ERP-Systeme haben sich bei produzierenden Industrieunternehmen in den letzten Jahren zu einer zentralen geschäftskritischen IT-Applikation entwickelt, da sie über das Auftragsmanagement alle wesentlichen Tätigkeitsbereiche miteinander vernetzen. Die Auswahl des richtigen ERP-Systems wird damit zum wesentlichen Erfolgsfaktor für die Effizienz und Qualität des Fertigungsprozesses und Lieferservices.
Die Studie der HSF soll vor allem den Anbietern und Beschaffungsentscheidern von ERP-Systemen nützliche Erkenntnisse liefern. Die 225 Personen, die an der Online-Umfrage teilnahmen, spiegeln die bei einer Beschaffungsentscheidung involvierten Abteilungen ebenso wider wie die Marktstrukturen dieser Fertigungsarten. So ist der Maschinen- und Anlagenbau überdurchschnittlich vertreten.
Größe des ERP-Anbieters spielt untergeordnete Rolle
Die Ergebnisse zeigen, dass die Größe eines ERP-Anbieters nur eine untergeordnete Rolle spielt. Zwar kennen viele die ERP-Lösungen von den Marktführern, doch nur wenige würden diese auch tatsächlich nutzen. Vielmehr wurden insbesondere kleinere Anbieter spontan genannt. Diese bieten dem Kunden maßgeschneiderte Lösungen an. Das zentrale Kaufentscheidungskriterium ist eine hohe fachliche Kompetenz in Bezug auf die Besonderheiten der Einzel-, Auftrags- und Variantenfertigung.
Besonders gefragt sind Spezialistentum, eine kontinuierliche Markt- und Standortpräsenz in Deutschland und Europa, die über ausgewiesene Kundenreferenzen sichtbar werden. Als übergeordnete Nutzenerwartung an ein ERP-System wird von allen Beteiligten die Schaffung von transparenten Prozessabläufen angeführt, mit dem Ziel, die Produktivität nachhaltig zu steigern.
Die einzelnen Kaufentscheidungskriterien werden jedoch in Abhängigkeit von der persönlichen respektive beruflichen Betroffenheit der entscheidungsbeteiligten Personen unterschiedlich gewichtet und bewertet. Beispielsweise wird im Vertrieb die Möglichkeit, Stammstücklisten, Stücklisten und Arbeitspläne in Bezug auf den Auftrag und das Angebot abzurufen sowie Zukaufteile aus dem ERP-System heraus zu beschaffen, als sehr wichtig angesehen.
Beim Auftrags- und Projektmanagement nimmt hingegen eine integrierte Termin-/Ressourcenplanung sowie die Verkettung von Stücklisten mit Aktivitäten aus dem Terminplan zur Ermittlung von Eckterminen für die Feinplanung einen hohen Stellwert ein. Während die Einbindung von PDM/PLM, DMS, CRM in ein ERP-System für jeden fünften Teilnehmer nicht von Bedeutung ist, wird von allen am Entscheidungsprozess beteiligten Personen eine hohe Integration von Microsoft Office, CAD/CAM- und Finanzbuchhaltungs-Softwarelösungen im ERP-System erwartet.
Projekt- und produktbegleitende Unterstützung wichtig
Losgelöst von diesen Details ist auch die sichtbare Qualität einer projekt- und produktbegleitenden Unterstützung für alle Beteiligten ein wichtiges Kaufentscheidungskriterium. Es werden insbesondere klare Aussagen und Vorgaben erwartet zu Hilfestellungen bei der Spezifizierung der ERPAnforderungen, Identifizierung von Optimierungspotentialen, Geschäftsprozessmodellierung (GPM), ERP-Einführungsstrategie, Projektmanagement-Konzept, Echtlauf-Unterstützung beim ERP-Start.
Fast 75 % aller befragten Personen hat zudem die Erwartungshaltung, dass ein Kundenbetreuer regelmäßig den Kontakt zu ihnen hält. Dabei sind Support-Mitarbeiter und Berater von der Projekteinführung aufgrund ihrer Kompetenzen gefragte Ansprechpartner. Login-Bereiche auf der Website stellen jedoch eine attraktive Alternative zum persönlichen Kontakt mit dem Kundenbetreuer dar, um sich auf dem Laufenden zu halten.
„Als Fazit ist festzuhalten“, so Prof. Dr. Frank Lasogga, Projektleiter der Studie, „dass insbesondere die ERP-Anbieter bei Einzel-, Auftrags- und Variantenfertigern überzeugen, die mit sichtbaren Kompetenzen sowohl im Pre-Sales- als auch im After-Sales-Bereich auftrumpfen. Know-how schlägt Produkt-Features.“
Die Studie ist im Internet abrufbar unter www.hs-fresenius.eu/studien. Nach Anforderung eines Passwortes kann auf die Ergebnisse zugegriffen werden.


1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 