"Die Talsohle der Wirtschaftskrise wird Mitte des Jahres erreicht sein", sagte Ewald Novotny, Generalgouverneur der österreichischen Nationalbank (ÖNB) im März, in der zweiten Jahreshälfte sollen Konjunkturprogramme greifen. Andere Prognosen sprechen von einer Erholung und einer Belebung der Konjunktur 2010 oder 2011. "Wir sehen, dass der Telekommunikations-Bereich ein unverzichtbarer Bestandteil bei den Unternehmen ist", meinte Christian Bauer, Marketingleiter der Telekom Austria (TA), dass "wir dort keine signifikanten Auswirkungen der Wirtschaftskrise merken werden". Viele Unternehmen würden sehr wohl unter Kostendruck stehen, die Telekommunikation könne aber zu Effizienz und Kostenreduktion beitragen, etwa durch Managed Services oder Outsourcing.

„Wir sehen ein Anwachsen bei Managed Services im Internet- und VPN-Bereich.“ - Alfred Pufitsch, Colt Telecom (mit 1. Mai CEO von Tele2)
"Eine Regulierungskrise haben wir ja schon lange", ging Stefan Köhler, jüngst von der Regulierungsbehörde RTR in die Geschäftsführung des ambitionierten Wiener Business Providers Silver Server gewechselt, auf eine andere Krise ein. "Wir würden ja gerne in den Ausbau einer leistungsstarken Glasfaserinfrastruktur investieren, wieso kann man nicht Leerrohre mitnutzen, die brachliegen?" kritisierte er die verfehlte Infrastruktur-Ausbaupolitik. "Wieso gibt es keine Koordination, wenn es Straßengrabungsarbeiten gibt, dass Leerrohre gleich mitverlegt werden?" so Köhlers Frage und gleichzeitig Vorschlag. Als kleines Unternehmen könne man den Ausbau keinesfalls alleine schaffen, gab er zu bedenken.
Mobilfunker sehen Krise positiv

„Unternehmen suchen gerade in Zeiten wie diesen nach Lösungen, um schneller zu produzieren und rascher beim Kunden zu sein.“ - Bela Virag, T-Mobile
Trotz aller Lippenbekenntnisse ist die Lage jedoch sehr wohl angespannt. "Man merkt intern schon eine Verunsicherung der Mitarbeiter durch die Krise", gestand Christian Nemeth, Marketingleiter bei Orange, ein, "wir haben aber darauf reagiert und für 2009 eine Jobgarantie abgegeben". Telekom-Services würden zur Zeit eher stärker genutzt, "wir sehen etwa eine stärkere Nutzung der Datendienste am iPod oder auf anderen Smartphones", so Nemeth. "Wir stellen Mitarbeiter ein", setzt Berthold Thoma, CEO von Hutchison "3", auf Expansion, bedingt durch verstärkte Nachfrage: "Die Krise dynamisiert den Markt, das ist für einen Challenger wie uns das Beste, was passieren kann. Wir sind mit der Krise mehr als happy", zeigte sich Thoma als Krisen-Gewinner.

„Mobiles Breitband wird von den Kunden vermehrt als Ergänzung eingesetzt, sowohl im Privat- als auch im Business- Bereich.“ - Christian Bauer, Telekom Austria
"Die Krise ist nicht wegzuleugnen, aber sie hat auch ihre positive Seiten und hält uns fit. In unserem Kundensegment, bei Banken und Media, sehen wir einerseits, dass der Kosten- und Preisdruck enorm steigt, aber dass gute Leitungen einfach unverzichtbar sind: Wir sehen ein Anwachsen bei Managed Services, im Internet- und VPN-Bereich", betonte Noch-Colt-CEO Alfred Pufitsch. Seit 2002 bei Colt für die Geschäftsführung verantwortlich wird Pufitsch im Mai die Leitung bei Tele2 Österreich übernehmen. Intern und extern gehe es um verbesserte Effizienz. "Colt hat mittlerweile ein industrialisiertes Shared Service Center in Indien, da sitzen 25 % der Belegschaft", betonte Pufitsch.




7/2011
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Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 