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Moniskop

100 Jahre Technisches Museum Wien

Das virtuelle Museum

Die dritte Dimension

Im 3D-Editor kann Moritsch den „didaktisch idealen Pfad“ durch die virtuelle Ausstellung definieren.

Seit Längerem arbeitet Moritsch auch schon intensiv an der nächsten Ausbaustufe seiner virtuellen Aussstellung. "2005 haben wir überlegt, wie es mit den medien.welten weitergehen könnte. Das Ziel war schnell klar: die Eroberung der dritten Dimension." Mit dem Institut für Informationssysteme & Informationsmanagement von Joanneum Research in Graz als Entwicklungspartner begann man, an einer Software zu schmieden, die es erlaubt, ganze dreidimensionale Ausstellungsräume im Cyberspace zu kreieren. Nach zwei Jahren war der Prototyp fertig. Das Tool benutzt den offenen Web-Standard Extensible 3D (X3D), eine Weiterentwicklung des auf XML basierenden 3D-Formats VRML (Virtual Reality Modelling Language). Jetzt baut Moritsch damit ein komplettes virtuelles Museum. Jedem der hundert Zeit/Themenfelder in der medien.matrix wird ein eigener Ausstellungsraum zugeordnet. Die einfache, intuitive Bedienbarkeit des Tools ist bestechend. Mit dem medien.schau.editor ist es jedem Benutzer mit durchschnittlichem PC-Anwenderwissen möglich, komplexe Ausstellungen in eine digitale und dreidimensionale Form bringen. Auf einem skizzenartigen Grundrissplan legt Moritsch zunächst Größe und Form des virtuellen Ausstellungsraums fest. Dann platziert er per drag and drop die vorher importierten digitalen Exponate und Features, entwirft Schautafeln mit Informationstexten und definiert den "didaktisch optimalen Ausstellungspfad" für den Benutzer. "Ich kann damit die ideale Ausstellung konzipieren. Das ist der Traum jedes Kurators", ist Moritsch begeistert.

Das Programm unterstützt alle gängigen Formen digitaler Inhalte wie Bilder, Audio und Video sowie auch diverse interaktive Elemente. So können zum Beispiel auch Wochenschau-Ausschnitte integriert werden. Alle Features können auf der Ausstellungsfläche frei positioniert werden. Der Editor generiert den X3D-Code dann automatisch. Im Vorschau-Modus kann Moritsch das Ergebnis seiner Arbeit sofort im dreidimensionalen Raum "begehen". Neben zweidimensionalen Bildern können auch echte 3D-Modelle im X3D-Format integriert werden. Von dieser Möglichkeit will Moritsch aber nur in Ausnahmefällen Gebrauch machen: "Wir verfügen als Museum hauptsächlich über digitale Bilder. 3D-modellierte Objekte würden von den Herstellungskosten her den Faktor hundert bedeuten." Für den räumlichen Eindruck sind sie auch nicht wirklich notwendig. Denn Beleuchtung und Betrachtungswinkel lassen bei der Bewegung des Benutzers durch den virtuellen Raum auch in Photoshop freigestellte Bilder verblüffend plastisch erscheinen. Tonquellen sind am Grundriss des Ausstellungsraums ebenfalls frei positionierbar. Dadurch können Stereo-Effekte erzielt werden, die das Raumerlebnis beim Durchwandern der virtuellen Ausstellung noch verstärken. Ist ein Ausstellungsraum fertig, kann er einfach aus dem Programm exportiert werden. Was daraus entsteht, ist ein Stück Code, das von jedem gängigen Internet-Browser mit OpenSource-X3D-Plugin verarbeitet werden kann.

Inzwischen ist aus dem weiterentwickelten Prototypen des medien.schau.editors ein viel beachtetes Softwareprodukt mit dem Namen Exhibition Editor 3D geworden, das in Museumskreisen in aller Welt Aufsehen erregt. Das Tool kann nicht nur zum Entwerfen virtueller musealer Welten verwendet werden. Es bietet Kuratoren auch eine wertvolle Unterstützung bei der Planung realer Ausstellungen. Weitere kommerzielle Anwendungsmöglichkeiten ergeben sich etwa in der Erstellung dreidimensionaler Präsentationen oder Webpages. Moritsch will mit seinem Cyperspace-Museum im Frühjahr 2009 online gehen. Rechtzeitig zum 100-Jahre-Jubiläum des TMW soll die "medien.schau" mit hundert virtuellen Ausstellungsräumen als neue Attraktion der medien.welten zur Verfügung stehen. Man darf gespannt sein, was der innovationsfreudige Kurator auf die Beine gestellt hat.

www.tmw.at

www.exhibition3d.at

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