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Strategien

Die IKT-Forschungsstrategie 2020 des Rats für Forschung und Technologieentwicklung

IKT Forschung in Österreich

Ende 2007 beschloss der Rat für Forschung und Technologieentwicklung die Ausarbeitung einer Strategie für die österreichische IKT-Forschung bis 2020. Ausgangspunkt war eine Empfehlung des Rechnungshofs, dezentrale IT-Zuständigkeiten zu konzentrieren. Zielministerien waren das BMVIT, das BMWA und das BMWF. Basis für die Forschungsstrategie war die IST-Erhebung des BMVIT (ww.eutema.com). Wie angekündigt lag der Strategieplan zeitgerecht Ende 2008 vor.

Forschungslabor für Quantentechnik (Photo: C. Lackner)

Status quo der IKT-Forschung in Österreich

Dass den Informationstechnologien die Zukunft gehören, dürfte allseits bekannt sein. Laut Rat positionierte sich Österreichs IT-Forschung international im oberen Mittelfeld. Die gute Situation wird durch die starke Stellung der österreichischen IT-Wirtschaft begründet, mit Produkten im oberen und obersten Qualitätssegment. Hohe F&E-Investitionen in den Sektor bringen Gründungsdynamik und Beschäftigungsverhältnisse mit hoher Qualifikation. Dafür sind aber auch ausreichend SpitzenforscherInnen (Schlagwort "Exzellenz") notwendig. Die Lebensqualität in Österreich ist hervorragend, die Forschungsdotation weniger. Bekanntlich gehen Spitzenkräfte eher weg von Österreich, vor allem gen Westen.

Als kritisch wird die hohe Dichte an Kleinunternehmen in Österreich gesehen, unsere ForscherInnen sind aber thematisch gut positioniert, in Bereichen, die in den europäischen Forschungsbogen passen. Dazu ein kurzer Sidestep: Die österreichische Beteiligung bei EU-Projekten ist überdurchschnittlich hoch. In einer Presseaussendung der FFG zur Verleihung des "Austrian Champions in European Research" wird über die derzeitige Beteiligung am 7. EU-Forschungsrahmenprogramms erwähnt, "...dass rund 100 KoordinatorInnen bzw. rund 760 österreichische Beteiligungen 232 Mio. Euro an Forschungsgeldern einwerben konnten, d. h. nach derzeitigem Stand mehr als Österreich beiträgt."

Der öffentlichen Hand kommen laut Strategiepapier mehrere Aufgaben zu - als Geldgeber aber auch als Regulator und Kompensator. Regulation wirkt auf die thematische Dimension, Kompensation gegen Systemversagen an den Schnittstellen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Die Handlungsfelder der Forschungsstrategie

Die IKT-Forschungsstrategie umfasst sechs Handlungsfelder, deren Darstellung und Empfehlungen den Hauptteil des Strategiepapiers darstellen. Nicht zu Unrecht zuerst genannt sind Humanressourcen. Konstatiert wird ein demografisch bedingter Mangel an Fachkräften, bis 2020 die beträchtliche Anzahl von 70.000 fehlenden Köpfen. Informationstechnologien sind bereits in den Schulen fest zu verankern, um fachspezifischen Forschungsdrang bereits den SchülerInnen nahe zu bringen und das Lehrpersonal thematisch zu fördern. In der logischen Folge soll IKT in den Hochschulen gestärkt und durch geringere Drop-Out-Raten mehr AkademikerInnen erzeugt werden. Das impliziert auch die stetige Steigerung des Wissens des universitären Lehrpersonals. Frauen sollen in der IKT-Branche stärker gefördert und der Zuzug ausländischer (Spitzen-)ForscherInnen ermöglicht werden, z. B. durch Verkürzung von Bewilligungsfristen. Leistungen von ForscherInnen "Made in Austria" sind zudem besser zu darzustellen, nach innen durch stärkeres Selbstbewusstseins, nach außen durch mehr Öffentlichkeitsarbeit.

Der nächste Bereich gilt der Wissenschaft. Gefordert wird eine vertiefte Profil- und Schwerpunktbildung innerhalb der IT-Branche, was ebenfalls für die Innen- und Außenwahrnehmung wichtig ist. Der Hinweis, dass nur zwei ausgewiesene technische Universitäten in Österreich existieren. ist richtig, wobei die Leistungen der heimischen Fachhochschulen im Strategiepapier unterrepräsentiert sind. Vielleicht fehlt es hier noch an der Wahrnehmung als Forschungsinstitutionen. Die Forderung, den wissenschaftlichen Nachwuchs an den Universitäten mit realistischen Karrierepfaden zu motivieren, ist nicht neu aber trotzdem notwendig. Auch die Stärkung der Grundlagenforschung klingt vertraut, sie sei nach wie vor zu weit weg von der industriellen Forschung. Um dieses Vakuum zu füllen, sollen forschungsintensive Wirtschaftsunternehmen nach Österreich geholt werden, denn die Konversion von Grundlagen- zu angewandter Forschung (und zum fertigen Produkt) ist für die kleinstrukturierte Wirtschaft Österreichs derzeit kaum leistbar. Eine Erhöhung des Grundlagenanteils in der FWF-IKT-Förderung von 5,7% auf mindestens 10% wird als Finanzierungsinstrument dafür gesehen.

Daher gleich zum nächsten Bereich, der Wirtschaft. Nach einer Economist Intelligence Unit Studie aus 2007 rangieren wir in der IKT weltweit auf Platz 16, was als gut befunden wird. Kritisch betrachtet sind aber neun Länder vor uns direkte Konkurrenten, wie die Niederlande, Schweden, Finnland und die Schweiz. Folgerichtig wird die internationale Sichtbarkeit der IT-Forschungs- und Entwicklungsleistung Österreichs als wichtig erachtet. Sie könnte durch stärkere internationale Kooperationen erreicht werden. Neben der Neuansiedelung von forschungsintensiven Unternehmen in Österreich wird auch der Schutz von bestehenden Unternehmen gesehen - und passend zur Wirtschaftskrise die Forderung nach mehr Aktion anstelle von Reaktion. Der "Spin off" von Unternehmen aus dem wissenschaftlichen Bereich heraus sollen gestärkt werden, sowie Mischkarrieren von wissenschaftlichem Personal, zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Für die Gründung forschungsintensiver Unternehmer ist die Verfügbarkeit von Risikokapital zu erhöhen. Die Forderung adressiert ebenfalls eine bekannte Schwäche, da Risiko nicht der ÖsterreicherInnen Sache ist. Innovative kleine Unternehmen sind bei Ausschreibungen der öffentlichen Hand besonders zu berücksichtigen. Langfristig sollen die Forschungsausgaben österreichischer IT-Unternehmen auf 8% des Umsatzes steigen.

Als vierter Bereich wird die stärkere Koppelung von Wirtschaft und Wissenschaft gesehen. Als institutionelles Instrument sollen Kompetenzzentren geschaffen werden sowie kooperative Finanzierungsmodelle (Schlagwort "PPP") die Mitteldeckung erleichtern. Als förderlich werden auch Stiftungsprofessuren gesehen, die wir vor allem von US-Universitäten kennen. Durch schnellere und einfachere Prototyp-Entwicklung kann die Wertschöpfung beschleunigt werden wie auch der Transfer von IKT-Leistungen in andere Branchen. Der rechtlichen Rahmen, explizit wird hier das Urheberrecht (IPR) genannt, soll flankierend verbessert werden.

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