Networked and Electronic Media (NEM)
Die Plattform NEM umfasst etwa 650 Mitglieder, der Großteil sind Technologie-Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Die Telekom-Provider sind sehr gut vertreten, sowie eine Reihe prominenter Broadcaster. Auffallend ist eine große Lücke bei klassischern Content-Anbietern, wie Verlage, Medienhäuser oder Content-Developer.
Vertreter der Plattform NEM, aber auch viele Mitgliedern, verweisen auf die aus der Themenstellung sich ergebende Heterogenität. Sie sehen es als großen Verdienst von NEM, die Akteure dieser unterschiedlichen Industrien überhaupt auf einer Plattform zusammenzubringen. So ist es möglich, eine breite Palette an Themen verfolgen und Diskussionen mit unterschiedlichen Branchen führen zu können. Es steht also die Möglichkeit zu einem thematischen Benchmarking und zur Kontaktpflege im Vordergrund.
Auffallend an NEM ist das sehr rasche öffentliche Reagieren auf neue Trends - durch das Einrichten von Working Groups und die hohe Zahl von Kommentaren und Position Papers. NEM gelingt es so sehr gut, ein breites Spektrum der Elektronischen Medien abzudecken.
Themen der Plattform NEM
NEM kennt Schwerpunktaktivitäten, sogenannte "Activities", mit ganz bestimmten definierten Zielen:
- So soll gemeinsam mit Universitäten ein europäischer Master of Science (MSc) entwickelt werden.
- Ein gewichtiges Thema sind Positionen zum Future of the Internet.
- Die Activity "Global NEM" arbeitet Empfehlungen zu weltweiten Forschungskooperationen aus.
- Eine Activity kümmert sich auf Europäischer Ebene um Regulierungsthemen.
- Ganz aktuell ist der Start einer Content Activity, die sich Akteuren der Content Industrie als Plattform anbieten will.
Meist aus Impulsen aus der Community der Mitglieder heraus haben sich thematische Cluster, in anderen Plattformen Working Groups genannt, gebildet, die einzelne Themen bearbeiten:
- Next Multimedia Content Distribution: Bedingungen und Möglichkeiten zukünftiger Netzwerke, die die konvergente Mediennutzung unterstützen.
- Trust, Security und Dependability: im Zusammenhang mit der Konvergenz von Telefon- und Sprachdiensten, Internet und Datendiensten, sowie Heimmedien.
- Community Based Services: grundlegende Technologien, die Community-Based Services ermöglichen und unterstützen.
- Multimedia Content Search: technologische und konzeptive Herausforderungen, die durch die Erschließung großer digitaler Archive und durch die Trends zur Content-Produktion durch User selbst entstehen.
Gerade für Unternehmen des Content-Sektors müssten sich in und durch die Plattform NEM eine Reihe von Möglichkeiten auftun, jedenfalls wäre ihr Engagement sehr willkommen.
Networked European Software & Services Initaitive (NESSI)
Die Plattform NESSI hat knapp 400 Mitglieder, mehrheitlich Organisationen aus der akademischen Welt, weiters je ein Viertel IKT Unternehmen und KMUs. Unter den 13 Gründungsmitgliedern sind nicht nur europäische, sondern auch amerikanische, Großunternehmen, mittlerweile hat NESSI eine sehr breite Mitgliederstruktur quer durch die Informations- und Kommunikationstechnologie.
Mit insgesamt 18 Projekten und Working Groups und einer großen Themenvielfalt wirkt NESSI auf den ersten Blick recht unübersichtlich. Beim zweiten und dritten Blick offenbaren sich dann aber Struktur und ein roter Faden. Die meisten Diskussionen und informellen Kontakte bilden sich im Zusammenhang und Umfeld des Projektes "Next Open Service Framework (NEXOF)", den eindeutigen Kern von NESSI. Ziel ist es, eine Europäische Referenzarchitektur zu entwickeln und so Standards für zukünftige Entwicklungen zu setzen.
Themen der Plattform NESSI
Die inhaltliche Arbeit der Plattform NESSI wird in einer recht komplexen Struktur von sechs ineinander verwobenen Projekten, und weiteren insgesamt 12 unterschiedlichen Working Groups gleistet. Über die Mitarbeit in den Working Groups können alle interessierten Mitglieder ihre Beiträge und Positionen einfließen lassen.
Die sechs "Strategic Projects" beziehen sich auf unterschiedliche Aspekte der Kernaktivität von NESSI, der Entwicklung der Referenzarchitektur NEXOF, und integrieren auch Zwischenergebnisse der Working Groups. Die Themenpalette reicht von Standards für die Front Layer Entwicklung, Performance Indikatoren, Virtualisierungstechnologien, bis hin zu Fragen des Managements von Service-orientierten Infrastrukturen.
Insgesamt acht Gruppen, die "Horzontal Working Groups", entwickeln konkrete Beiträge zu den zentralen Forschungsbereichen der Plattform. Hier reichen die Themen von:
- Strategien für die Anwendung von Business Process Management,
- Forschungsfelder für den Einsatz Semantischer Technologien,
- Implikationen der technischen Entwicklung von Services und der Integration in neue Services und Prozesse,
- Entwicklung einer neuen Service Oriented Infrastructure,
- Interdisziplinäre Untersuchung komplexer Systeme sozialer Interaktion und Kollaboration,
- Entwicklung eines NESSI Engeneering Frameworks,
- Prioritätensetzungen und Richtlinien zu Trust, Security, Dependability für Web Services,
- Implikationen der Service-Orientierung für die Human-Computer-Interaction.
Die drei "Vertical Working Groups" sollen einzelne Anwendungsbereiche mit den NESSI Forschungsbereichen verbinden. Zwei Anwendungsbereiche werden bereits betreut, eHealth und i-Governement. Ein dritter Bereich zu "Skills & Employability" ist in Vorbereitung.
Die "Adoption Working Groups" (manchmal auch "Activities" genannt) sollen die Awareness und Akzeptanz in der ICT Community stärken und kümmern sich um spezielle Zielgruppen:
- Open Source Entwickler,
- ICT SME,
- Consultants & System Integrator (in Vorbereitung).
Bei der großen Breite an Themen wird nachvollziehbar, warum von vielen Akteuren vor allem die guten Networking Möglichkeiten von NESSI hervorgehoben werden. Und die Entwicklung der Referenzarchitektur NEXOF wird als ehrgeiziges Projekt gesehen, bei dem in ein bis zwei Jahren absehbar sei, ob es erfolgreich wird sein können.
(1) Hans-Peter Ritt: Analyse der Europäischen Technologie Plattformen eMobility, NEM und NESSI in Bezug auf ein zukünftiges JTI Future Internet, Studie im Auftrag des bmvit, 2009
eMobility: www.ist-emobility.org
NEM: www.nem-initiative.org
NESSI: www.nessi-europe.com



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8/2011
7/2011


Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 