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Editorial

Editorial Mai 2009

Erfolgsfaktor Wissen

Nicht nur in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wollen Unternehmen möglichst viel über ihre Geschäfte und ihre Märkte wissen. Daher haben Business-Intelligence (BI)-Lösungen derzeit Hochkonjunktur, und wir haben das "Thema" dieser Ausgabe den aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich gewidmet.

DI Rüdiger Maier

In ihrem Beitrag ab Seite 6 stellen die beiden BARC (Business Application Research Center)-Analysten Siegmund Priglinger und Carsten Bange die sechs wichtigsten Initiativen im Bereich BI vor. Sie stellen einleitend fest, dass Transparenz über das Geschehen im Unternehmen und seinem Umfeld, zielgerichtete Datenanalyse, anpassungsfähige Planungs- und Simulationsmöglichkeiten und die Erfüllung gesetzlicher Auflagen (Compliance) die Steuerungsmöglichkeit von Unternehmen auch in turbulenten Zeiten sicherstellen. Allerdings, so die Analysten, führen nur ganzheitliche Strategien zum Erfolg. Das "magische Dreieck" der BI-Strategie aus Fachlichkeit, Technik und Organisation muss integriert aufgegriffen werden.

Grundsätzlich folgt BI der fachlichen Umorganisation von Unternehmen von funktions- zu prozessorientierten Unternehmen. Prozessorientierte BI bedeutet vor allem die Einbeziehung von prozessablaufbezogenen Kennzahlen in die Planungs-, Steuerungs- und Kontrollprozesse im Unternehmen. BI ist als Mess- und Steuerinstanz der wesentliche Bestandteil jedes Prozessmanagements und rückt deutlich näher an die Geschäftsprozesse oder wird als operative BI in sie integriert. Generell gilt: Je enger BI mit operativen Prozessen verknüpft wird, desto größer wird ihre Bedeutung und auch der Nutzeffekt.

MONITOR-Autorin Christine Wahlmüller hat sich zum Thema auf der vierten BI-Tagung "Software für Planung, Reporting, Analyse und OLAP im direkten Vergleich" umgehört, die vom österreichischen Controller-Institut (ÖCI) in Kooperation mit BARC in Wien durchgeführt wurde. Sie fand dabei heraus, dass es 123 BI-Anbieter alleine im zentraleuropäischen Markt gibt, weltweit sogar mehr als 300. Laut einer aktuellen Studie des ÖCI sind nach wie vor 50 % der befragten Unternehmen mit ihren Controlling-Tools unzufrieden und wollen ihre Planungs- und Reporting-Prozesse weiter verbessern. Statt des bloßen Einsatzes von Microsoft Excel sind echte BI-Lösungen gefragt, die Excel integrieren, als Frontend verwenden oder gar ersetzen können. "Wir sehen, dass gerade in Zeiten wie diesen der Anspruch und Bedarf an entscheidungsrelevanten Informationen wächst, es muss immer schneller berichtet werden", betont dazu Bernd Kadic, Geschäftsführer des ÖCI. Lesen Sie den Bericht über die Konferenz ab Seite 13.

Durchblick im Finanzdschungel

Die aktuelle Bankenkrise zeigt mehr als deutlich, dass in den oft komplexen Finanzinstrumenten und -geflechten selbst dem Top-Management der Überblick fehlt. Dies sei eine typische Herausforderung für BI-Lösungen, meint MONITOR-Autor Alfred Bankhamer in seinem Beitrag im "Branchenmonitor: Finanzdienstleister" ab Seite 20. Banken setzen freilich längst zahlreiche Risikomanagementsysteme, BI-Lösungen und vieles mehr ein. Wieso konnten diese ausgeklügelten Systeme das Schlimmste aber nicht verhindern?

Die einfache Antwort: Viele der Entwicklungen sind schlicht und einfach der klaren Missachtung grundlegender Regeln des Bank- und Kreditgeschäfts zu verdanken. Da konnten auch die besten IT-Systeme nicht wirken, weil schlicht nicht nach den entscheidenden Zusammenhängen, Risiken und Verwicklungen gefragt wurde. Und so toll BI-Systeme auch sein mögen, die Rechner können nur das liefern, was auch gefordert wird. Dabei werden im BI-Bereich laufend neue Technologien (z. B. Semantik, künstliche Intelligenz) entwickelt, die noch rascher für mehr Transparenz auf Märkten und gegen Betrug helfen sollen.

Weiters nehmen sich auch die beiden BI-Spezialisten Peter Chamoni und Markus Linden in ihrem Beitrag ab Seite 10 des Themas BI im Finanzsektor an. Sie stellen dabei fest, dass nicht zuletzt das Aufkommen von Echtzeitunternehmen ein Umdenken hinsichtlich Agilität, Flexibilität und Automatisierung von Entscheidungen fordert. Der Wunsch nach Echtzeit-Datenverarbeitung, Flexibilität, Reaktionsfähigkeit und Zuverlässigkeit fördert dabei den Wandel zum prozessorientierten Systemdenken und zu flachen Organisationshierarchien.

Dabei ergibt sich aber gleich die Problematik der Latenzzeiten, die im Rahmen der klassischen BI keine Rolle spielten. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, ist der Ansatz der Operational BI (OpBI) zukunftsweisend, der zum einen die Informationslücke zwischen strategischer und operativer Ebene kompensiert und zum anderen die Zeitlücke zwischen Transaktion und notwendiger Maßnahme verkürzt.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen umfassenden Informationen rund um BI den nötigen Wissensvorsprung verschaffen zu können, der Ihren wirtschaftlichen Erfolg auch in schwierigen Phasen sicherstellt, meint Ihr

Rüdiger Maier

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