11-5-2009 Gedruckt am 23-11-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/11566

Vortrag Jay David Bolter

Zwischen Web 2.0 und Digitaler Avantgarde

Am Dienstag, 19. Mai 2009, 19.30 Uhr, hält Jay David Bolter, als Gast am Institut für Theater-, Film und Medienwissenschaft der Universität Wien einen Vortrag mit dem Titel: "Facebook, YouTube, ARGs und die Avantgarde als Lebenspraxis". Wer nicht die Gelegenheit hat, vor Ort an der Diskussion teilzunehmen, kann sich über Webstream und Chat zuschalten.

Jay David Bolter hält Vortrag in Wien (Bild: Cinémathèque de Toulouse)

Jay David Bolter ist Professor und Co-Direktor am Wesley Center for New Media des Georgia Institute of Technology in Atlanta/Georgia. Er forscht und publiziert zur kulturellen und sozialen Bedeutung digitaler Medien. Bereits während des Studiums in den 1970er Jahren beschäftigte er sich mit der Kultur des Computers: Einem Master of Science in Computer Studies folgte ein PhD in Altphilologie.

1984 publizierte er den in viele Sprachen übersetzten Titel "Turing's Man: Western Culture in the Computer Age" (dt.: Der digitale Faust, 1990), in dem er prognostizierte, dass Philosophie und Literatur der nächsten 100 Jahre am Computer – unter elektronischer Kontrolle – entstehen würden; dies zu einem Zeitpunkt, zu dem die Mehrheit der Bevölkerung in den Industrienationen noch nie einen Computer persönlich bedient hatte.

Es folgte "Writing Space" (1991), eine Untersuchung des Computers als symbolisches Medium und ein wesentlicher Beitrag zur Hypertexttheorie, sowie das mit Richard Grusin verfasste "Remediation. Understanding New Media" (1999). Statt die medialen Bedingungen einer vermeintlichen Revolution zu studieren, gingen Bolter und Grusin darin den umgekehrten Weg: Remediation analysiert, wie Neue Medien wie das World Wide Web und Virtual Reality Bezüge zu älteren Medien herstellen, sich bei diesen sowohl bedienen als auch mit ihnen konkurrenzieren. Als Leitbegriffe dienen die Gegensätze Unvermitteltheit (immediacy) und Hypermedialität (hypermediacy) sowie Transparenz (transparency) und Undurchsichtigkeit (opacity).

Entlang dieser Kategorien bewegt sich auch das Forschungsinteresse des Vortrags am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien. "Unsere gegenwärtige Medienkultur ist von zwei Formen der Mediatisierung geprägt", so Bolter, "denen zwei grundverschiedene Ordnungen des Sehens, der Blickregimes und damit der ideologisch gefärbten Weisen, die Welt darzustellen, entsprechen."

Die erste Form, Transparenz, findet man etwa in (Mainstream-)Unterhaltungsfilmen, Fernsehdramen und einer Vielzahl von Nachrichtenmedien, d.h. überall wo eine transparente Darstellung der mediatisierten "Wirklichkeit" angestrebt wird. Die zweite Form, die Hypermedialität, erkennt man in avantgardistischer Kunst, aber auch in neuen digitalen Applikationen, etwa klassischen Web 2.0-Anwendungen wie Facebook und YouTube oder in Alternate Reality Games (ARGs), welche mit und über verschiedene Medien hinweg (z.B. Webseiten, Email, Telefonanrufe) gespielt werden.

Im Vortrag stellt sich Bolter der mitunter ironischen Frage, ob diese neuen populären Medienformen nicht endlich die historische Aufgabe der Avantgarde erfüllen könnten, nämlich die Kunst in die Lebenspraxis zu verwandeln. Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit der Initiative "net culture lab"  http://lab.netculture.at angeboten. 

Vortrag & Diskussion

Jay David Bolter: Facebook,YouTube, ARGs und die Avantgarde als Lebenspraxis

Zeit: 19. Mai 2009, 19.30 Uhr

Ort: Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Schreyvogelsaal (Vortrag), Jura-Soyfer-Saal (Stream), Hofburg, Batthyanystiege, 1010 Wien

Der Vortrag wird live ins Web übertragen unter www.ustream.tv/channel/tfmvienna

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