"Wir haben Projekte mit den Kunden im August, September und Oktober besprochen, da war alles klar, und dann kam die Information, wir müssen verschieben, zumindest auf nächstes Jahr", schildert Bernd Bugelnig, Head of Development beim IT-Beratungsunternehmen Capgemini eigene Erfahrungen im Sog der Wirtschaftskrise.
Neben dem Verschieben von Projekten sind auch Nachverhandeln von Lizenzen/Wartungskosten oder die Reduktion von Personal beliebte Maßnahmen, um die Finanzkrise auf IT-Seite zu bewältigen. So ein Teilergebnis der Studie "IT-Trends 2009" von Capgemini im Spätherbst 2008 im deutschsprachigen Raum durchgeführt. 130 Großunternehmen, davon 21 in Österreich, wurden zu Trends und Strategien 2009 befragt, eines der Top-Themen war zweifellos die allgemeine Finanz- und Wirtschaftskrise.

„Wir müssen Partner und Berater für die Fachabteilungen sein, entscheidend ist eine gute Kommunikation.“ Christian Ott, Banner GmbH
"Rund die Hälfte der CIOs behaupten, auf der IT-Budgetseite durch die Finanzkrise gar nicht beeinflusst zu sein, aber 40 % geben sehr wohl an, beeinflusst zu sein, und zwar negativ", präsentierte Bugelnig ein doch niederschmetterndes Ergebnis. Damit ist ein Megatrend des Jahres 2009 festgelegt: Sparen ist angesagt. "Wir sehen erstmals seit Jahren die Tendenz, dass die IT-Budgets sehr stark sinken, vor allem im Vergleich zu den Vorjahren", betonte Bugelnig, der eine Entspannung der Situation erst für 2011 erwartet.
"Top Themen des Jahres 2009 bei den CIOs sind ERP, SAP und die Harmonisierung der Kernlandschaft sowie IT-Infrastruktur und IT-Service-Management", berichtete Bugelnig. Der bisherige Spitzenreiter Security wurde damit nach jahrelanger Führung auf Platz drei verwiesen. Blickpunkt bei allen IT-Investitionen: Künftige Kosteneinsparung und mehr Effizienz. Aus dieser Perspektive heraus "orten wir sogar Budget-Zuwächse im Bereich CRM und Portale, auch gepaart mit Business Intelligence (BI). Dahinter steckt die klare Strategie, näher an den Kunden heranzukommen", erklärte Bugelnig. Auch im Bereich Outsourcing sind Zuwächse zu erwarten. Paradoxerweise steht trotz der Krise zum ersten Mal seit Jahren wieder mehr Geld für Innovationen zur Verfügung. Die Quote für Investitionen in neue Technologien stieg um vier %punkte auf knapp 25 %. Viele denken schon an die Zeit nach der Rezession und wollen ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern", interpretierte Bugelnig das Ergebnis.
Positive Sicht der Krise

„Ein großes Thema 2009 ist die Datacenter-Erneuerung.“ - Kurt Teichenthaler, „3“
"Bei uns entwickelt sich das Geschäft sehr positiv, ich habe kein Problem mit IT-Budgets, und die Firmen denken wieder mehr an Outsourcing", freute sich Christoph Stütz, CIO von T-Systems, IT- und TK-Dienstleister für große Kunden, von der Finanzkrise nicht berührt zu sein. "Im IT-Bereich ist jetzt eine interessante Zeit, weil sich viele Möglichkeiten bieten, etwas zu tun, und plötzlich auch die Bereitschaft da ist, etwas zu tun", nannte Ralf Peters, CIO von Agrana, einen positiven Effekt der Krise. "Die Agrana ist aus verschiedenen Unternehmen jetzt neu zusammengewachsen, das heißt wir stecken in einer Phase der Integration. Meine Hitliste deckt sich stark mit der Studie. Harmonisierung bzw. der SAP-Rollout ist momentan das Highlight", schilderte Peters die hausinternen Anforderungen. "Die Krise hilft uns da, dass wir über Prozesse noch intensiver nachdenken", betonte Peters weiter.

