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Strategien

eMobility, Networked and Electronic Media, Networked European Software & Services Initiative

Europäische IKT Plattformen

Seit mehreren Jahren existieren auf Europäischer Ebene eine Reihe von Technologie Plattformen (European Technology Platforms), die zu bestimmten Technologiefeldern Interessen bündeln und Themen vorantreiben. Mit unterschiedlichem Erfolg versuchen sie, diese Themen im Rahmenprogramm der Europäischen Kommission zu verankern, ihre Mitglieder bei der Projektentwicklung zu unterstützen und Strategien zu koordinieren.

Hans-Peter Ritt

Auf drei der größeren IKT Plattformen, die noch recht wenig Öffentlichkeit in Österreich gefunden haben, lohnt sich ein genauerer Blick: Die Plattformen eMobility, NEM und NESSI sind, bei allen Unterschieden in den thematischen Schwerpunkten und in ihren Aktivitäten, relevante Gebilde für die Europäische ICT-Community. Zufall oder Strategie, Forschungs- und Entwicklungsthemen aller drei Plattformen finden sich im aktuellen EU Rahmenprogramm wieder.

So arbeiten die Plattformen

Die Basis der Aktivitäten jeder der Plattformen ist ein Vision Document, das die Entwicklung des jeweiligen Technologiebereichs mit den wesentlichen Herausforderungen und zentralen zukünftigen Themen aus der Sicht der Plattformen beschreibt. Etwas konkreter ist dann die jeweilige Strategic Research Agenda, die die Schwerpunkte und die Ausrichtung für Forschung und Entwicklung aufzeigt. Damit gibt es für Interessenten schon die erste Benchmarking Möglichkeit, inwieweit die eigenen F+E Ausrichtung und Strategie zu den Schwerpunkten einer Europäischen Entwicklung passen. Und die Dokumente geben einen Eindruck, in welchen Bereichen ein Engagement sinnvoll sein kann.

Die IKT Plattformen eMobility, NEM und NESSI wurden in den Jahren 2004 / 2005 gegründet und haben Mitglieder aus den Bereichen Industrie, Wissenschaft und KMUs. Die größte Gruppe ist meist die der Forschungseinrichtungen und Technologiezentren. Dieser erste Eindruck darf allerdings nicht täuschen, die European Technology Platforms (ETP) sind eindeutig Industrie Plattformen. Sie wurden von Gruppen der großen Europäischen Industrie Unternehmen gegründet, die entscheidenden Gremien sind aus Vertretern der Industrie gebildet und die Themen und Schwerpunkte sind industrienahe.

Die Details sind je nach Plattform unterschiedlich, aber die grundsätzliche Struktur ist ähnlich: Für die inhaltliche Arbeit an den Themen der Plattformen sind verschiedene Working Groups eingerichtet, die Positionen koordinieren, Papers ausarbeiten und Impulse für Projektkooperationen setzen. Neben der inhaltlichen Arbeit in den Working Groups ist es das Ziel aller Plattformen, möglichst viele Europäische Projekte in ihrem Bereich zu starten und mit Erfolg bei den Europäischen Förderprogrammen einzureichen.

Nutzen der Plattformen

Da die Mitgliedschaft bei diesen Plattformen kostenlos ist, fällt es relativ leicht, die Aktivitäten der Plattformen zu beobachten und die Themen zu screenen. Mehr noch, alle drei Plattformen suchen nach Akteuren, die sich in einem merklichen Ausmaß zur konkreten Mitarbeit verpflichten, sei es organisatorisch wie in der Moderation von Working Groups, sei es inhaltlich wie in der Ausarbeitung von Papers.

So ist es auch vergleichsweise einfach, relativ schnell Europäische Visibility zu erreichen: Beiträge in den Working-Groups sind meist lohnend, weil sie relativ dankbar angenommen werden, schnell die Bekanntheit in der Community erhöhen und damit Einladung zu Projekten nach sich ziehen. Diese Taktik erfordert allerdings einen recht hohen Zeitaufwand, weil das Engagement kontinuierlich über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten werden muß, um erfolgreich zu sein.

Aus der Sicht der in einer kürzlich im Auftrag des bmvit fertiggestellten Studie (1) befragten Österreichischen Akteure, werden die drei Plattformen eMobility, NEM und NESSI weniger wegen es inhaltlichen Wissensgewinn geschätzt, sondern sie werden vor allem als gute Networking- und Benchmarking-Möglichkeit gesehen. Forschungseinrichtungen schätzen darüber hinaus die Möglichkeit, den Kontakt zur Industrie zu finden und zu halten.

Wenden wir uns nun den Unterschieden zu und betrachten wir die Schwerpunkte der einzelnen Plattformen.

eMobility

Die Plattform eMobility beschäftigt sich, wie der Name schon sagt, mit Themen der mobilen und drahtlosen Kommunikation. Aktuell hat eMobility knapp 600 Mitglieder aus der Industrie, der Research Domain und aus Reihen von KMUs.

Im Vergleich zu anderen Plattformen erscheint eMobility sehr fokusiert und klar strukturiert. In der Selbstbeschreibung lautet die Erklärung dafür, dass "eMobility aus Akteuren besteht, die zu kooperieren gewohnt sind". Kritiker merken an, dass eMobility "von wenigen großen Playern dominiert" werde, wodurch die Steuerung leicht falle. Ein Vertreter der Kommission brachte es im Gespräch auf den Punkt: "Vergessen Sie das politische Geplänkel rundherum, hier werden die Themen gesetzt."

Themen der Plattform eMobility

Aktuell sind sieben eMobility Working Groups aktiv, zwei davon wurden erst im Herbst 2008 gestartet. Hier eine Auswahl:

  • Leading Edge Applications

Diese im Jahr 2007 gestartete Working Group beschäftigt sich mit der Technologieanwendung, mit Applications and Services. Nach einem sehr breiten Beginn hat sie sich auf die Themen Health & Inclusion, Environment, Transport, Future Internet, Service Enabling Technologies fokussiert.

  • Post-IP Next Generation Internet

Diese Working Group beschäftigt sich aus dem Blickwinkel der Mobile & Wireless Communcations recht breit mit zukünftigen technologischen Herausforderungen, Entwicklung von Services und mögliche regulatorische Implikationen.

  • B3G/4G and Standardization Roadmaps

Nach vielen Vorarbeiten beschäftigt sich diese Working Group mit einer "Standardization Roadmap", die Inputs für künftige Standardisierungs- und Regulationsvorhaben sammelt.

  • Testing Facilities

Diese Working Group wurde eingerichtet, um den Zusammenschluss und die koordinierte Nutzung existierender und geplanter Testumgebungen zu unterstützen.

  • Green Wireless Communications

Ebenfalls ganz neu ist diese Working Group, die die Herausforderungen der Forschung zur Energieeffizienz von zukünftigen Mobile & Wireless Technologien zu identifizieren und analysieren will.

Gerade für kleinere Organisationen und Forschungseinrichtungen, die sich weniger mit den technologischen Grundlagen beschäftigen, sondern stärker anwendungsorientiert arbeiten, stellt der relativ neue Schwerpunkt "Applications and Services" und die Strategic Applications Agenda (SAA) einen interessanten Anknüpfungspunkt dar.

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