Nun zu den thematischen Stärkenfelder und der Exzellenz-Forschung. Hier finden sich in der Themenliste bekannte Entwicklungsfelder wie Embedded Sytems, Optoelektronik, Quanteninformatik bis hin zu Geo-Informationssystemen. Erwähnenswert ist die ganzheitliche Sicht in der Strategie, auch auf Hilfswissenschaften der IT, wie das Prozessmanagement. Existierende große Stärkenfelder sind zu institutionalisieren, das passt zu den oben erwähnten Kompetenzzentren. Kleinere Felder sind in dynamischen und leichter steuerbaren Instrumenten zu fördern. Grundlagenforschung und angewandte Forschung müssen auch hier als kommunizierende Gefäße gesehen werden, man könnte es auch als "vertikale" Forschungsstruktur benennen.
Zu guter Letzt gelangt die Strategie zu Governance. Die Zusammenarbeit der beteiligten Ressorts BMVIT, BMWA und BMWF ist bei IKT-Forschungsagenden zu optimieren. Gegen Redundanz und Doppelgleisigkeiten sollen Verantwortlichkeiten festgelegt werden, nicht nur zwischen Institutionen, auch bei einzelnen Programmen. Die Förderprogramme haben eine kritische Größe aufzuweisen, um Outcome und Wahrnehmung zu stärken. Die in Österreich regional unterschiedlichen IKT-Forschungsschwerpunkte sollen durch Initiativen in sich gestärkt, aber überregional koordiniert werden. Als Beispiele sind unter anderen die Mikroelektronik-Forschung im Süden Österreichs oder die Schwerpunkte auf GIS und E-Tourismus in Salzburg genannt. Die einfachere Beantragung von Forschungsförderungen stellt eine altbekannte Forderung dar, schön das sie auch hier aufgefunden wird. Das Wirtschaftsthema Risikoförderung wird auch als Governance-Thema erkannt, wobei wiederum eine stärkere Aufmerksamkeit auf die spezifischen KMU-Problematiken gelegt werden soll.
Den inhaltlichen Abschluss findet das Strategiepapier in den Bereichen Budgetierung und Monitoring. 2020 soll die IKT-Forschung 0,85% des BIP erreichen, das ergibt eine Gesamtfinanzierung von vier Milliarden Euro. Der Unternehmensanteil soll bei 3,3 Milliarden Euro liegen und 650 Millionen Euro durch die öffentliche Hand gefördert werden. Angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Lage klingen die prognostizierten 8% jährliche Steigerung des F&E-Unternehmensanteils optimistisch. Für die Stärkung der Forschungsförderung mit erhöhtem Risikobezug sollen 20 bis 30% der FFG-Basisprogramm-Förderung verwendet werden. Die Forschungsförderung der öffentlichen Hand soll während des Transformationsprozesses bis 2013 steigen und danach leicht sinken. Ein Monitoring-Board passt dabei jährlich die Strategieziele an. An anderer Stelle angeführt aber hier passend sind die notwendigen 17.000 neuen Jobs in der Branche bis 2013, ein erfreuliches Detail für alle zukünftigen IT-Cracks in Österreich. Ziel der vielfältigen Maßnahmen der Strategie ist Top-3 in der EU zu erreichen und damit auch im weltweiten Spitzenfeld zu liegen. Dieses Ziel gilt bezogen auf F&E-Aktivitäten des Unternehmenssektors.
Resümee
Es ist klar, dass Rad bleibt erfunden. Es finden sich viele bekannte Forderungen neu formuliert. Das Strategiepapier ist trocken, die Maßnahmen konkret und gut argumentiert. Viele Forderungen liegen im Bereich der Besserorganisation und nicht zwangsläufig im Mehrbedarf an finanziellen Mitteln. Die Empfehlungen werden der Komplexität des Themas gerecht und sind zwischen den Themenbereichen gut verwoben. Richtigerweise sind Humanressourcen besonders herausgestrichen - der "Mensch" bleibt Kapital.
Trotzdem lassen einzelne Bereiche Schärfe vermissen. Bildung ist zwar prominent vertreten, aber konkrete Maßnahmen zur Bildung des Kompetenzbogens eines "Homo [IT] Scientificus" fehlen. Wirtschaftliches Denken wäre hier wie Mehrsprachigkeit ein absolutes Muss. Vermisst wird auch, staatsnahen Konzernen eine besondere Verpflichtung zur Forschungsförderung zukommen zu lassen, quasi als Zugpferde für die freie Wirtschaft. Thematisch fehlt der Bereich der Netzgesellschaft, sprich das Internet als expliziter Forschungsbereich ist nahezu ausgeklammert. Die Annahmen gehen zudem von Fixwerten aus, bestes Beispiel ist das angenommene Wirtschaftswachstum. Es liegt diesbezüglich kein Plan-B vor.
Der Rat wurde im Jahr 2000 gegründet und konstituierte sich 2005 neu. Die Aufgaben sind vielfältig: Beratung, Strategie- und Programmbildung für die österreichische Bundesregierung über österreichische und internationale Technologieentwicklung.
Der Rat arbeitet unter dem Vorsitz von Dr. Knut Consemüller und besteht aus acht Mitgliedern (zwei Damen und sechs Herren). Mehrere MinisterInnen oder deren VertreterInnen sind beratend eingebunden. Zu weiteren Informationen direkt über die Mitglieder: http://www.rat-fte.at/



1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 