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Strategien

MONITOR Expertenrunde: IT-Forschung in Österreich

Exzellente Forschung als Ausweg aus der Krise

Forschung verkaufbar machen

Zurück zum Inhaltlichen. Bei Grundlagenthemen spiele die ganze Welt mit. "In China sitzen mehr Studenten als Europa Einwohner hat, was wollen wir mit denen konkurrieren", gab Andreas Schabus, bei Microsoft Österreich für die Beziehung zu Wissenschaftlern und Unis verantwortlich und Leiter des neuen hauseigenen "Innovation Centers", zu bedenken. Auf der anderen Seite gebe einen großen Bedarf an Forschern und IT-Fachkräften in Österreich.

„Wir sind dazu da, Unternehmen an die Hand zu nehmen und zu begleiten.“ - Thomas Zergoi, FFG

"Laut einer Studie, die wir mit der Uni Klagenfurt gemacht haben, fehlen in Österreich zur Zeit 4.000 IT-Spezialisten", betonte Schabus. "Mein Lieblingsthema ist E-Learning, und da kenne ich mindestens sieben verschiedene Forschungsprojekte in Österreich", erzählte Schabus weiter über die Vielfalt der heimischen Forschung. "Wichtig ist, dass die Grundlagenforschung in irgend etwas Verkaufbarem mündet", so Schabus, und mit dem Verkaufen hätten Österreichs Unis noch "ein Problem, das ist so ein no-no-Thema". In Amerika würde das viel besser funktionieren, da seien die Unis viel selbständiger und hätten gute Modelle aufgebaut. "Wenn ich eine Dissertation an einer amerikanischen Uni schreibe, dann lasse ich das Ergebnis patentieren - da hilft mir die Universität dabei - und ich schenke 10 bis 20 % der Patenteinnahmen der Universität", schilderte Schabus. Die heimischen Unis sollten ihre Möglichkeiten besser verkaufen, appellierte Schabus.

"Ich denke, die IKT-Leute trifft dieser Vorwurf noch am wenigsten", reagierte WU-Prof. Hansen prompt. "Das E-Learning-System der WU Wien ist übrigens das größte der ganzen Welt - die Frage ist natürlich, wie weit sollen wir das vermarkten", meinte Hansen. Da trete man erstens in Konkurrenz zur Wirtschaft und brauche zweitens einen Vermarktungsapparat. "Es gibt aber jede Menge Startups, die aus den Unis heraus gegründet wurden", so Hansen.

Dabei ergäbe sich auch ein anderes Problem, "Wie halte ich die Professoren bei der Stange, dass sie für die Unis arbeiten?", stellte Hansen eine Frage in den Raum.

Forschung bei Sun und SAS

"Sun ist übrigens auch ein Start-up, entstanden aus einer Diplomarbeit in Stanford - der Name steht ja für Stanford University Network", schloss Gerald Hartl, seit neun Jahren Manager bei Sun, an Hansens Ausführungen an. "Wir haben seit dem Jahr 2000 konstant jährlich rund 2 Mrd. Dollar in Forschung und Entwicklung investiert", stellte Hartl fest. Die Strategie sei es auch, sogenannte "External Research Centers" einzurichten, um Unis bei Forschungsprojekten zu unterstützen. "Da gibt es ein sehr positives Beispiel einer Kooperation mit der Uni Linz (Inst. für Systemsoftware, Prof. Hanspeter Mössenböck, Anm.d.Red.), die basierend auf ihrer Grundlagenforschung für uns einen Java-Compiler entwickelt hat und derzeit mit Optimierungsverfahren beschäftigt ist", berichtete Hartl. "Es gibt in Österreich auch zwei Centers of Excellence, eines an der Uni Wien, gemeinsam der Austrocontrol, wo an der Entwicklung von neuen Modelle für eine verbesserte Wettervorhersage gearbeitet wird. Ein zweites besteht an der TU Wien, gemeinsam mit Salzburg Research, da geht es um die Entwicklung von mobilen Anwendungen." Auch außerhalb der USA gäbe es zudem eigene Sun-Forschungszentren, das nächstgelegene sei in Prag angesiedelt, Schwerpunkt sei JAVA als Entwicklungsumgebung.

