bei über 30.000 Unternehmen, u.a. Carl Zeiss, Gardena, Hansgrohe, Heidelberger Druckmaschinen, Kärcher, ThyssenKrupp oder VISA im Einsatz. "Gerade im Automobilbereich sind auch die IT-Abteilungen durch die Krise jetzt schwer getroffen, da gibt es Kurzarbeit, 4-Tage-Woche und Reiseverbote", führte Rösch die Dramatik in dieser Branche vor Augen.
"Wir haben auch beobachtet, dass sich Projekte kurzfristiger rentieren müssen", pflichtete Georg Chytil, Geschäftsführer des Systemintegrators und IT-Dienstleisters Nextlayer, Rösch bei. "Die Unternehmen gehen auch gerne dazu über, statt zu investieren bestimmte Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen", ortete Chytil, zuvor langjähriger CIO bei Eunet und KPNQwest, einen Trend zu Outsourcing. Vorteil für die Unternehmen: Mehr Bewegungsspielraum und keine langfristige Bindung. "Ganz stark sehen wir das bei Vernetzungen und Rechenräumen, ich kenne niemanden, der sich selbst einen Rechenraum baut", so Chytil, der optimistisch in die Zukunft blickt: "Wir sehen uns im Moment eigentlich als Krisengewinner und rechnen heuer wieder mit einem soliden Wachstum".

„Unsere Schwerpunkte sind Prozessunterstützung und Prozessoptimierung.“ - Jochen Rosen, mobilkom
"Wir merken im Moment zwar einen gewissen Preisdruck von Seiten der Kunden, aber das ist ein normales Phänomen", konnte Robert Walcher, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Itsdone und ehemals CIO bei Tele2, ebenfalls keinen negativen Einfluss durch die Wirtschaftskrise feststellen. "Wir sehen aber, dass sich die Implementierungsprojekte in die Länge ziehen. Viele infrastrukturnahe Bereiche verlagern sich in Richtung Open Source-Systeme", stellte der Telekom-Profi fest, der dort für sein Unternehmen die besten Marktchance ortet. "Es geht in Richtung Konsolidierung im Infrastrukturbereich, die großen Unternehmen denken in Richtung OPEX-Reduzierung (d. h. Reduktion der IT-Betriebskosten)", nannte Walcher einen Trend.
Druck zur Prozessoptimierung

„Es geht in Richtung Konsolidierung im Infrastrukturbereich.“ Robert Walcher, Itsdone
"Wir spüren die Krise positiv und negativ", zeigte Andreas Singer, CIO des Flughafen Wien, ein ambivalentes Verhältnis zur aktuellen wirtschaftlichen Lage. Singer und sein Team fungieren einerseits als IT-Bereich des Flughafens, aber genauso auch als Outsourcing-Partner. Negativ sei die insgesamt angespannte Lage des Unternehmens, etwa der Passagierschwund. Positiv sei, dass die IT als guter Faktor gesehen wird, um Prozesse zu verbessern. "Das wäre sonst nie passiert", betonte Singer nachdrücklich.
Zwei große Themen beschäftigen den Wirtschaftsinformatiker, dessen Bereich von rund 100 Mitarbeitern heuer noch ausgebaut wird. "Einerseits Innovationsprojekte. Gerade beim neuen Terminal "Skylink" braucht es sehr viele neue Entwicklungen, die jetzt erstmalig gemacht werden." So wird es etwa neue Boarding-Systeme geben. In Entwicklung sind auch neuartige Programme zur Steuerung von Passagierflüssen. "Zweites großes Thema ist die Harmonisierung, d.h. weg mit der Schatten-EDV, wo jeder Bereich in puncto IT macht, was er will. Weg von alter Technologie, weg vom Host und hin zu neuer Technologie. 2012 geht der letzte Host-Programmierer bei uns in Pension, bis dahin sollte der Host abgelöst sein", nannte Singer seine absolute deadline.