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Strategien

Konferenzbericht Müncher CIO-Forum

CIO-Strategien in Zeiten der Krise

"Den Laden am Laufen halten"

Dazu gehören auch Investitionen, und hier sind die CIOs recht selbstbewusst, was ihre Budgets angeht: Laut Gartners "CIO Survey" 2009, wobei weltweit 1.500 IT-Leiter befragt wurden, wird für das Jahr 2009 ein durchschnittliches Wachstum von 0,16 % für weltweite IT-Budgets erwartet. Zu den Geschäftsprioritäten gehören vor allem die Optimierung der Geschäftsprozesse, Senkung der Unternehmenskosten und Verbesserung der Mitarbeitereffizienz. Auf Technologieseite setzen die CIOs unverändert auf Business Intelligence, Unternehmens-Anwendungen (ERP, CRM u.a.) sowie auf Server & Storage-Technologien (z.B. Virtualisierung). Trotzdem ist die angespannte Lage den CIOs natürlich bewusst.

„Die Kosten stehen im Vordergrund, gerade dieser Tage, wo es an sich nahezu unmöglich ist, in die Zukunft zu schauen.“ - Cirquent-Deutschland Geschäftsführer Thomas Balgheim (Foto: Cirquent)

"2009 stehen die Verantwortlichen schwierigen wirtschaftlichen Gegebenheiten gegenüber, wie es sie seit über 50 Jahren nicht gab", betont Mark McDonald, Head of Research von Gartner. "Diese Gegebenheiten spiegeln sich in den IT-Budgets, Prioritäten und Strategien wieder, da ein Drittel der CIOs angab, keine Änderungen an ihrem Budget für 2008 vorzunehmen, während 46 % von einem leichten Anstieg und 21 % von Budgetkürzungen berichteten."

"Alle Branchen glauben, dass die Wirtschaftskrise sie trifft", strich Christoph Witte, ehemals Chefredakteur der Computerwoche, seit April selbst Unternehmer, hervor, der das Münchner CIO-Forum moderierte. "Unabhängig von der Krise steht die IT am Wendepunkt". Problematisch sei vor allem der Aufwand, neue Lösungen in bestehenden IT-Landschaften zu integrieren sowie die immer kürzeren Lebenszyklen. Gerade deshalb sei "Verlässliches Ausliefern eine der wichtigsten Kardinaltugenden der IT", betonte Witte. Es gehe schlicht und einfach darum, "den Laden am Laufen zu halten, und das alles auch noch zu vernünftigen Preisen zu realisieren". Daher werden "Unternehmen ihre IT-Budgets zusammenstreichen und neue Ansätze suchen", zeichnete Witte ein pessimistisches Zukunfts-Sznenario. Cloud-Computing, die Verbesserung des Preis-Leistungs-Verhältnisses auf der HW- und SW-Ebene, die IT-Modernisierung und die Verschiebung von Arbeiten auf globaler Ebene nannte Witte als Möglichkeiten. Gartner hat übrigens 14 Delivery Modelle definiert, etwa Software as a Service (SaaS), Grid Computing, Utility Computing oder Web Plattformen. "Laut Gartner werden diese Modelle 2010 mainstream werden", erläuterte Witte.

Beispiel Online Broker

Markus Walch, seit gut eineinhalb Jahren CIO der DAB Bank (Direkt Anlage Bank), begann seinen Vortrag mit einem Rückblick: "2007 war ein Rekordjahr", da sei es natürlich schwierig, daran anzuschließen. Er verdeutlichte den Zuhörern auch die Herausforderung einer Online-Bank, vor allem auch die sich rasch ändernden Mengengerüste : "95 % der Trades der B2C-Kunden werden online aufgegeben, über zwei Drittel der Trades aus der Vermögensverwaltung werden online aufgegeben, und oft verändern sich die Nutzungsgewohnheiten, dann gibt es neue Trends, die man natürlich aufgreifen muss", erläuterte Walch. "Wir sind dafür bekannt, dass wir einen Best-of-Breed-Ansatz gewählt haben, das heißt für die verschiedenen Anwendungsgebiete haben wir die jeweils führenden Anwendungen ausgesucht", gab der DAB-CIO Einblick in seine Strategie, etwa Siebel als CRM-Lösung, B3 Ordermanagement oder im Core Banking Bereich Flexcube von Oracle. Die Wertpapier-Abwicklung selbst ist outgesourct, "wir haben auch keine IT-Entwickler mehr im Haus, sondern das funktioniert über Dienstleistungsverträge", betonte Walch.

Takashi ENOMOTO, NTT Data Group, Senior Executive Vice President

Im Zuge der beginnenden Finanzkrise im Herbst wurde das Frühwarnsystem umgestellt. Wichtig sei es "sich weg von der IT- hin zur Unternehmensprozess-Sicht" zu entwickeln. Als langfristige Maßnahmen nannte Walch Prozess-Management und die Einführung eines zentralen Kostenmanagements, so gebe es etwa auch einen zentralen "Cost-Manager". Kurzfristig wurde ein neues Produkt, "DAB Premium Sparen", in nur sechs Wochen gelauncht und eine Neukunden-Kampagne Ende Dezember 2008 gestartet. Als dritte Maßnahme "für aktive Kunden" wurde die SW DAB Profitrader neu aufgesetzt. Zusammenfassend nannte Walch vier Lehren aus der Zusammenarbeit der Fachabteilungen mit der IT. Erstens wurde das Projektmodell überarbeitet, zweitens müsse man die IT stärker an die Fachabteilungen heranbringen. Für mehr Flexibilität seien technische Architekturverbesserungen notwendig und viertens seien organisatorische Maßnahmen notwendig. Die Frage ist "Wo kann ich unnötige Schleifen rausbringen?". Letztlich sei es wichtig, zu verstehen, was der Kunde will, brachte der DAB CIO einmal mehr eine alte Weisheit auf den Punkt.

