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Strategien

Open Source Business und die Wirtschaftskrise:

K(l)eine Insel der Glückseligen?

Zwar geht infolge der anhaltenden Turbulenzen an den Kapitalmärkten die dadurch verstärkte Wirtschaftskrise auch an den Lösungsanbietern von Open Source nicht spurlos vorbei. Dennoch überwiegen nicht nur nach Einschätzung von Insidern die positiven Elemente. Ist die Gemeinde also Teil der Rezession oder profitiert sie von dem ökonomischen Abschwung?

Was orakeln zunächst die nicht unbedingt mit dem üblichen Stallgeruch behafteten Marktanalysten über das Innovationsbarometer in der offenen Szene? Dass das Open-Source-Business generell profitiert und dies zu deutlich mehr Verkaufsabschlüssen führt, hält Rüdiger Spies, Independent Vice President Enterprise Applications bei IDC für mehr oder minder deutlich ausgeprägtes "Wunschdenken".

Der Marktbeobachter lässt aber auch durchblicken: "Profitieren werden alle Angebote, die ein besseres Risk-Management, Corporate-Performance-Management und Planning erlauben, also alles rund um Business Intelligence und Analytics. Besonders Open Source Anbieter wie Actuate, Pentaho oder Jedox werden zu den Gewinnern zählen."

Es gibt jedoch aus der Ecke der Analystengemeinde auch Stimmen, die die wachsende Marktposition der freien Szene deutlich optimistischer taxieren. "Die Rezession und der wirtschaftliche Abschwung ist eine Chance für Open Source Anbieter, ihre Lösungen stärker an den Mann zu bringen", sagt Axel Oppermann von den Marktforschern der Experton Group.

„Der wirtschaftliche Abschwung ist eine Chance für Open- Source-Anbieter, ihre Lösungen stärker an den Mann zu bringen.“ Axel Oppermann, Experton Group.

Woher kommt soviel Optimismus? Einer der simplen Gründe liegt in der schlanken Struktur statt einem aufgeblähten Apparat an Kosten und Personal. So arbeiten viele Unternehmen effektiv und kostengünstig. Ein Beispiel: Einer der bekannten Größen unter den Anbietern von OSS-basierten CRM-Lösungen - SugarCRM - hat weltweit lediglich 165 Mitarbeiter beschäftigt.

Davon sind im Unternehmen "nur" 40 Mitarbeiter mit der Programmierung beschäftigt. Die eigentliche Stärke liegt jedoch in der erweiterten Schlagkraft: So sind in der Developer-Community mehr als 15.000 Entwickler angemeldet. Diese arbeiten "quasi unentgeltlich" für SugarCRM an mehr als 550 Projekten: "Ein entscheidender Vorteil gegenüber Microsoft und Co., die allein schon Tausende von Entwicklern beschäftigen und finanzieren müssen", gibt Axel Oppermann zu bedenken.

Aus Kosten-Nutzen-Sicht der Unternehmen gibt es weitere Argumente mit Blick auf regelmäßige Kostenblöcke. Wie viel Ressourcen an Zeit, Geld und Personal verschlingen Tests, Implementierung und der laufende Betrieb bei proprietären Lösungen? "Ein abermals zunehmender Druck auf die IT-Budgets wird viele OSS-Hasser zu Testern und schließlich zu OSS-Freunden machen", prognostiziert Oppermann.

Durchgehend optimistisch bewertet auch die Szene selbst die aktuelle Stimmungslage. Datenbankspezialist Ingres etwa sieht für die Nutzer proprietärer Software momentan das Risiko, dass sich aufgrund der Finanzkrise die Entwicklungszyklen verlangsamen oder sich gar manche neuen Features überhaupt nicht mehr verfolgen lassen.

"Schlimmstenfalls für das Unternehmen geht sein Software-Anbieter in Konkurs", sagt Bertram Mandel, Managing Director CEMEA und Vice President Sales & Services bei Ingres. Dann stehe das Unternehmen mit seinen unzähligen Lizenzen da und habe weder Support noch die Aussicht auf Weiterentwicklungen, Updates und Patches zur Verfügung.

Im Gegenzug dazu sieht Mandel einen weiter gezogenen Schutzschirm in der eigenen Community aus. Mit Ingres CAFÉ (Consolidated Application Foundation for Eclipse) habe diese erst neulich wieder eine innovative Weiterentwicklung angestoßen. "Das Bundle vereint alle Komponenten, um in der Eclipse Foundation's Open Source Entwicklungsumgebung Java-Applikationen schnell und einfach zu entwickeln und einzusetzen", so Mandel weiter.

Big Business versus Small Business

„Das Internet hat mit Webhostern und ISPs eine komplett neue Industrie entstehen lassen, deren Erfolg weitestgehend auf OpenSource-Software basiert.“ - Rafael Laguna, Open-XChange

Open Source biete somit nicht nur effektive Lösungswege für die bestehenden und kommenden Herausforderungen in der IT von Unternehmen. "Sie gibt gleichzeitig Unternehmen mehr Spielraum und Flexibilität an die Hand, um auf Marktschwankungen besser eingehen zu können", bilanziert Mandel.

Auch Jaspersoft, einer der Spieler auf dem hart umkämpften Markt für Business Intelligence, sieht sich auf der Überholspur positioniert. Zumindest bestätigt dies CEO Brian Gentile: "Wir sehen gute Chancen, dass die Nachfrage nach unseren Lösungen gerade wegen der angespannten Wirtschaftslage - und dieser zum Trotz - steigen wird." Durch exakte Analysemöglichkeiten und die geforderten Mindestrenditen auf Investitionen rechnet der Experte damit, dass Unternehmen jetzt andere Prioritäten bei ihrem Kapitaleinsatz und bei den Ausgaben setzen.

Im Klartext: Gerade die strikten Vorgaben beim Rückfluss von Investitionen (ROI-Vorgaben) spielten der zunehmend ausgereiften kommerziellen Open Source Software als auch den Business Intelligence-Tools in die Hände, da diese eine umfassende Evaluierung der operativen Betriebsleistung ermöglichten. Allein beim Systemmanagement ließen sich durch quelloffene IT-Lösungen rund 35 % an Kosten sparen, kalkuliert IT-Dienstleister it-novum GmbH, eine Tochtergesellschaft der KAP Beteiligungs-AG.

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