„Projekte müssen sich kurzfristiger rentieren.“ - Georg Chytil, Nextlayer
"Wir sind zum Glück nicht so stark von der Krise betroffen. Der sehr strenge Winter, sprich der kalte Jänner, hat uns da sehr geholfen, denn eine längere Kälteperiode ist für einen Batteriehersteller etwas ganz Schönes", bewies Christian Ott, CIO von Banner, Humor. Das Budget sei genau gleich geblieben, trotzdem würde eine vorsichtige Linie gefahren. "Projekte, die rasch einen ROI bringen, werden durchgezogen und umgesetzt, auch strategische Projekte: Wir rollen gerade IP-Telefonie über den gesamten Konzern aus, auch die ERP-Harmonisierung ist im Laufen", berichtete der Oberösterreicher. Banner umfasst derzeit 30 Standorte weltweit, die Zentrale befindet sich in Linz.
Auch bei der mobilkom ist das IT-Budget gleich geblieben, "wir setzen ganz stark auf Innovation, unsere Schwerpunkte sind Prozessunterstützung und Prozessoptimierung", betonte Jochen Rosen, IT-Leiter der mobilkom. Beim österreichischen Mobilfunk-Marktleader läuft gerade ein großes Projekt im Bereich Harmonisierung/ERP, weitere Schwerpunkte sind CRM sowie der Portalbereich.
Mobilfunker höchst aktiv

„Die Firmen denken wieder mehr an Outsourcing.“ - Christoph Stütz, T-Systems
"Die Krise selbst hat unsere Strategie nicht beeinflusst, denn die Herausforderungen bestanden bereits vor der Krise. Nach Österreich zurück zu kehren ist wie ein Höhentrainingslager", verwies Elmar Grasser, CTO von Orange und zuvor im Gefolge von Orange CIO Michael Krammer in Deutschland bei E-Plus tätig, auf den schwierigen heimischen Mobilfunkmarkt. Österreich hat im Vergleich zum Ausland sehr niedrige Terminierungsentgelte, auch die Topologie sei problematisch. Als Konsequenz "muss man als österreichischer Mobilfunkanbieter sehr effizient sein. Kosteneinsparungen sind eine notwendige Bedingung. Heuer haben wir rund 20 % im Netz- und IT-Bereich einsparen können", stellte Grasser fest. Dafür habe man sehr viel in die Erneuerung von Systemen investiert. "Im Zuge des Rebrandings (von One zu Orange, Anm.d.Red.) haben wir über 600 Applikationen anfassen müssen", so Grasser, dabei wurde auch die Chance genutzt, veraltete Systeme auszutauschen. "Schwerpunkt heuer ist die Verbesserung der CRM-Systeme, vor allem in puncto Usability und neuer Funktionalität, sowohl intern für die Mitarbeiter als auch extern im Webshop für den Endkunden", stellte Grasser klar. Die CRM-Systeme bei Orange sind übrigens eine Eigenentwicklung. "Das ist sicher kein Bereich, wo Outsourcing in Frage kommt", stellte Grasser klar.
"Wir haben 2008 das beste Geschäftsjahr unseres Bestehens erlebt, mit einem Kundenzuwachs von 24 %", hatte auch Kurt Teichenthaler, CIO von "3", wenig Grund, über die Krise zu klagen. Er schloss sich jedoch in seiner Beurteilung der Lage an Grasser an: "Die Telco-Branche in Österreich ist sehr herausfordernd, extrem kompetitiv. Daher begleitet uns das Effizienzthema ständig. Das bedeutet, dass wir auf der Innovationsseite sehr viel investieren", so Teichenthaler und weiter: "Ein großes Thema 2009 ist die Datacenter-Erneuerung, bis 2012 wird die komplette IT-Infrastruktur ausgewechselt. Außerdem wachsen Core Network und IT immer mehr zusammen, bis Ende 2009 wollen wir diese Konvergenz auch durchführen, das heißt wir nützen etwa gleiche Plattformen", gab Teichenthaler Einblick in ein sehr arbeitsreiches IT-Jahr.