„Das E-Learning-System der WU Wien ist das größte der ganzen Welt - die Frage ist natürlich, wie weit sollen wir das vermarkten?“ - Univ.Prof. Dr. Dr. Hans Robert Hansen, WU Wien

"Auch wir sind ein Spin-Off, wir kommen aus der US-Uni North-Carolina", stellte Werner Rohrer, Manager bei der heimischen Niederlassung des Business Intelligence Anbieter SAS, fest. "Für uns ist Forschung sehr wichtig, wir haben aber nur ein Forschungszentrum in der US-Unternehmenszentrale in Cary/North Carolina, von dort aus wird alles gesteuert", so Rohrer. Laut Website wird derzeit gut ein Fünftel (22 %) des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert. (Beim Jahresumsatz 2008 von 2,26 Mrd. Dollar wären das knapp 500 Mio. Dollar, Anm.d.Red.). In Österreich wird seit zwei Jahren versucht, eine gute Kooperation mit den Unis aufzubauen. "Das geht natürlich nicht von heute auf morgen", weiß Rohrer. Es sei allerdings schwierig, die richtigen Ansprechpartner zu finden. "Unsere Schwerpunkte sind Risikom- und Wissensmanagement", so Rohrers Einladung an kooperationswillige Forscher.

"Business Intelligence ist einer unserer Schwerpunkte, aber Sie können sich als Uni nie mit einem bestimmten Unternehmen und Produkten einlassen - das darf eben nicht nur SAS sein, sondern wir müssen herstellerneutral arbeiten", warf WU-Prof. Hansen ein.

Forschung nicht attraktiv?

"Viel zu viele Studenten gehen vor Studienabschluss weg, für uns ist allerdings das Hauptproblem die Schnittstelle zwischen Gymnasium und Universität", bedauerte Hansen. "Wir haben eine extrem hohe Qualität und Quantität von Studierenden und Absolventen, an guten Leuten mangelt es jedenfalls in der Forschung nicht", betonte TU-Prof. Dustdar. Das Problem sei die unklare Positionierung der IKT-Forschung in Österreich. Große Unternehmen wie Microsoft, Sun, IBM oder Yahoo hätten zudem überall auf der Welt Forschungslabors - nur nicht in Österreich.

"In Wahrheit konkurrieren wir stark mit diesen Forschungslabors - die Frage ist für die IKT-Forschung an den Unis: Wie differenziert sie sich überhaupt von den großen Unternehmen? Wie kann ich mich differenzieren, wenn Microsoft ein Lab in Peking mit 300 Mitarbeitern plus 300 Internen hat?" Dustdar forderte ein stärkeres globalisiertes Denken und auch verbesserte Bedingungen in der Ausbildung, die etwa zunehmend in Englisch sein sollte. Man sollte auch verbesserte Bedingungen schaffen, um vermehrt ausländische Studierende nach Österreich zu holen. "Aber Forscher, die bei uns ihre Dissertation gemacht haben oder an Forschungsprojekten mitarbeiten, schickt man nachher wieder weg, die dürfen nicht hier bleiben", kritisierte Dustdar. "Die Politik muss einen Plan entwickeln, wie die Positionierung des Forschungsstandorts Österreich verbessert werden kann", so der dringende Appell des IT-Experten.

"An der WU haben wir einen Ausländeranteil von über 30 %, und Wirtschaftsinformatik wird seit 2002 nur noch auf englisch angeboten, das heißt, die Internationalisierung findet statt", betonte Hansen. "Die WU hat da sicher eine Vorreiterrolle", meinte dazu Microsoft-Manager Schabus.

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MONITOR-Autoren
Dunja Koelwel

Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. ..mehr..

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