Der Anteil der Unternehmen ohne ERP-System hat sich mit jetzt 8% gegenüber der vorherigen Erhebung verringert. Umgekehrt ist der Einsatz von ERP-Systemen nochmals gestiegen und zwar ausgehend von einem hohen Niveau in 2007 auf nunmehr 92%. Aber woraus resultiert diese zunehmende Verbreitung?
Es sind primär die selbst entwickelten Softwarelösungen, die eine Zunahme verzeichnen (+4 Prozentpunkte), wogegen beim Einsatz von Produkten der Software-Anbieter Stabilität (+0,6 Prozentpunkte auf jetzt 76%) erkennbar ist. Jeder vierte Betrieb gibt nur noch Einführungszeiträume von bis zu 3 Monaten an. Die nächst höhere Einheit von 4 bis 6 Monaten erfährt ebenfalls einen moderaten Zuwachs, während die längeren Einführungsphasen seltener werden. Kontinuierlich verkürzen sich also die Zeiträume zur Freude der Anwender.
Anwenderzahl
Die durchschnittliche Anwenderzahl in Betrieben mit Standard-ERP-Software beträgt 125 Mitarbeiter. Damit zeigt sich augenscheinlich eine Konstanz, hinter der sich jedoch ein langjähriger Trend verbirgt. Sowohl am oberen als auch am unteren Ende der Anwenderanzahlen erfolgten Rückgänge. Die eingesetzten Lösungen sind weniger für die Unterstützung kleiner Einheiten (-2 % bei Systemen bis zu 10 Anwender) und in gleicher Ausprägung weniger für die Einheiten mit mehr als 50 Nutzern im Einsatz.
Eine Ausweitung um fast 5 % erfährt entsprechend die Gruppe mit 10-49 Anwendern. Bereits in den letzten beiden ERP-Studien war diese Entwicklung ablesbar und sie erfährt in den neuen Ergebnissen eine Fortschreibung.
Mittelständler behaupten sich
Die Marktlandschaft unterteilt sich auf Herstellerebene in einen bekannten Anführer SAP und ein anschließendes Mittelfeld, in dem Infor den in 2007 erkämpften zweiten Platz vor Microsoft (+2,5 Prozentpunkte) und Sage bäurer (mit einem Plus von knapp einem Prozentpunkt) hält. Die von Oracle getätigten Übernahmen und Aufkäufe anderer Anbieter schlagen sich - zumindest in den hier untersuchten Industriebranchen - nicht ausdrücklich in einem gewachsenen Marktanteil nieder.
Bemerkenswert ist die Entwicklung in der Prozessindustrie. In diesem wichtigen Absatzsegment punkten sowohl die „großen“ ERP-Hersteller als auch die Mittelständler. Dies geht zu Lasten branchenfokussierter Anbieter, also der „Spezialisten“ wie zum Beispiel GUS Group und CSB-System, die beide Einbußen hinnehmen müssen.
Investitionssumme gestiegen (nach Verlusten in 2005 und 2007)
Systeme, die Investitionen von bis zu 250.000 Euro benötigen, stellen nicht mehr die Mehrheit dar. Stattdessen ist die nächste Budgetklasse (250.000 bis 500.000 Euro) um über 9 Prozentpunkte gestiegen. Lässt dies auf eine durchgängige Budgetintensivierung bei der Anschaffung von ERP-Lösungen schließen? Nein, denn die Klasse mit den höchsten Budgets, beginnend bei 500.000 Euro, ist moderat geschrumpft.
Nachdem in der ERP-Studie 2005 dokumentiert wurde, dass das Investitionsvolumen betriebsübergreifend um 32.000 Euro gesunken ist und in der darauf folgenden Erhebung (2007) ein weiterer Rückgang um rund 14.000 Euro ermittelt wurde, kann nun von einer Erhöhung um mehr als 24.000 Euro ausgegangen werden. Die durchschnittliche Gesamtinvestition liegt bei 402.525 Euro.
Investitionsplanungen vorhanden – Umsetzung auch in der Wirtschaftskrise?
Die Angabehäufigkeit, dass Investitionen in neue ERP-Systeme geplant sind, liegt über denen der 2007er-Studie und zwar insbesondere bei der Anschaffung von Standardlösungen. Statistisch gesehen kann aber weder für die Eigenentwicklungen, noch für die extern beschafften Systeme von einem deutlichen Investitionsauftrieb gesprochen werden, wohl aber von einem stabilen bis positiven Trend.
Der Nachfragermarkt ist und bleibt in Bewegung. Sollte mittlerweile tatsächlich eine stärkere Auswirkung der Wirtschaftskrise vorhanden sein (die Erhebung erfolgte von Oktober bis Dezember 2008), dann kann zumindest auf eine Verschiebung der geäußerten Nachfrage gehofft werden.
Bezugsmodell „Software as a Service“
Immerhin knapp jeder sechste Betrieb bejaht die Nutzung dieser Bezugsform. Die Prozessindustrie weist höchste Werte, die Metallbe- und -verarbeitung die geringsten auf. Wie ein „roter Faden“ zieht sich durch diesen aber auch durch die vorherigen Abschnitte hindurch, dass die Prozessindustrie am intensivsten neuartige Technologien oder Funktionsweisen nutzt, wogegen die Metallbe- und –verarbeitung in der Regel das Schlusslicht bildet.
Was werden die kommenden Perioden für den Erfolg dieses Bezugsmodell bringen? Ist es zukünftig eine attraktive Alternative, so wurden die Unternehmen befragt, die es bisher nicht im Einsatz haben. Darauf antworten nur etwas mehr als 10% mit einem klaren „ja“, knapp 50% wissen es schlichtweg nicht. Unsicherheit besteht also sowie zu wenig Informiertheit und das bei IT-Investitionsentscheidern. Weitere Aufklärungsarbeit der Anbieter ist notwendig, um das Potenzial der Unentschiedenen positiv auszuschöpfen.
Kurzcharakteristik der Studie
Die Konradin ERP-Studie 2009 untersucht die Bekanntheit und Verwendung von ERP-Lösungen in den 5 zentralen Industriebranchen Deutschlands. Sie analysiert das Profil von Herstellern und ihren Angeboten, bietet Erkenntnisse über die ERP-Nachfragesituation und beschreibt die Anwenderzufriedenheit mit ausgewählten Systemen. Die vorliegende Ausgabe ist die siebte vollständig aktualisierte und erweiterte Auflage.


1/2012
8/2011
7/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 