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Kommunikation

MONITOR-Diskussion: Telekommarkt Österreich

Heimischer Telekommarkt profitiert von der Krise

Breitband-Ausbau entscheidet Zukunft

„Das Thema Outsourcing bei den Telcos ist für uns dafür eine absolute Opportunity, weil wir im Service-Bereich sehr stark sind.“ - Christian Eggenreiter, Alcatel-Lucent

"Alcatel-Lucent rechnet 2009 mit einem Rückgang des Marktes von 8 bis 12 %", sagte Christian Eggenreiter, seit Februar neuer Marketing-Leiter bei Alcatel-Lucent Österreich. "Aber die laufenden Projekte bei den Telcos werden fortgeführt", beeilte er sich zu versichern. Die Unsicherheit in puncto künftigem Breitband-Ausbau - da gibt es Diskussionen über "Functional Separation, Mobil-Terminierung, Roaming, mittlerweile auch im SMS- und Data-Bereich - ist sicher bei unseren Kunden investitionshemmend", betonte Eggenreiter. "Alle größeren Incumbants sind in einem Reorganisationsprozess, es entstehen europaweit immer mehr Partnerschaften, etwa Vodafone und Telefonica, die überlegen in einzelnen Ländern die Netze zusammenzulegen", ging er auf die europäische Entwicklung ein.

"Als Folge eines normalen Cost-Reduction-Programmes, wobei insgesamt 750 Mio. Euro eingespart werden sollen, sind 6.000 Stellen weltweit bei Alcatel Lucent abgebaut worden", schnitt Eggenreiter auch das heikle Personalthema an. "Das Thema Outsourcing bei den Telcos ist für uns dafür eine absolute Opportunity, weil wir im Service-Bereich sehr stark sind", zeigte sich der Alcatel-Lucent Manager für die Zukunft optimistisch. Aber der zweiten Hälfte 2010 will Alcatel-Lucent wieder profitabel wirtschaften.

"Österreich ist anders. Während in Österreich alles gestoppt wird, stellen wir fest, dass Barack Obama ein Programm in der Höhe von sechs Mrd. Euro nur für den Aufbau von Breitband-Infrastruktur zur Verfügung stellt. Die Europäische Union geht genau den gleichen Weg, mit fünf Mrd. Euro, in Frankreich wird eine Mrd. investiert", wunderte sich Karim Taga, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Arthur D. Little (ADL) in Österreich. Zur Krise konnte Taga seine Vorredner bestätigen: "Wir haben bereits im November in einer Studie gezeigt, dass die Telekom-Branche sehr krisenresistent ist, insbesondere in etablierten Märkten". Österreich sei eine postpaid- und flatrate-Welt, zwei Faktoren, die vor der Krise schützen würden. Allerdings warnte Taga auch vor einem Anwachsen von Konkursen: "Experten sehen einen Anstieg von den üblichen 2 % pro Jahr auf 7 %." Kritisch seien die Branchen Bauwirtschaft, Automobil, Transport und Finanzwirtschaft.

Kabelnetzbetreiber haben Nase vorn

„Wir sehen eine stärkere Nutzung der Datendienste am iPhone oder auf anderen Smart- phones.“ - Christian Nemeth,Orange

Laut einer brandneuen ADL-Studie, die Taga präsentierte, sind Kabelnetzbetreiber gegenüber Anbietern konkurrierender Festnetzbreitbandtechnologien im Prozess der Migration zu Next Generation Access (NGA) Plattformen deutlich im Vorteil. Hintergrund ist die stark steigende Nachfrage nach Highspeed-Internetzugängen: mit Übertragungsgeschwindigkeiten von über 100 Mbit/s und unlimitiertem Downloadvolumen. Während viele Telekommunikationsanbieter massive Investitionen für den Ausbau von Glasfasernetzwerken in Betracht ziehen (müssen), sind zahlreiche Kabelnetzbetreiber gut positioniert, ihren Endkunden Highspeed-Breitbandinternet- und Multimedia-Dienste anzubieten.

Ein wichtiger Faktor bei der NGA-Entwicklung sei die Regulierung, sie wird entscheidende Auswirkungen auf die nachhaltige Standortattraktivität Österreichs haben, heißt es in der Studie. Die Produktionskosten der Mobilfunknetzbetreiber zur Bereitstellung von Highspeed-Breitbandinternet mit einem Downloadvolumen von über 5 GB/Monat sind im Vergleich zu Festnetzinfrastruktur nicht wettbewerbsfähig. Das bedeutet letztlich für die Zukunft ein Näher-Aneinanderrücken der Festnetz- und Mobilfunkbranche und sichert der oft totgesagten Festnetz-Branche das Überleben. Die Download-Volumina der User steigen dramatisch, "Im Festnetzbereich in Österreich liegen wir schon weit über 6 GB pro Monat, und wir gehen davon aus, dass wir uns rasant auf durchschnittlich 10 GB bewegen", betonte Taga. Zwar liege der Anteil von mobilem Breitband in Österreich derzeit bei 38 %, aber "das wird nicht substitutiv weitergehen, sondern ergänzend", prognostizierte der erfahrene Telekom-Experte für den Massenmarkt.

„Wir merken die Krise zurzeit kaum, der kritische Teil wird kommen, wenn die Konkurswelle in Österreich anrollt.“ - Erich Mooshammer, Tele2

Im Business-Bereich verhält es sich anders, der Großteil der Unternehmen ist von Beginn an sowohl Festnetz- als auch Mobilfunk-Kunde. "Gerade da ist die Mobilität auch extrem wichtig, das heißt die Herausforderung liegt darin, integrierte Lösungen zu schaffen", fasste Taga zusammen. "Mobiles Breitband wird von den Kunden vermehrt als Ergänzung eingesetzt, sowohl im Privat- als auch im Business-Bereich", bestätigte TA-Manager Christian Bauer Tagas Aussagen. "Wir wollen natürlich Glasfaser für die Zukunft ausbauen, wir wünschen uns dazu konkrete und klare regulatorische Rahmenbedingungen, damit wir wissen, wie wir mit dem Fiber-Ausbau künftig Geld verdienen können", richtete Bauer einen deutlichen Appell an die Regulierungsbehörde RTR. "Im Gegensatz zur Telekom Austria haben wir schon angekündigt, dass wir künftig 100 Mbit/s für alle Kunden anbieten können", avisierte Gerald Schwanzer von UPC einen baldigen Launch.
 

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Mag. Carl-Markus Piswanger

Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. ..mehr..

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