Die vier Internet-Piraten Gottfrid Svartholm Warg, Peter Sunde, Fredrik Neij und Karl Lundstrom, Betreiber des Tauschbörsen-Trackers Pirate Bay, wurden kürzlich zu einer Gefängnisstrafe von je einem Jahr und einer saftigen Strafzahlung von 2,7 Mio. Euro verurteilt. Ihr Vergehen: Beihilfe zur Urheberrechtsverletzung. Ein Erfolg für die klagenden Medienkonzerne Warner, EMI, Sony Entertainment und Columbia – wenngleich der Schadenersatz sich nur im Promillebereich des Umsatzentganges der Unternehmen befindet.
Doch wie soll man aus Sicht der IT-Wirtschaft mit so einem Urteil umgehen?
Einmal mehr zeigt sich die kulturell-ökonomische Relevanz neuer Informationstechnologien. Formal haben die Piraten ja nichts anderes gemacht, als eine Tracker-Software zur Verfügung zu stellen, mit denen Internet-User untereinander Musik, Filme, Spiele und Software tauschen konnten. Pirate Bay, so der Anwalt der Verurteilten, sei dabei völlig neutral und betreibe keine Urheberrechtsverletzung.
So lautet das Urteil eben auf „Beihilfe“. Und immerhin hat Pirate Bay pro Jahr rund eine Million Euro an Werbeeinnahmen lukriert, argumentierten die Medienkonzerne.
Das doch überraschend harte Urteil soll natürlich ein Exempel statuieren. Denn der Kampf gegen die „Internetpiraterie“ ist nahezu aussichtslos. Sobald Pirate Bay schließen muss, poppen andernorts sofort neue Torrent-Tracker im Internet auf. Die Medienkonzerne büßen nun dafür, dass sie die rasante Entwicklung des Internet als neue Kulturtechnik der Menschheit salbungsvoll verschlafen haben. In der Musik- und Filmvermarktungsindustrie wird nichts mehr so sein wie früher. Und das Problem ist, dass Warner, Sony & Co darauf keine Antworten haben. Also klagen sie.
Dummerweise klärt das die Frage nach dem Urheberrecht im Internet auch nicht wirklich. Jeder, der z. B. in einem gewissen Umfang journalistisch tätig ist, hat dasselbe Problem, dass seine Artikel im Internet hemmungslos geklaut und kopiert werden. Wer Bücher schreibt, muss damit leben, dass Google Books diese einscannt und ins Internet stellt, ohne viel zu fragen. Das Internet macht es fraglos viel schwerer, von Content zu leben, und das wird früher oder später auch die Printmedien treffen, die noch gar nicht wissen, was ihnen wirklich blüht.
Die IT ist hier Fluch und Segen zugleich: Jetzt gibt es Content für alle und überall, überwiegend gratis. Doch welches Geschäftsmodell soll man daraus ableiten?