Reifere Applikationen
Im Hinblick auf das Scheitern vieler BI-Projekte in der Vergangenheit lobte Priglinger den hohen Reifegrad, den heutige BI-Lösungen "in den oberen Schichten", also auf der Applikationsseite und aus Fachanwender-Sicht bereits hätten. In Großunternehmen lägen die Probleme jetzt vor allem in den unteren Schichten der Datenhaltung. "Die Datenintegrationsschicht zwischen Datawarehouse und operativen Systemen ist heute der Schlüssel. Die Frage ist jetzt, wie man Ordnung in die operativen Systeme bringen kann." Auch Zeiner (SAP) unterstrich, dass man durch BI-Projekte und Informationsmanagement nicht zuletzt auch Prozessverbesserungen erreichen könne. Aber auf der anderen Seite des BI-Spektrums, also der Anwenderseite, seien gerade in der Krise Tools gefragt, "die schnell zeigen, was passiert, wenn man an verschiedenen Hebeln des Business dreht. Unser Anspruch ist, beides in einem Portfolio anzubieten."
KMU, so Priglinger, hätten anders als Großunternehmen nach wie vor auch in der Darstellungsschicht zu kämpfen. "Die trifft es derzeit von oben und unten gleichzeitig ziemlich hart." Das eröffne aber gerade für Anbieter, die sich auf KMU spezialisiert haben, gute Geschäftschancen.
"Kein Unternehmen ist wie das andere", sagte Koch (Winterheller), und das sei auch die größte Herausforderung in BI-Projekten. "Die Problematik ist, am Anfang des Projekts herauszufinden, nach welchen Indikatoren der Kunde steuern will und ob das im konkreten Fall überhaupt Sinn macht." Generell sei der Ansatz von Winterheller, die Daten aus einem gemeinsamen Datenpool heraus und mit einer einheitlichen betriebswirtschaftlichen Logik zu verarbeiten, sie aber für die verschiedenen Anwenderanforderungen entsprechend unterschiedlich aufzubereiten.
2009 wird für die Kunden ein schwieriges Jahr, da waren sich die Anbieter am Podium einig. Was ihr eigenes Geschäft betrifft waren aber alle zuversichtlich. Zeiner: "BI ist ein Gebot der Stunde und lässt sich auch in der Krise nicht von der Agenda wischen." Die optimistischste Sicht vertrat Koch: BI wird in der Krise richtig durchstarten. Die Frage ist nur wann. Ich glaube, dass es schon im zweiten Quartal so weit sein wird." "Die Frage ist aber auch", schränkte Priglinger ein, "was sich die Unternehmen derzeit leisten können", und prophezeite den Anbietern für 2009 einen deutlich verstärkten Preisdruck bei den Projekten.
Dorette Dülsner, Bereichsleiterin Business Solutions Microsoft Österreich
Monika Koch, Geschäftsführerin Winterheller Software
Wolfgang Mayer, Direktor Microstrategy Österreich
Siegmund Priglinger, Unternehmensberater BARC Österreich
Erkan Utku, Service Manager IBM Cognos Österreich
Gerhard Zeiner,COO SAP Österreich



1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 