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Strategien

MONITOR Expertenrunde: IT-Forschung in Österreich

Exzellente Forschung als Ausweg aus der Krise

Kritik am FTE-Rat

Hansen kritisierte in der Folge den Rat für FTE: "Wenn man sich die Forschungspolitik und jetzt auch das IKT-Strategiepapier anschaut, ist das extrem einseitig". Die zu fördernden Stärkefelder "werden auf Seite 38 auf nur einer Seite beleuchtet, die Förderung ist außerdem sehr einseitig auf Basistechnologien ausgelegt", monierte Hansen und weiter: "Dem Großteil der Uni-Institute und der Wirtschaft, die im Informatik- und Telekom-Bereich tätig sind, bringt das Papier nichts."

„Laut einer Studie, die wir mit der Uni Klagenfurt gemacht haben, fehlen in Österreich zurzeit 4.000 IT-Spezialisten.“ - DI Andreas Schabus, Microsoft

"Im Rahmen der Strategieentwicklung gab es eine Vielzahl von umfangreichen Arbeitsgruppen, wo Vertreter unterschiedlichster Stakeholder-Gruppierungen eingeladen waren. Es waren eine Reihe von IKT-Professoren vertreten, von der WU etwa Prof. Alfred Taudes, auch außeruniversitäre Forscher und Technologie-Experten aus der Praxis waren eingeladen - die Schwerpunkte sind also nicht vom Rat vorgegeben, sondern kommen aus der IKT-Forschung", konterte Constanze Stockhammer vom FTE-Rat. "Wenn von Ihrer Seite aber noch Verbesserungsvorschläge kommen, haben wir natürlich ein offenes Ohr", schlug Stockhammer vor.

Zustimmung zum FTE-Strategiepapier kam hingegen von Wirtschaftskammer-Vertreter Wilfried Seyruck: "Da sind genau unsere Forderungen enthalten: wir brauchen einen zentralen Koordinator - nicht auf "siebzehn" Ministerien verteilt, wir müssen schauen, dass wir mehr Frauen für dieses Thema begeistern, und wir müssen die Unis attraktiver machen, auch für internationale Forscher". Seyruck hatte auch Zahlenmaterial parat: "Der IT-Bereich hat bereits 5 % Anteil an der Wirtschaft und insgesamt 170.000 Beschäftigte".

TU bei EU-Projekt COMPAS führend

Nach diesem einleitenden Schlagabtausch wollte ich natürlich auch mehr zu den inhaltlichen Aspekten der IKT-Forschung erfahren. "Ich selber habe in meinem Arbeitsbereich derzeit um die zwölf Forschungsprojekte laufen, neun davon sind EU-Projekte", berichtete Schahram Dustdar, Prof. am Institut für Informationssysteme der TU Wien und dort Leiter der Distributed Systems Group. Dustdar ist etwa Koordinator des großen EU-Forschungsprojekts COMPAS (Compliance-driven Models, Languages and Architectures for Services), das bis 2011 läuft. Dafür wurde er 2008 auch mit dem Titel "Austrian Champion in European Research" ausgezeichnet.

„Für uns ist Forschung sehr wichtig.“ - DI Werner Rohrer, SAS Österreich

"In Österreich gibt es leider die Tendenz, sogenannte Grundlagenforschung gegen sogenannte Anwendungsforschung auszuspielen", bedauerte Dustdar. Daraus entstehe der Glaube: Grundlagenforschung läge beim FWF (Fonds zur Förderung von Wissenschaft und Forschung) und WWTF (Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds), und Anwendungsforschung wäre Sache der EU. Das sei ein Irrglaube. Inhaltlich gebe es eine ganz andere Problematik, da die Informatik immer stärker in alle Lebensbereiche hineinwachse. "Das heißt, wir haben künftig nicht mehr die Wirtschaftsinformatik, sondern wir werden künftig eine Fülle von Informatiken haben, die in sämtliche Wissenschaftsdisziplinen hineinwachsen", prognostizierte Dustdar. "Wir brauchen bessere Instrumente, um mit den unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen wie Life Sciences, Physik oder Chemie zusammenzuarbeiten", gab sich der TU-Professor sehr zukunftsorientiert.

Dustdar forderte noch drei Dinge ein: einerseits eine bessere Vernetzung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, zweitens braucht Forschungspolitik immer einen Lifecycle-Ansatz d.h. die Industrie muss die se Entwicklung aufnehmen und in entsprechende Produkte umsetzen. Drittens die Frage: Wie geht man mit der Innovation um? Dustdar sprach hier auch die Patent-Thematik an: "Es ist schwer, sich vorzustellen, dass Patente verteidigt werden können, so wie die heimischen Unis aufgestellt sind."

"Wir finden es sehr schade, dass man jetzt bei Forschungsausgaben auf die Bremse steigt", kam Wirtschaftskammer-Vertreter Wilfried Seyruck wieder auf die aktuelle finanzielle Situation zu sprechen. "Wir müssen schauen, dass über die Technologiezentren weiter der Konnex Forschung - Wirtschaft passiert, da wird auch Venture Capital heuer sicher ein Thema sein", hofft Seyruck, quasi als Ausgleich für das fehlende staatliche Budget. Allerdings benötige die Wirtschaft tatsächlich mehr Beratung, die dabei unterstützen solle, gemeinsam mit Wissenschaftlern Forschungsprojekte durchzuführen.

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MONITOR-Autoren
Alexander Hackl

Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. ..mehr..

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