MONITOR-Diskussion
CIO-Runde: IT soll für Kosteneinsparung und Effizienz sorgen
Christine Wahlmüller
"Wir haben Projekte mit den Kunden im August, September und Oktober besprochen, da war alles klar, und dann kam die Information, wir müssen verschieben, zumindest auf nächstes Jahr", schildert Bernd Bugelnig, Head of Development beim IT-Beratungsunternehmen Capgemini eigene Erfahrungen im Sog der Wirtschaftskrise.
Neben dem Verschieben von Projekten sind auch Nachverhandeln von Lizenzen/Wartungskosten oder die Reduktion von Personal beliebte Maßnahmen, um die Finanzkrise auf IT-Seite zu bewältigen. So ein Teilergebnis der Studie "IT-Trends 2009" von Capgemini im Spätherbst 2008 im deutschsprachigen Raum durchgeführt. 130 Großunternehmen, davon 21 in Österreich, wurden zu Trends und Strategien 2009 befragt, eines der Top-Themen war zweifellos die allgemeine Finanz- und Wirtschaftskrise.

„Wir müssen Partner und Berater für die Fachabteilungen sein, entscheidend ist eine gute Kommunikation.“ Christian Ott, Banner GmbH
"Top Themen des Jahres 2009 bei den CIOs sind ERP, SAP und die Harmonisierung der Kernlandschaft sowie IT-Infrastruktur und IT-Service-Management", berichtete Bugelnig. Der bisherige Spitzenreiter Security wurde damit nach jahrelanger Führung auf Platz drei verwiesen. Blickpunkt bei allen IT-Investitionen: Künftige Kosteneinsparung und mehr Effizienz. Aus dieser Perspektive heraus "orten wir sogar Budget-Zuwächse im Bereich CRM und Portale, auch gepaart mit Business Intelligence (BI). Dahinter steckt die klare Strategie, näher an den Kunden heranzukommen", erklärte Bugelnig. Auch im Bereich Outsourcing sind Zuwächse zu erwarten. Paradoxerweise steht trotz der Krise zum ersten Mal seit Jahren wieder mehr Geld für Innovationen zur Verfügung. Die Quote für Investitionen in neue Technologien stieg um vier %punkte auf knapp 25 %. Viele denken schon an die Zeit nach der Rezession und wollen ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern", interpretierte Bugelnig das Ergebnis.
Positive Sicht der Krise

„Ein großes Thema 2009 ist die Datacenter-Erneuerung.“ - Kurt Teichenthaler, „3“

„Projekte müssen sich kurzfristiger rentieren.“ - Georg Chytil, Nextlayer
Auch bei der mobilkom ist das IT-Budget gleich geblieben, "wir setzen ganz stark auf Innovation, unsere Schwerpunkte sind Prozessunterstützung und Prozessoptimierung", betonte Jochen Rosen, IT-Leiter der mobilkom. Beim österreichischen Mobilfunk-Marktleader läuft gerade ein großes Projekt im Bereich Harmonisierung/ERP, weitere Schwerpunkte sind CRM sowie der Portalbereich.
Mobilfunker höchst aktiv

„Die Firmen denken wieder mehr an Outsourcing.“ - Christoph Stütz, T-Systems
"Wir haben 2008 das beste Geschäftsjahr unseres Bestehens erlebt, mit einem Kundenzuwachs von 24 %", hatte auch Kurt Teichenthaler, CIO von "3", wenig Grund, über die Krise zu klagen. Er schloss sich jedoch in seiner Beurteilung der Lage an Grasser an: "Die Telco-Branche in Österreich ist sehr herausfordernd, extrem kompetitiv. Daher begleitet uns das Effizienzthema ständig. Das bedeutet, dass wir auf der Innovationsseite sehr viel investieren", so Teichenthaler und weiter: "Ein großes Thema 2009 ist die Datacenter-Erneuerung, bis 2012 wird die komplette IT-Infrastruktur ausgewechselt. Außerdem wachsen Core Network und IT immer mehr zusammen, bis Ende 2009 wollen wir diese Konvergenz auch durchführen, das heißt wir nützen etwa gleiche Plattformen", gab Teichenthaler Einblick in ein sehr arbeitsreiches IT-Jahr.
Kurzfristiger ROI gefragt

