Der Spaßvogel und Künstler Müller füllt nun ein ganzes Buch mit bemerkenswerten Eigenheiten der Insel im Nordatlantik, natürlich aus seiner ganz persönlichen Perspektive. Etwa über die spärliche Population von Singvögel. Experten führen das auf das Fehlen von Gebüschen und Wäldern zurück. Dort könnten Vögel nämlich in aller Ruhe differenzierte und melodiöse Gesänge entwickeln. Hingegen müssen die Meeres- und Wattvögel gegen eine laute Meeresbrandung ankreischen. Glücklicherweise kamen 1992 einige Amseln auf die Insel, um die im Südosten des Landes beheimatete Sperlingskolonie gesanglich zu unterstützen. Die Presse berichtet jährlich über die Bruterfolge der seltenen Singvögel.
Müller widmet ein Buchkapitel dem Thema Kunst und Kaninchen und erzählt darin von den ausgesetzten verwilderten Kaninchen, die dank verlegter Warmwasserrohre und fürsorglicher Tierfreunde den langen kalten Winter überleben. Und so könnte in entsprechender Stimmung und den landestypischen winterlichen Lichtverhältnissen so manches an ein warmes Rohr gekuscheltes Kaninchen für einen Troll oder Elf gehalten werden.
Das wirft auch ein völlig neues Licht auf das Alkoholverbot, das erst 1989 unter dem Druck protestierender Künstler und Intellektueller wieder aufgehoben wurde. Bis dahin durften Rotwein, Sherry oder Portwein nur für medizinische Behandlungen importiert und verwendet werden. Auch Boxen war von 1956 bis 2002 verboten und trug den isländischen Männern bei einigen Reiseschriftstellern prompt einen schlechten Ruf ein. Anlass für das Verbot war eine Prügelei vor einem Tanzlokal, bei der Polizisten mit gekonnten Schlägen außer Gefecht gesetzt wurden, erzählt der Tanzlehrer E. Gunnarsson. Jetzt scheinen sich die Isländer wieder im Griff zu haben. Jón Bjarni Atlason, ein in Wien lehrender Isländischlektor, rät trotzdem vom Boxsport ab. Ihm wäre die Aufrechterhaltung des Verbots lieber gewesen. Angeblich ist er gern mit seinem Fahrrad unterwegs, aber immer nur mit Sicherheitshelm.
Diese und alle anderen Gesetze werden im Parlament, dem Althing in der Hauptstadt Reykjavik diskutiert und beschlossen. Hier wurde 1973 der Buchstabe „Z“ abgeschafft und durch „S“ ersetzt, angesichts des Sprachpurismus der Isländer eine bemerkenswerte Begebenheit. Als eines der wenigen Lehnwörter konnte sich das Wort „Pizza“ durchsetzen, auch mit zwei Z. Und so hängt das nördlichste Pizzeriaschild der Welt in den Westfjorden, genauer in Isafjörour. Was sonst aus dem harmlosen Wort für „flatbaka“, also Pizza, geworden wäre und anderes höchst Aufschlussreiches über die Insel und ihre Bewohner ist im Buch mit dem programmatischen Untertitel „Die Wahrheit über Island“ nachzulesen!


1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 