Sie sind jetzt Präsidentin der IPMA. Was wird auf Sie zukommen?
Die Ziele, die ich mir gesteckt habe sind vielfältig. Sie liegen vor allem im Bereich Marketing und Kommunikation. Ich sehe als eine meiner Hauptaufgaben die Marke IPMA bekannter zu machen und zusätzliche IPMA-Produkte auf dem Markt zu positionieren. Neben unseren Kernprodukten PM-Zertifizierung, PM-Award, PM-Weltkongress und den eigenen Publikationen sollen z. B. die Registrierung von Trainingsprogrammen eingeführt werden.
Ich werden auch die Kommunikation zwischen den einzelnen Mitgliedsländern intensivieren, um verstärkt gute nationale Ideen auf die globale IPMA-Ebene heben zu können. Davon werden auch die österreichisch Projektmanagementbranche und unsere pma-Mitglieder profitieren, die ja durch ihre pma-Mitgliedschaft auch das weltweite IPMA-Netzwerk nutzen können.
Eine grundsätzliche Frage, sehen Sie Projektmanagement als Berufsbild oder als Zusatzqualifikation?
Ich sehe Projektmanagement als Berufsbild. Die Zertifizierungen zielen auch darauf ab und sind nach dem mehrstufigen international anerkannten "Four-Level-Certification (4-L-C)"-Modell aufgebaut, das einen etwaigen Karrierepfad unterstützt. Mit "pm basic" haben wir zusätzlich ein Produkt in Kooperation mit der OCG (Österreichische Computer Gesellschaft) etabliert, das vor allem für Personen mit keiner oder nur geringen PM-Erfahrung, also z. B. WiedereinsteigerInnen und SchülerInnen, gedacht ist, da sehr wohl am Arbeitsmarkt PM-Basiskenntnisse verstärkt als Zusatzqualifikation nachgefragt sind. Quer durch alle Berufe und Hierarchien ist das zu bemerken.
Laut pma-Statistik sind derzeit circa eine Million Personen in Österreich in Projekten involviert. In Österreich sind derzeit an die 6.700 Personen nach IPMA zertifiziert (bei international ca. 300.000 zertifizierten Personen). Die Trennung zwischen Linien- und Projekttätigkeit ist aber oft nicht leicht, da schnell etwas als Projekt bezeichnet wird, ohne dass es wirklich den Projekt-Kriterien entspricht. ProjektmanagerInnen haben jedenfalls ein weites Aufgabenfeld, von Planung, Controlling, Steuerung und Organisation, bis hin zu Kommunikations- und Sozialmaßnahmen.
Wie entwickeln sich die Methoden des Projektmanagements. Welche Trends sehen Sie international?
Sozial- und Verhaltenskompetenzen werden wichtiger. Sie sind für den Projekterfolg mindestens ebenso wichtig wie das Beherrschen der klassischen PM-Tools. Viele Unternehmen haben das erkannt und die Strukturen, Kommunikationsregeln und Standards dafür etabliert. Auch IPMA und pma hat sich dieser Marktentwicklung nicht verschlossen und seine Zertifizierungen entsprechend erweitert. Wir evaluieren ab heuer deshalb im Zertifizierungsprozess auch die Sozial- und Verhaltenskompetenzen. Dabei berücksichtigten die IPMA-Zertifizierungen die jeweiligen Landesspezifikas, denn in verschiedenen Kulturen werden diese oft unterschiedlich gehandhabt und ausgelegt.
Weiters werden im Projektmanagement die inhaltlichen Anforderungen an Analysen immer wichtiger, z. B. Analysen von Szenarien, Umwelten, auch von Zielerreichungen. Unter anderem auch deshalb, um eine Basis für die Erfolgsmessung zu haben - zunehmender Zeit- und Gelddruck forcieren die Methoden rund um das Projektcontrolling. Eine weitere Tendenz im Projektmanagement: Früher war die Projektleitung zuständig für die Zielerreichung und war fast nie in die vorgelagerte Erstellung von Business Cases eingebunden. Nun müssen sie vermehrt als Unternehmer agiert, also auch die gesamtgeschäftlichen Aspekte im Auge haben.
Die Methoden/Tools für das IT-Projektmanagement sind vielfältig - sehen Sie hier eine Höherbewertung gewisser Methoden/Tools als in anderen Branchen?
pma/IPMA arbeitet mit einem Set von Methoden, wie sich Projekte zu gestalten haben, diese gelten auch für IT-Projekte. In der Realität ergeben sich meist Mischungen aus spezifischen Vorgehensmodellen und den formalen Methoden. Ich sehe aber eine gewisse Höherbewertung von Methoden bei Spezifikations- und Abnahmeprozessen. IT-Projekte sind oft anlassbezogen, z. B. bei umfassenden Geschäftsprozess-Veränderungen. Daher sind sie oft besonders getrieben, was wiederum besondere Kontrollmechanismen erfordert. Vorteile für ProjektleiterInnen aus der IT-Branche sind sicherlich die Computeraffinität und der einfachere Umgang mit PM-Software-Lösungen - die Einstiegsschwelle ist hier niedriger.
Die pma ist der österreichische Ableger der größten föderalen Projektmanagement-Organisation weltweit - der IPMA (International Project Management Association). Die Aufgaben der pma umfassen die Standardisierung von Methoden, die Zertifizierung von ProjektmanagerInnen sowie die Plattformbildung für Ihre Mitglieder.
Die pma adressiert dabei nicht nur personenbezogenes Know how, sondern auch organisationsbezogenes, wie das "Projektorientierte Unternehmen" oder das "Projekt-Portfolio-Management". Die Zielsetzung geht so weit, dass Österreich bis 2010 als "projektorientierte Gesellschaft" internationale Wettbewerbsvorteile erreichen soll - das klingt stark nach Lissabon-Agenda. Der Vorstand der pma weist starken IT-Background auf, die Branche ist also stark vertreten. pma-Chefin Mag. Brigitte Schaden hat zudem, als erste Frau überhaupt, seit Anfang 2009 den Vorsitz der IPMA-Präsidentschaft übernommen.




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8/2011
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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 