„Die Krise selbst hat unsere Strategie nicht beeinflusst.“ - Elmar Grasser, Orange
"Wir haben auch beobachtet, dass sich Projekte kurzfristiger rentieren müssen", pflichtete Georg Chytil, Geschäftsführer des Systemintegrators und IT-Dienstleisters Nextlayer, Rösch bei. "Die Unternehmen gehen auch gerne dazu über, statt zu investieren bestimmte Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen", ortete Chytil, zuvor langjähriger CIO bei Eunet und KPNQwest, einen Trend zu Outsourcing. Vorteil für die Unternehmen: Mehr Bewegungsspielraum und keine langfristige Bindung. "Ganz stark sehen wir das bei Vernetzungen und Rechenräumen, ich kenne niemanden, der sich selbst einen Rechenraum baut", so Chytil, der optimistisch in die Zukunft blickt: "Wir sehen uns im Moment eigentlich als Krisengewinner und rechnen heuer wieder mit einem soliden Wachstum".

„Unsere Schwerpunkte sind Prozessunterstützung und Prozessoptimierung.“ - Jochen Rosen, mobilkom
Druck zur Prozessoptimierung

„Es geht in Richtung Konsolidierung im Infrastrukturbereich.“ Robert Walcher, Itsdone
Zwei große Themen beschäftigen den Wirtschaftsinformatiker, dessen Bereich von rund 100 Mitarbeitern heuer noch ausgebaut wird. "Einerseits Innovationsprojekte. Gerade beim neuen Terminal "Skylink" braucht es sehr viele neue Entwicklungen, die jetzt erstmalig gemacht werden." So wird es etwa neue Boarding-Systeme geben. In Entwicklung sind auch neuartige Programme zur Steuerung von Passagierflüssen. "Zweites großes Thema ist die Harmonisierung, d.h. weg mit der Schatten-EDV, wo jeder Bereich in puncto IT macht, was er will. Weg von alter Technologie, weg vom Host und hin zu neuer Technologie. 2012 geht der letzte Host-Programmierer bei uns in Pension, bis dahin sollte der Host abgelöst sein", nannte Singer seine absolute deadline.
Veränderte Rolle der IT

„2012 geht der letzte Host-Programmierer bei uns in Pension.“ - Andreas Singer, Flughafen Wien AG
"Das Thema Priorisierung ist in diesem Zusammenhang ganz wichtig, natürlich unter dem Aspekt: Was ist für den Kunden relevant", fügte Orange CTO Grasser hinzu. Bei Orange gibt es ein bereichsübergreifendes Forum, wo über die Priorisierung der Projekte entschieden wird. "Wir haben bei Tele2 eingeführt, dass die IT zwischen den Fachabteilungen moderiert. Wichtig war aber, dass sich die Bereichsleiter der Fachabteilungen einigen mussten", erzählte Robert Walcher, ehemals CIO bei Tele2.
"Wir müssen Partner und Berater für die Fachabteilungen sein, entscheidend ist eine gute Kommunikation", vertrat Christian Ott von Banner eine ähnliche Meinung. "Wir machen mit der Geschäftsführung und den Fachabteilungen einmal pro Jahr ein großes Strategiegespräch, bevor ich dann die IT-Strategie überarbeite", berichtete Ott.