Beispiel Industrie

Wenn die Einführung eines IT-Service Managements (ITSM) das Ziel ist es, ist es wichtig stufenweise vorzugehen. "Wir haben drei Stufen gewählt", berichtete Dietrich Frömming, Head of IT bei der MAN Gruppe, eines der führenden Nutzfahrzeug-, Motoren- und Maschinenbauunternehmen Europas, über seine Erfahrungen. Incident Management, Problem Management (Reduktion von Störungen) sowie Configuration Management müssen in der ersten Stufe passieren. Im zweiten Step kommt es zum Request Management, hier kommen die Fachabteilungen aktiv ins Spiel, und zum Change Management ("Wissen, wann man etwas reintut"). Wichtig sei in dem Zusammenhang auch der Informationsfluss ("Wir haben etwas geändert, schau nach, ob es auch funktioniert"). Dritter Schritt: Build Management, Release Management (Wann wird was eingeführt) sowie Zusammenfassen. "Führen Sie stufenweise ein, aber konsequent. Außerdem müssen Sie Ihr Top-Management und die Fachbereiche, aber auch Ihre Abteilungsleiter einbeziehen, gewinnen und Widerstände abbauen", hatte Frömming praktische Ratschläge parat. Für alle IT-Verbesserungsprojekte empfahl er drei Dinge:

  • Der oberste IT-Chef oder CIO muss das Projekt unbedingt unterstützen und wollen. Frömmings Tipp: "Holen Sie externe IT-Moderatoren herein",
  • die Mitarbeiter ständig über den Projektverlauf und Status informieren,
  • die sogenannten "Helden" (jene Mitarbeiter, die bis spät in der Nacht arbeiten) mit ins Boot holen.

Einmal mehr betonte Frömming die Bedeutung der Beziehung zwischen IT und Fachabteilung, hier gelte es die Kommunikation zu verbessern und die Fachbereiche etwa über alle Veränderungen zeitgerecht zu informieren.

Beispiel Telco-Branche

Christoph WITTE, ehemaliger Chefredakteur Computerwoche, seit April 2008 Unternehmer

"Wir haben zur Zeit weltweit 120 Mio. Mobilfunk-Kunden und derzeit einen Automatisierungsgrad von 99 %, was einen hohen Anforderungsgrad an die IT stellt", gab Steffen Roehn, CIO von T-Mobile Deutschland und seit drei Jahren auch für die internationale Gruppe verantwortlich, zu bedenken. "In den letzten zwei bis drei Jahren mussten wir extrem umbauen, aber die derzeitige Finanzkrise trifft uns momentan nicht so hart: Erstens hatten wir einen sehr vorsichtigen Finanzchef, zweitens haben wir auch schon in der Vergangenheit sehr stark auf Kostenmanagement geachtet", betonte Roehn. Wichtig sei es, die aktuellen Trends im Auge zu behalten, gerade in der Telekom-Branche. Roehn nannte fünf Trends:

  • Digitales Leben/Technologie-Konvergenz (etwa Bilder, Musik am Handy)
  • Breitband überall (sowohl Festnetz als auch mobil)
  • Mobiles Internet ("Beim Iphone gibt es in Deutschland den 30fachen Datentraffic im Vergleich zu einem "normalen" 3G-Handy")
  • New Business ("Die Partner von gestern sind die Wettbewerber von heute")
  • Konsolidierung der Märkte ("Der Mobilfunkmarkt 2008 ist in Deutschland geschrumpft")

"Wir haben in den letzten Jahren ein massives Anwachsen von Anforderungen, die Demands wachsen von Jahr zu Jahr zwischen 30 und 50 %, bei Budgets, die nicht wachsen", stellte Roehn fest. Die einfache Formel lautet, dass "IT Ziele nicht über eine Kamm zu scheren sind", verriet Roehn die Grundlage der hauseigenen IT-Strategie. Man müsse unterscheiden zwischen "grundlegenden Fähigkeiten, differenzierenden Fähigkeiten, d.h. wie kann die IT es schaffen, das Unternehmen besser als die Konkurrenz zu machen sowie Business Enabling & Innovation". Anders gesagt: Letztlich geht es um die Kunst, "IT moments herauszupicken, die den Unterschied in der Kundenwahrnehmung, intern wie extern, machen", um so die Kundenzufriedenheit zu steigern. Fazit: "IT kann nur dann ein wertschöpfender Partner sein, wenn die Hausaufgaben erledigt sind", fand Roehn ein schönes Schlusswort.

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MONITOR-Autoren
Mag. Dominik Troger

Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. ..mehr..

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