Kritik am FTE-Rat
Hansen kritisierte in der Folge den Rat für FTE: "Wenn man sich die Forschungspolitik und jetzt auch das IKT-Strategiepapier anschaut, ist das extrem einseitig". Die zu fördernden Stärkefelder "werden auf Seite 38 auf nur einer Seite beleuchtet, die Förderung ist außerdem sehr einseitig auf Basistechnologien ausgelegt", monierte Hansen und weiter: "Dem Großteil der Uni-Institute und der Wirtschaft, die im Informatik- und Telekom-Bereich tätig sind, bringt das Papier nichts."

„Laut einer Studie, die wir mit der Uni Klagenfurt gemacht haben, fehlen in Österreich zurzeit 4.000 IT-Spezialisten.“ - DI Andreas Schabus, Microsoft
Zustimmung zum FTE-Strategiepapier kam hingegen von Wirtschaftskammer-Vertreter Wilfried Seyruck: "Da sind genau unsere Forderungen enthalten: wir brauchen einen zentralen Koordinator - nicht auf "siebzehn" Ministerien verteilt, wir müssen schauen, dass wir mehr Frauen für dieses Thema begeistern, und wir müssen die Unis attraktiver machen, auch für internationale Forscher". Seyruck hatte auch Zahlenmaterial parat: "Der IT-Bereich hat bereits 5 % Anteil an der Wirtschaft und insgesamt 170.000 Beschäftigte".
TU bei EU-Projekt COMPAS führend
Nach diesem einleitenden Schlagabtausch wollte ich natürlich auch mehr zu den inhaltlichen Aspekten der IKT-Forschung erfahren. "Ich selber habe in meinem Arbeitsbereich derzeit um die zwölf Forschungsprojekte laufen, neun davon sind EU-Projekte", berichtete Schahram Dustdar, Prof. am Institut für Informationssysteme der TU Wien und dort Leiter der Distributed Systems Group. Dustdar ist etwa Koordinator des großen EU-Forschungsprojekts COMPAS (Compliance-driven Models, Languages and Architectures for Services), das bis 2011 läuft. Dafür wurde er 2008 auch mit dem Titel "Austrian Champion in European Research" ausgezeichnet.

„Für uns ist Forschung sehr wichtig.“ - DI Werner Rohrer, SAS Österreich
Dustdar forderte noch drei Dinge ein: einerseits eine bessere Vernetzung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, zweitens braucht Forschungspolitik immer einen Lifecycle-Ansatz d.h. die Industrie muss die se Entwicklung aufnehmen und in entsprechende Produkte umsetzen. Drittens die Frage: Wie geht man mit der Innovation um? Dustdar sprach hier auch die Patent-Thematik an: "Es ist schwer, sich vorzustellen, dass Patente verteidigt werden können, so wie die heimischen Unis aufgestellt sind."
"Wir finden es sehr schade, dass man jetzt bei Forschungsausgaben auf die Bremse steigt", kam Wirtschaftskammer-Vertreter Wilfried Seyruck wieder auf die aktuelle finanzielle Situation zu sprechen. "Wir müssen schauen, dass über die Technologiezentren weiter der Konnex Forschung - Wirtschaft passiert, da wird auch Venture Capital heuer sicher ein Thema sein", hofft Seyruck, quasi als Ausgleich für das fehlende staatliche Budget. Allerdings benötige die Wirtschaft tatsächlich mehr Beratung, die dabei unterstützen solle, gemeinsam mit Wissenschaftlern Forschungsprojekte durchzuführen.



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6/2011
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Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 