Massiver Fachkräftemangel hemmt das Wachstum der IT-Branche und gefährdet damit eine empfindliche Lebensader des Wirtschaftsstandortes Österreich, so Fachverbandsobmann Alfred Harl und Wilfried Seyruck, stv. Obmann und Vorsitzender der Informationstechnologen in der UBIT. Vor allem ab 2020 drohe der „Supergau“, weil dann starke Geburtenjahrgänge, die derzeit im Fachbereich eine große Rolle spielen, in die Pension gehen.
„Der aktuelle Fachkräftemangel in IT- und IT-nahen Berufen ist erst ein lauer Vorgeschmack auf eine herannahende Flutwelle offener IKT-Stellen“, so Seyruck. „Schon in den letzten Jahren können bis zu 47% der heimischen IT-Unternehmen dringend benötigte Stellen nicht qualifiziert besetzen. In den kommenden Jahren droht allen IT-abhängigen Wirtschaftsbereichen eine dramatische Schere zwischen Bedarf und Absolventen.“
Zudem ist eine IT-Ausbildung derzeit unter Jugendlichen offenbar weniger attraktiv. Außerdem sei der Frauenanteil sehr niedrig. Lag die Zahl der Informatik-Erstinskriptionen an der TU Wien 2001 noch bei 1.200 ist der Zulauf seither stark rückläufig. Die hohe Zahl der Studienabbrecher und geburtenschwache Jahrgänge tragen das übrige zur Misere bei und Absolventen werden zunehmend rar.
Zwar sei das Potential vorhanden, aber, so Seyruck, in unserer Wohlstandgesellschaft sei die Ausbildungswahl junger Menschen nur bedingt durch eine realistische Einschätzung der Berufsaussichten geprägt. Hier möchte die UBIT ebenso aufklärend wirken, wie beim Versuch, das Image von IT-Jobs zu heben und als attraktive und sichere Berufsmöglichkeit im Markt zu etablieren.
„Es muss uns gelingen“, so Seyruck, „bis 2020 den Bedarf der an engagierten und gut ausgebildeten Informations- und Kommunikationstechnologen/-innen durch Absolventen unserer eigenen Bildungswege zu decken und Österreich als Wirtschaftstandort attraktiv zu halten.“
Damit das funktioniert, startet die UBIT jetzt eine Kampagne unter dem Schlagwort "Weitblick". Dazu zählen:
- die Mitwirkung an Berufsinformationsmessen (BEST, Jugend & Beruf….),
- die zielgruppengerechte Darstellung beispielhafter, teils noch unbekannter IT-Berufsbilder unter Einsatz einer Kombination von „Freecards“ und Web,
- die Mitwirkung von IT-Experten/-innen bei Tagen der offenen Tür an Unis,
- vermehrte Öffentlichkeitsarbeit,
- das Prämieren von IT-Talenten bei renomierten Awards durch den „Junior Constantinus “ in Kooperation mit Ars Electronica „U19“sowie beim Multimedia-Staatspreis.
Ganze Wirtschaft betroffen
Für Harl handelt es sich dabei um kein isoliertes Problem, sondern in Anbetracht des wichtigen Stellenwerts von IT im heutigen Wirtschaftsleben für eine Gefährdung des Wirtschaftsstandortes Österreich: „Informations- und Kommunikationstechnologie hat sich dabei zum Wettbewerbsfaktor entwickelt und ist für rund 25% der Zunahme des Bruttoinlandproduktes sowie etwa 30 bis 45% des Produktivitätszuwachses verantwortlich.“
Harl forderte daher erneut eine Zusammenfassung von Ressourcen und Kompetenzen in einem IKT-Kompetenzzentrum: „IKT ist eine Querschnittsmaterie, die eine intensive Zusammenarbeit verschiedener Akteure und Institutionen verlangt. Kurzfristig sollte zumindest ein Regierungsbeauftragter ernannt und damit eine Koordinationsstelle für ein breites Netzwerk für weitere Aktionen zwischen Unternehmern, Branchenvertretung und Bildungseinrichtungen geschaffen werden.“



1/2012
8/2011
7/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 