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Branchen: Finanzdienstleister

Business Intelligence im Bankenwesen

Durchblick im Finanzdschungel

Die aktuelle Bankenkrise zeigt mehr als deutlich, dass in den oft komplexen Finanzinstrumenten und -geflechten selbst dem Top-Management der Überblick fehlt. Eigentlich eine klare Aufgabe für Business Intelligence.

Alfred Bankhamer

(Bild: creative collection)

Auf einmal war sie weg - die für das Bankwesen und die ganze Wirtschaft so wichtige Liquidität. Was mit Immobilien am US-Markt begonnen hatte, entwickelte sich zu einer der schwersten globalen Finanzkrisen. Keiner traut mehr den Zahlen - das gilt teils sogar innerhalb der eigenen Organisationen. Die von der Finanzkrise besonders hart getroffenen Bank- und Finanzinstitute sind derzeit damit beschäftigt, dass durch optimierte Informationsflüsse, Organisationsformen und passende Steuerungsinstrumente wieder der nötige Überblick für erfolgreiches Handeln geschaffen wird.

Banken setzen freilich längst zahlreiche Risikomanagementsysteme, Business-Intelligence-Tools und vieles mehr ein. Wieso konnten diese ausgeklügelten Systeme das Schlimmste aber nicht verhindern? Die einfache Antwort: Viele der Entwicklungen sind schlicht und einfach der klaren Missachtung grundlegender Regeln des Bank- und Kreditgeschäfts zu verdanken. Angeheizt durch viel zu risikofreudige Finanzjongleure, von unglaublichen Gewinnchancen geblendete Kunden, falsche staatliche Signale sowie kriminelle Aktivitäten schaukelten sich die Probleme immer weiter auf.

Mangelhafter BI-Einsatz

Wünscht sich vor allem eine Verschlankung der oft im Wildwuchs entstandenen technischen Infrastruktur: coretelligence- Geschäftsführerin Marianne Wilmsmeier

Da konnten auch die besten IT-Systeme nicht wirken, weil schlicht nicht nach den entscheidenden Zusammenhängen, Risiken und Verwicklungen gefragt wurde. Und so toll BI-Systeme auch sein mögen, die Rechner können nur das liefern, was auch gefordert wird.

Dabei werden im BI-Bereich laufend neue Technologien (z. B. Semantik, künstliche Intelligenz) entwickelt, die noch rascher für mehr Transparenz auf Märkten und gegen Betrug helfen sollen.

Mit sogenannten Co-Mining-Technologien versucht etwa Co-Decision Technology Irrationalitäten auf den Finanzmärkten aufzuspüren. Dazu werden Denkprozesse und das Verhalten des menschlichen Gehirns nachgezeichnet, um die echten Gehirne etwa bei Risikoanalysen zu unterstützen. Kleine "Agenten" wühlen dazu weltweit in den internen wie externen Datenbeständen.

Aber selbst diese neue Generation von BI-Tools kann nur helfen, wenn sie entsprechend eingesetzt wird. Und gerade in der Praxis offenbart sich, dass die einschlägigen Projekte oft deutlich unterschätzt werden. Da hilft es wenig, Unsummen in Daten-Warehouses, BI-Plattformen und zahlreiche Tools zu stecken, wenn etwa in den Fachbereichen verschiedene Süppchen gekocht werden oder das oberste Management wenig Interesse an so einem "technischen IT-Projekt zeigt". Die Feststellung auf diversen BI-Veranstaltungen, dass bei entsprechenden Projekten vor allem Planungs- und Umsetzungsstrategien für den Erfolg entscheidend sind und auf alle Fälle alle Abteilungen und besonders das Top-Management eingebunden sein müssen, zeigt offensichtlich nur selten Wirkung.

Hohe Unzufriedenheit

So gesehen verwundert es wenig, dass es mit Zufriedenheit bei BI-Projekten eher schlecht aussieht. Eine aktuelle Umfrage des deutschen Beratungshauses Actinium Consulting bei 200 Unternehmen ergab, dass sich die im Vorjahr schon mangelhafte Zufriedenheit der Unternehmen bei ihren BI-Projekten heuer sogar noch verschlechtert hat. 75% der Anwender schätzen den Schwierigkeitsgrad ihrer Projekte als "hoch" oder gar "sehr hoch", 58% der User gestanden, keine ausreichende Systemwahl getroffen zu haben.

"Statt die Auswahlkriterien aus der BI-Strategie abzuleiten, wird häufig die Strategie auf die ausgewählten Tools zugeschnitten", resümiert dazu Actinium-Geschäftsführer Klaus Hüttl. Oft mangelt es schon bei der Anforderungsanalyse. Schuld daran hätten auch die Lösungsanbieter, da sie besonders mit speziellen Features, hoher Integrationsfähigkeit und kurzen Einführungszyklen locken. Der wirklich praxistaugliche Einsatz kommt dabei zu kurz. Alle fachlichen, technischen und organisatorischen Anforderungen in ein BI-Projekt einzubeziehen ist sicher keine einfache Aufgabe, die aber oft gerade wegen ihrer Komplexität zu leicht genommen wird.

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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