Gefahr für Forschungsstandort Österreich

„Wir werden ein Startup-Essential- Programm in Österreich für wissenschaftliche Institutionen sowie für Unternehmen beginnen.“ – DI Gerald Hartl, Sun
"Wir sind dazu da, Unternehmen an die Hand zu nehmen und zu begleiten", ging FFG-Experte Zergo auf das KMU-Thema ein. "Wir arbeiten da stark mit Beratungsdienstleistern wie der PNO Consultants zusammen, um vermehrt Projekte zu fördern", so Zergoi. IM IKT-Bereich lag die EU-weite Erfolgsrate (Förderung von eingereichten Projekten) bei 15 % (Österreich: 24 %). "Laut unseren Untersuchungen lässt sicht die Erfolgsrate sogar noch verdoppeln, wenn Beratungsleistungen in Anspruch genommen werden", betonte Zergoi.
Für KMUs, die Forschung betreiben, gäbe es überdies spezielle Förderprogramme, wie etwa "Research for SMEs" (Start für die nächste Ausschreibung allerdings erst wieder im 4.Quartal 2009, Anm.d.Red.). Neu und extra für KMUs wurde auch EUROSTARS (im Rahmen von EUREKA) eingerichtet. "Die EU-Förderprogramme sind zur Zeit sehr interessant", riet PNO-Consulter Gernot Wörther dringend, diese Chance zu nutzen.
Zukunftsstrategien für IKT-Forschung
Ein zentraler Punkt ist die Verwertung von Forschungsergebnissen, waren sich alle Beteiligten einig. "Hier gibt es eine Reihe von Empfehlungen, die sich auf den Bereich des geistigen Eigentums und die Patentproblematik beziehen, wo es sicher noch Verbesserungspotenzial gibt", versicherte Stockhammer. Wichtig sei auch die Schnittstelle Universität - Wirtschaft, da gäbe es eine Reihe von Möglichkeiten. "Im Dezember gab es gerade eine Ratsempfehlung zum Thema Unternehmensgründungen und Spin-Offs", betonte Stockhammer.
Wichtig sei es natürlich auch, die Attraktivität des österreichischen Forschungsstandorts zu heben. "Dazu gehört, den Frauenanteil in der IKT-Forschung zu heben "von derzeit 8 % in der IKT-Forschung im Unternehmensbereich auf 25 % bis zum Jahr 2020". An den Unis sehe es besser aus, mit einem Frauenanteil von derzeit 22 %. "Hier wäre es schön, auf 50 % zu kommen", sagte Stockhammer.
Auch Mobilität sei ein wichtiges Stichwort, vor allem, um auch Forscher zu bewegen, wieder zurück nach Österreich zu kommen, "es mangelt noch an den richtigen Rahmenbedingungen, wir sollten uns an Ländern wie Singapur, Finnland oder Schweden orientieren. 2009 wird dann erfolgreich, wenn die bestehenden Programme weitergeführt werden können und nicht durch einen möglichen Rückgang in der Forschungsfinanzierung Einbußen erleiden und wenn man es schafft, dass IKT aber auch Naturwissenschaften und technische Disziplinen an Attraktivität gewinnen", schloss Stockhammer.
Bei der FFG gibt es 2009 drei Ausschreibungen, "die EU setzt einige Schwerpunkte wie etwa "Future Internet", dann "ICT for Sustainable Growth" mit Themen wie IKT zur Unterstützung von Energieeffizienz oder Mobilität. Der dritte Punkt ist der Bereich IKT-Komponenten und Systeme, wo Embedded Systems, Systems on Chips oder Photonics enthalten sind", betonte FFG-Experte Zergoi. "Es geht sicher noch darum, mehr Bewusstsein bei den Unternehmen für die Fördermöglichkeiten zu schaffen, die wir bieten", wünschte er sich.
"Jeder muss an seinem Platz in der Branche beitragen. Wir haben z. B. Ende Februar eine große Wirtschaftsinformatik-Tagung in Wien mit 160 Vorträgen organisiert", berichtete WU-Prof. Hansen. (www.wi2009.at) "Sehr viel unserer Energie geht auch in Vermarktungsstrategien hinein, um den Erfahrungsaustausch mit der Wirtschaft zu pflegen", stellte Hansen fest.
"Wir sind dabei unsere Hausaufgaben zu machen, wie etwa den Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen. Seit Jahren fordern wir auch einen IKT-Beauftragten", stellte Seyruck fest.
"Wir arbeiten im Bereich Service und Autonomic Computing, wichtig ist uns eine erfolgreiche Zusammenarbeit und Vernetzung bei den Forschungsprojekten", ging TU-Prof. Dustdar auf inhaltliche Schwerpunkte ein.
Sehr aktiv ist man bei Sun, "Wir werden erstens ein Startup Essential Programm in Österreich für wissenschaftliche Institutionen sowie Unternehmen beginnen und zweitens haben wir die Initiative Campus Sun auch in Österreich gestartet: Es gibt mittlerweile eine Java Studenten User Group an der TU Wien, die im April gemeinsam mit der WU Wien eine Veranstaltung machen wird, mit dem Ziel neue Start-Ups zu gründen", berichtete Gerald Hartl.
Auch Microsoft hat einige Programme laufen, während es bei SAS in Österreich vor allem darum geht, Kooperationspartner aus der Wissenschaft zu gewinnen.
Links
www.rat-fte.at Im Bereich News ist der Download des neuen IKT F&E-Strategiepapiers möglich.
www.ffg.at Österr. Forschungsförderungsgesellschaf. KMUs finden unter http://rp7.ffg.at/kmu_inhalte weiterführende speziell zugeschnittene Informationen zum Thema EU-Forschung. Kontakt: DI Jürgen Rattenberger, Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien, Tel. +43 (0)5 7755 - 4208, juergen.rattenberger@ffg.at
Univ.Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Robert Hansen, Department of Information Systems, WU Wien
Univ.Prof. Mag. Dr. Schahram Dustdar, Institut für Informationssysteme, TU Wien
DI Gerald Hartl, Account Manager for Education and Healthcare, SUN Microsystems
DI Werner Rohrer, Academics und Education Manager, SAS Österreich
Dipl.-Ing. Wilfried Seyruck, GF Programmierfabrik und stv. Vorsitzender der Berufsgruppe "Informationstechnologen" der WKO/UBIT
DI Andreas Schabus, Academic Relations Manager und Leiter Innovation Center, Microsoft Österreich
Mag. Constanze Stockhammer, IKT-Referentin, Rat für Forschung und Technologieentwicklung
Mag. Gernot Wörther, Senior Consultant (Förderungsberatung, Schwerpunkt IT), PNO Consultants
Thomas Zergoi, Europäische und internationale Programme, FFG (Forschungsförderungsgesellschaft)



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Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 