„Rund die Hälfte der CIOs behaupten, auf der IT-Budgetseite durch die Finanzkrise gar nicht beeinflusst zu sein.“ - Bernd Bugelnig, Capgemini
"Ich sehe mich auch als Regulator und fordere generell zu jeder Maßnahme eine dezidierte Messmethode ein", sprach Christoph Stütz auch das Thema Evaluation und Kontrolle an.
Mitarbeiter und Ausbildung
Viel Platz nahm das Thema IT-Mitarbeiter in der Diskussion ein. "Ich habe zehn % des IT-Personals im vergangenen Jahr ausgewechselt und dafür Wirtschaftsinformatiker eingestellt", berichtete Andreas Singer vom Flughafen Wien und fügte hinzu: "Mir fehlen noch immer massiv Leute, die den Kunden verstehen. Wir haben zwar genug fachlich qualifiziertes Personal, aber die Herausforderung ist die emotionale Intelligenz, denn wir verändern Prozesse mit der IT."
Eine Meinung, der sich auch Elmar Grasser von Orange anschloss: "Unternehmerisch denkende Fachkräfte zu finden, ist schwer. Wir brauchen aber Leute, die bei der Entwicklung den großen Kontext sehen und verstehen, was die Demand-Abteilung will". Das sei wahrscheinlich auch ein Ausbildungsproblem, äußerte Georg Chytil von Nextlayer kritisch: "HTLer, die wir aufgenommen haben, sind zum Teil leider nicht imstande, ein Kundenproblem zu verstehen". Man müsse daher leider selbst die Absolventen in diese Richtung in der Praxis ausbilden. "Gute Projektleiter und Business Analysten zu finden, ist im Moment schwierig", betonte Jochen Rosen von der mobilkom.
Innovationen und Mobilität

„Die Krise hilft uns, dass wir über Prozesse noch intensiver nachdenken.“ - Ralf Peters, Agrana
"Es geht sicher immer mehr in Richtung Mobilisierung von Geschäftsprozessen beim Kunden", unterstrich mobilkom CIO Rosen, der folgende Schwerpunkte nannte: CRM Mobilisierung und Vertriebssteuerung sowie mobile Zeiterfassung z.B. auf Baustellen, aber auch individuelle Lösungen: Dafür stehen A1 Solution Partner lokal in allen Bundesländern zur Verfügung. "Wir sehen auch einen massiven Zuwachs bei mobilem Internet, da stehen wir ja europaweit gemeinsam mit Schweden an der Spitze", freute sich Kurt Teichenthaler von "3". Multimedia-Lösungen seien jetzt schon ein "Renner". "Insgesamt sind konvergente Services gefragt", fasste Teichenthaler zusammen.

„Manche Unternehmen sagen, sie machen ein Projekt nur mit einem ROI unter zehn Monaten.“ - Georg Rösch, Selected Services
Das Jahr 2009 erfolgreich abzuschließen, dazu muss die IT ihre Doppelrolle, "technische Herausforderungen erfolgreich abzuschließen und dem Business gegenüber alles fristgerecht zu liefern, möglichst gut erfüllen", hatte Kurt Teichenthaler von "3" ein gutes Schlusswort parat. "Ich hoffe, dass uns die Krise nicht noch stärker trifft", äußerte sich Ralf Peters vorsichtig. Der menschliche Faktor sei entscheidend: "Ein Erfolg ist es dann, wenn die Kollegen gerne zu uns kommen und gerne mit uns zusammenarbeiten", resümierte Andreas Singer.
Bernd Bugelnig, VP Custom Software Development & Application Management, Capgemini
Georg Chytil, Geschäftsführer Nextlayer, ehem. CIO Eunet
Elmar Grasser, CTO Orange
Christian Ott, CIO Banner GmbH
Ralf Peters, CIO Agrana
Jochen Rosen, Bereichsleiter IT, mobilkom
Georg Rösch, Head of Development, Pool4tool/Selected Services
Andreas Singer, Leiter Informationssysteme, Flughafen Wien AG
Christoph Stütz, CIO T-Systems
Kurt Teichenthaler, CIO "3"
Robert Walcher, Geschäftsführung, Itsdone, zuvor IT Leiter bei Tele2
Moderation: Christine Wahlmüller
Ort der Diskussion: Capgemini Austria, 1020 Wien, Fotograf: Rudi Handl/Timeline
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